Erlesene Mutterschaft XLIII

„Hättest du später gerne mal Kinder?“, fragt Anna.
„Wenn ich nur auf mich höre, wenn ich die Augen vor allem anderen verschließe, ja, dann kann ich nicht behaupten, ich würde mir das nicht wünschen. Auch wenn ich wahrscheinlich nie welche bekommen werde. Und du?“
„Ich bin lesbisch. So eine Frage stellt sich mir erst gar nicht.“
„Und warum?“
„Ich weiß nicht, so bin ich eben veranlagt. Außerdem glaube ich nicht, dass Familie so wirklich mein Ding ist.“
„Es zwingt einen ja keiner, Mama-Papa-Kind zu spielen, oder?“
„Da haben wir keine Wahl … Um es anders zu machen, fehlt uns die Fantasie.“
„Wir sind nicht alle dafür gemacht, was Besonderes zu werden, und mit Kindern hat das gar nichts zu tun. Sieh dir Patti Smith an oder Chrissie Hynde, die haben Kinder, sogar mehrere, und das hat sie nicht daran gehindert, zu werden, was sie sind, viel avantgardistischer als die meisten Lesben, die für Kinderwunsch nur Verachtung übrig haben.“

Négar Djavadi | Desorientale

Alle bisher dokumentierten Textausschnitte: Erlesene Mutterschaft I-XLII