Wir missverstehen uns. Oder: Was vom Tage übrig blieb

Ich war bei einer sympathischen Veranstaltung zum Thema feministische Mutterschaft und gleichberechtigte Elternschaft. Am Ende blieben für mich ganz viele Fragen offen. Ich habe das Gefühl, wir drehen uns im Kreis. Gerade am Beginn von Elternschaft geben sich die Problemstellungen die Klinke in die Hand. Kaum ist die eine erkannt, klopft schon die nächste an die Tür. Oder nein. Falsches Bild. Meist überrollen sie eine_n. Und dann. Mir fehlen viele Stimmen und die, die zu hören sind, wiederholen sich. Mühsam gefundene Gedankenwege wurden schon unzählige Male davor gegangen. Nicht weniger mühsam. Die Kinder werden älter, die Themen ändern sich. Wir arrangieren uns. Neue Eltern treten in unsere (geistigen) Fußstapfen. Denken Problemfelder an und weiter. Wenig neuer Input. Ich fühle mich resignierend und bin über die klassischen Themen hinweg. Irgendwie abgekapselt. So mit Einzelkind, aber ganz ohne Karriere und partnerschaftliche Aufteilungsprobleme.

Vielleicht muss das jede_r auch für sich (auf-)lösen. Die Widersprüche und Ambivalenzen aushalten. Mit dem gesellschaftlichen Druck jonglieren lernen. So vielen Anrufungen und Tipps in diesem Rahmen möchte ich Fußnoten hinzufügen. Löst euch vom Druck, perfekt zu sein und lasst die Dinge einfach liegen, so schnell stirbt kein Kind! Aber. Aber. Der Druck, der kommt ja sehr oft nicht von innen, sondern von außen. Und, klar, so schnell stirbt kein Kind. Aber mit Sonnenmilch eincremen muss nun ‚mal sein und die leere Tube muss rechtzeitig mit einer neuen ausgetauscht werden. Dann bestellt eben Pizza, wenn der Kühlschrank leer geblieben ist! Aber. Wie viele Familien können sich das einfach so leisten? Organisiert euch und baut verbindliche Netzwerke auf! Aber. Was, wenn keine verlässlich-verbindliche Freundschaften bestehen? Was, wenn die eigenen Eltern noch im Berufsleben stehen oder nicht am selben Ort leben? Bessere strukturelle Rahmenbedingungen! Politisches Lobbying! Das wär’s. Nur das? Gleichzeitig liegen mir selbst Anrufungen auf den Lippen. Aber. Nur weil es bei mir und für mich gut geklappt hat … Jede Situation scheint anders. Zu viele Situationen sind unsichtbar.

Dazwischen sitzen an diesem Abend viele kinderlose Frauen. Manche, um sich vorzubereiten, auf das, was kommt. Kann man das? Die schon vorm Mutter-Sein diesen Druck verspüren. Wann Kinder bekommen? Wann berufliche Meilensteine machen? Welche Rolle spielen (müssen)? Wie gegen dieses bürgerliche Kleinfamilienideal ankämpfen? Stellen sich Männer diese Fragen auch?

Die Wiederholungen der Kämpfe machen mich müde. So müde.

Am Ende lande ich an der Bar, bestelle Wein und frage nach Knabberzeug. Irgendwas. Ich bin hungrig und ohne Abendessen gekommen. „Ja ja“, nickt die Frau, die unsere Bestellungen entgegennimmt, wissend. „Man arbeitet bis um sieben, dann schnell, schnell los, damit man rechtzeitig kommt und so vergisst man ganz darauf, etwas G’scheites zu essen. Wer kennt das nicht.“

(Ich habe heute bis drei Uhr gearbeitet, dann bin ich zur Schule geradelt, habe ein von der Hitze und vom Wandertag müdes Kind mitsamt einem Riesensack Schul- und Sportsachen entgegengenommen. Mit anderen Eltern Nachmittagspläne geschmiedet und wieder verworfen. Die Kinder sind zu erschöpft, müde und reizbar. Wir Erwachsene sind es auch. Genervte Telefonate. Ratloses Rasten in den schon lange nicht mehr kühlen Häuserschluchten. Vor dem endgültigen Heimweg noch zwei Erledigungen. Außerdem muss ich noch das Nötigste einkaufen. Das Kind jammert. Schwitzt. Ist weinerlich. Hungrig. Die Luft steht. Es ist zu heiß. Für alles. Schließlich bringe ich es, uns, irgendwie nach Hause und stelle das Kind unter die kalte Dusche. Reiche dazwischen zwei Gläser Wasser. Sage ein Innenhof-Treffen mit Plantschbecken ab, weil die Energie dafür fehlt. Suche stattdessen einen Film aus. Behandle einen Hautausschlag. Schmiere Jausenbrote. Hänge eine Ladung Wäsche auf, schmeiße eine neue Fuhre in die Maschine. Gieße die Balkonblumen. Packe die Badesachen, die das Kind am nächsten Tag in der Schule braucht, zusammen. Übergabe. Schichtwechsel. Noch schnell selbst duschen, dann zur U-Bahn eilen. Ich bin spät dran.)

„Ja, so ungefähr“, sage ich also zu der Frau hinter der Bar und nehme mir eine Hand voll Brezel.

Wie immer hinterlassen mich Diskussionen wie diese ratlos. Ich freue mich, dass sie geführt werden. Und trotzdem. Zunehmend glaube ich, dass wir das Gesamtbild nicht sehen. Dass wir Tropfen auf heißen Steinen sind. Eben weil wesentliche Akteur_innen fehlen. Ich meine nicht die Väter. Aber, klar, auch die. Es geht vor allem um die Frauen, die an solchen Veranstaltungen eben nicht dabei sein können (oder wollen). An einem Mittwochabend. Weil sie keine_n Sitter_in haben. Weil sie keine Energie für einen Abendtermin haben. Weil sie glauben, ihre Situation hinnehmen zu müssen. Weil das Leben eben so ist. Weil die Strukturen uns beschäftigen und darin für manche keine Luft zum Atmen (und Nachdenken) bleibt.

Wie die Mutter, die mir vor wenigen Tagen erzäht hat, dass sie im Herbst kündigen muss. Weil ihr rechtlicher Anspruch auf Elternteilzeit mit dem 8-jährigen Kind erlischt, dieses aber auch dann noch nicht um fünf Uhr Früh alleine gelassen werden kann. Die Mutter, die sich einmal im Monat eine_n Babysitter_in leisten kann, und diesen Abend lieber nicht mit Diskussionen zu Themen, die sie sonst ohnehin 24/7 umtreiben, verbringt. Oder die Mutter, die ich an diesem Tag bei meiner Rückkehr noch vorm Haus treffe. Um halb zwölf Uhr abends. Die sich zum Ausgehen hergerichtet hat. Elegant. Schön geschminkt. Eine glitzernde Tasche und klimpernde Ohrringe. Obwohl wir uns vom Sehen kennen, haben wir bis auf Grußworte bislang noch kaum einen Satz gewechselt. „Heute darf ich endlich weggehen“, sagt sie. Sie strahlt. So sehr. „Das erste Mal seit sechs Jahren.“ Sie hat drei nicht-schulpflichtige Kinder. Ihr Mann ist körperlich eingeschränkt. Wir plaudern kurz, erzählen vom Alltag. „Wenn man alles gut macht, ist man mit einem Kind ausgelastet“, seufzt sie. „Meine drei … sie merken eben, dass sie in der Überzahl sind.“ Ich frage mich, was sie um diese Uhrzeit noch unternimmt und warum sie ihren ersten Abend ohne Kinder erst so spät startet. Bevor ich meine Gedanken laut ausformulieren kann, fährt ihre Freundin mit einem Taxi vor. Sie springt aus, ruft ihren Namen. Freudig. Meine Nachbarin juchzt und die beiden fallen sich wie Teenager in die Arme.

Der Moment ist für mich als Beobachterin so skurril wie rührend. Ich winke ihnen nach. Freue mich und gleichzeitig bin ich den Tränen nah.

Mutters Schuld.

„Gute Arbeit, Mum: Du hast mich zu einem Faulenzer gemacht“, titelt die Times vor wenigen Tagen einen Text über eine neue britische Studie. Die Wissenschaft habe herausgefunden, dass der Jobstatus einer Mutter einen direkten Effekt auf das Gewicht ihrer Kinder habe – nicht aber jener eines Vaters, heißt es weiter. Der Mirror greift das Thema auf und dort liest sich die Überschrift dann so: „Wissenschaftler sagen, dass berufstätige Mütter an der enormen Zunahme übergewichtiger Kinder schuld sein könnten“.

Danke für nichts, yellow press.

Wieder einmal liegt das mediale Augenmerk auf den Müttern, oder besser gesagt darauf, was diese falsch machen. Diesmal: berufstätig sein. Warum komplexe Gedanken wälzen, wenn wir nicht erst seit Freud wissen: Die Mutter ist an allem schuld, das beim Kind als Problem aufpoppt. Anstatt mich nur über schlechten Journalismus zu ärgern, habe ich beschlossen, mir die Studie vom University College London genauer zu Gemüte zu führen.

Diese wird im April im Fachmagazin SSM – Population Health publiziert, ist aber schon jetzt online zugänglich (The impact of maternal employment on children’s weight: Evidence from the UK). Den Studienautor_innen zufolge handelt es sich dabei, um das erste Paper überhaupt, in dem kausale Zusammenhänge für eine große gegenwärtige Kohorte zwischen dem mütterlichen Arbeitsstatus und dem Gewicht der Kinder aufgezeigt werden. Betrachtet wurden 20.000 Familien bzw. deren Kinder, die zwischen 2000 und 2002 geboren wurden – aufgewachsen in einer Zeit, die in der Studie „Adipositasepidemie“ genannt wird.

Die steigende Anzahl von schweren Kindern wird in Großbritannien schon seit langem mit dem Konsum von Junk Food und zu wenig Bewegung in Verbindung gebracht. Die Verknüpfung des als negativ und gesundheitsgefährdend betrachteten Phänomens mit der Berufstätigkeit von Müttern zu bringen, ist – schon als Forschungsdesign – sehr perfide. Als ob die Mehrfachbelastung durch Kind und Job für viele nicht schon anstrengend genug sei, wird fleißig fürs schlechte mütterliche Gewissen geforscht.

Das Beschäftigungsverhältnis der Mutter, so die Forscher_innen, wirke sich grundsätzlich auf den BMI (body mass index) und damit auch auf das Übergewicht von Kindern aus. Das gelte besonders für alleinerziehende Mütter. Kinder von berufstätigen Mütter bewegen sich weniger und würden seltener regelmäßig frühstücken, so ein Resümee. Außerdem: Im Vergleich zu Kindern, deren Mütter nicht erwerbstätig sind, fernsehen Kinder, deren Mütter in Teilzeit arbeiten, etwa 5 Prozentpunkte häufiger als drei Stunden pro Tag.

Kurzum: Kinder, deren Mütter arbeiten, bewegen sich weniger und haben schlechtere Ernährungsgewohnheiten haben.  Die meisten Väter der Kinder in der Studie arbeiten Vollzeit, weswegen es aufgrund von fehlenden Vergleichspopulationen schwierig ist, Effekte ihrer Berufstätigkeit zu messen. Positiv auf ein gesundes Essverhalten und die Bewegung von Kindern wirkt sich übrigens die Anwesenheit von Großeltern aus.

Soweit so gut.

Aus diesen Forschungsergebnissen ließe sich eine Menge schlussfolgern. „Berufstätige Mütter sind schuld am Übergewicht ihrer Kinder“ ist wahlweise ein intellektuell faules oder ein misogynes Fazit. Immerhin weisen auch die Autor_innen der Studie darauf hin, dass ihr Ergebnis – Erwerbstätigkeit von Müttern hat ein Einfluss auf den BMI, Erwerbstätigkeit von Vätern nicht – auf unterschiedliche Arbeitsbelastungen und Aufteilung der Kinderbetreuungsaufgaben hindeute. Auch die festgestellte positive Wirkung von im Haushalt lebenden Großeltern in Bezug auf (Ernährungs-)Gesundheit zeige, dass die Aufsicht von Erwachsenen das Verhalten von Kindern zum Guten beeinflusse. No shit, Sherlock!

Anders gesagt: Wenn Kinder gegenwärtig zunehmend außerhalb des Hauses betreut werden, weil die Anzahl der alleinerziehenden und berufstätigen Mütter zunimmt bzw. gleichzeitig weniger Familien im Großverbund zusammenleben, sollte der gesellschaftspolitische Fokus vielleicht besser auf diese Orte außerhalb gerichtet werden. Sprich, die Kindergärten, die Schulen und die Horte. (Darüber hinaus ist der BMI als Maß für Gesundheit umstritten.)

Aber auf Mütter hinhauen ist halt einfacher und hat (wissenschaftliche) Tradition. So eine zielgerichtete Headline formuliert sich doch gleich ums Ganze knackiger als der Hinweis auf den strukturellen Sexismus, der Frauen – unabhängig davon, ob sie lohnarbeiten oder nicht – die mehrheitliche Last der unbezahlten Arbeit in dieser Gesellschaft tragen lässt …

Und mit einem „Good work, Mum“ sind die Online-Chef_innen vermutlich mehr als zufrieden – bringt doch bestimmt auch eine Menge Klicks, nicht?

 

 

Manche Freitage sind abwartend

Ich sitze auf der schmalen grauen Holzbank. Den Oberkörper etwas zur Seite geneigt, um einer störrischen Daunenjacke, die schräg neben mir hängt und sich in meine Richtung plustert, auszuweichen. Beantworte Arbeitsmails. In der Luft, alter Schweiß und Käsebrot. Mir gegenüber lehnt eine ältere Frau vertieft in ein Buch an der Wand. „Die Farbe von“, dann verdecken ihre Finger den Titel. Vor der Türe diskutiert eine andere Frau mit einem Kind. Ich verstehe ihre Sprache nicht und so klingen die schärfer intonierten Worte, die sie in fast rhythmischen Abständen an die halb geflüsterten Sätze hängt, wie das Klackern vom Wind gelöster Fensterbalken.

Immer wieder finde ich mich an solchen Orten, in denen ich mich aus der Zeit gefallen fühle. Ich sitze die Minuten und Stunden ab, während das Kind im Kindergarten eingewöhnt wird, schwimmen lernt, auf dem Klettergerüst turnt oder tanzt.

Diese Warte-Orte von Eltern empfinde ich nicht immer, aber doch meistens als unangenehmes Vakuum. Als Nicht-Raum im Sinne Marc Augés: „Sobald Individuen zusammenkommen, bringen sie Soziales hervor und erzeugen Orte. (…) Der Nicht-Ort ist das Gegenteil der Utopie; er existiert, und er beherbergt keinerlei organische Gesellschaft.“ Flughäfen, Supermärkte, Hotelketten und Flüchtlingslager sind solche typischen monokausal genutzten Nicht-Orte, an denen man nicht heimisch ist. Diese Orte haben keine gemeinsame Geschichte und bilden keine individuelle Identität aus – sie sind Zeichen kollektiven Identitätsverlustes und Vereinsamung. Charakterisiert werden Nicht-Orte nach Augé von einer kommunikativen Verwahrlosung.

Die Nicht-Orte der Elternschaft

Ich muss in dem Zusammenhang an das Stereotyp der „Soccer Mom“ denken – es zeichnet das Bild der (weißen Mittelklasse-) Mutter, die sehr viel Zeit damit verbringt, ihre Kinder zu diversen Freizeitaktivitäten zu kutschieren (unabhängig davon, dass es gerade in den USA, wo der Begriff geprägt wurde, angeblich ungleich mehr Väter als in Deutschland oder Österreich gibt, die diese Aufgabe wahrnehmen). Sachen zusammenpacken, Kinder einsammeln, losfahren. Das Stereotyp evoziert stressig-unangenehme Hektik und konzentrierte Aktivität.

Auch abseits dieser Imagination wird – zumindest in meiner Wahrnehmung – die von außen aufgezwungene Zeit des Wartens ausgeblendet. Dieses Warten in Räumen, die in vielen Fällen nicht dafür konzipiert sind, dass sich Menschen länger darin aufhalten. Obwohl doch völlig klar ist, dass genau das der Fall sein wird. Umkleidekabinen. Gänge. Vorräume. Kassenhallen. Die Wartezeit ist zu kurz, um wirklich Großes damit anfangen zu können, aber gleichzeitig zu lang, um lediglich eine wohltuende Pause oder Zäsur im Alltag zu sein.

Wintergedanken. Vielleicht. Ohne Schneeregen ist wieder mehr Spazieren.

Sky-Pony | Waiting Room

Anderes Freitagsnachdenken.

… und wenn es der Mutter schlecht geht?

Ich will auf die aktuelle Debatte rund um Attachment Parenting nicht eingehen [1]. Eigentlich. Alles, was ich dazu sagen würde, steht in diesem Twitter-Thread wunderbar zusammengefasst (… und ich bin vehement dafür, dass Eltern, die bindungsorientiert erziehen bzw. erziehen wollen, alle Unterstützung dafür erhalten, die notwendig ist):

@xnxnxmA

Hier geht’s zum Thread: @xnxnxmA

 

Ich will weiterdenken. Der Eltern-Erziehungsdiskurs ist zum Glück an vielen Ecken und Enden weggedriftet von „Hauptsache, dem Kind geht’s gut“ – auch wenn das strukturelle Setting noch immer recht konservativ-toxisch und misogyn ausgerichtet ist (Stichwort Schwangerschaft, Stichwort Hebammen, Stichwort Kinderbetreuung). Die Ersatz-Philosophie „Geht’s der Mutter gut, geht’s dem Kind gut“ ist aber meiner Meinung nach genauso schädlich. Oder – sie kann es für bestimmte Personen sein.

Denn: Was ist, wenn es der MutterTM eben nicht gut geht?

Welche Antwort geben Konzepte, die neuerdings als feministisch verkauft werden, diesen Müttern und Eltern? Ich verstehe die Intention dahinter und es ist ein tolles (fast revolutionäres feministisches) Umdenken damit verknüpft. Gleichzeitig spüre ich an mir selber, wie problematisch die Idee dahinter dennoch sein kann (dazu passend: „Meine Mutter war eine starke Frau“): Ich habe Migräne, phasenweise chronisch (Geburtsschmerz, my ass). Und wenn ich also tageweise unter Schmerzen meinen Alltag (nicht) bestreite, plagt mich zusätzlich das Gefühl, dass es meinem Kind deswegen extra schlecht geht. Not helpful. Ich denke, dass „gut gehen“ eine problematische Lebensbeschreibung oder ein mindestens schwieriges übergeordnetes Lebensziel ist. Es trifft schlichtweg auf die Mehrheit nicht zu – nicht in dem Ausmaß, das die Formel suggeriert.

Noch einmal umdenken

Vielleicht sollten wir also über dieses „gut“ reden? Und darüber, dass Kinder auch ein gut begleitetes und sicheres und stärkendes Aufwachsen erleben können, wenn es den Eltern nicht (immer) gut geht. Oder darüber, was es dafür bräuchte. Und zwar nicht als Annäherung an Attachment Parenting [2] oder irgendein anderes Erziehungs- und Lebenskonzept, das utopisch und aufgrund fehlender Voraussetzungen oder Ressourcen nicht (nie!) erreichbar ist, sondern als ein grundsätzliches und neuerliches Umdenken, das gleichzeitig wertschätzende und wertvolle Hilfestellung für möglichst viele Eltern in der Praxis gibt. Eine Möglichkeit sehe ich darin, nicht einen Soll-Zustand als Ausgangspunkt zu nehmen, sondern den individuellen Ist-Zustand im Kontext seiner strukturellen Einbettung.

 

Nachtrag: Nora Imlau hat einen umfassenden und interessanten Text über die Genese der Begrifflichkeit, seine Aneignung im deutschsprachigen Raum, William und Martha Sears und ganz wichtige offene Fragen (an jene, die zu AP in der Öffentlichkeit beraten) geschrieben: Die schwierigen Wurzeln des „Attachment Parenting“

 


[1] Mehr dazu hier: Auf welcher Seite erziehst du? (von Ursula Stark Urrestarazu) bzw. eine Zusammenfassung samt schönen Kommentar dazu gibt es hier: Attachment Parenting: Bedürfnisorientierte Erziehung als Messlatte für Eltern? (von Henriette Zwick)

[2] Wie konnte es eigentlich passieren, dass William Sears und Feminismus in einem Atemzug genannt werden? Im angloamerikanischen Raum gab’s 2012 eine Debatte zu dem Konzept und den (wissenschaftlichen) Missverständnissen dahinter: The Man Who Remade Motherhood (by Kate Pickert)

Warum ich nicht klatsche

Irgendwo am Spielplatz, in der Arbeit oder in den sozialen Medien wird immer ein Vater dafür gefeiert, dass er mutig sexistische Diskriminierung von Mädchen und Frauen anprangert. Dafür, dass er seine eigene Feminist-Werdung öffentlich nachzeichnet und Vorbild ist. Ich würde mich darüber auch gerne freuen. Ein Teil von mir tut das auch genauso, wie es Ninia LaGrande hier beschreibt.

Aber der andere Teil glaubt, darin eine Wurzel und die Tragweite von Sexismus zu erkennen: Erst wenn ein Mann etwas als Problem erkennt, ist es ein Problem. Es ist wie bei allen Ismen dasselbe Spiel. Erst wenn ein_e Weiße_e Rassismus anprangert. Erst wenn ein nicht-behinderter Mensch Behinderten-Feindlichkeit aufzeigt. Erst wenn eine cis Person Transfeindlichkeit aufs Tableau bringt. Erst dann schafft es das Problem in einen öffentlichen Mainstream-Diskurs. Und Väter. Ach, ja, die öffentlichkeitswirksam feministischen Väter. Ausschlaggebend für die plötzliche Erkenntnis, dass Sexismus auch heutzutage noch ein Ding ist, ist wahlweise die Geburt, die Einschulung oder wie zuletzt der 16. Geburtstag der eigenen Tochter.

Nilz Bokelberg schreibt in „Warum ich Vater und Feministin [sic!] bin“: „Auf dem Geburtstag meiner Tochter, als ihre Eigenständigkeit auf einmal so nahe rückte, wurde mir schlagartig klar: Was dieser Gesellschaft fehlt, ist Gerechtigkeit.“ Und diese Erkenntnis hat News-Wert. Ja, klar.

Immer wieder bin ich über das fehlende Ausmaß dieser Art von Reflexion erstaunt. Zum einen ist da dieses Väter-Töchter-Beschützer-Dings [1], dem an sich schon etwas Sexistisches anhaftet. Zum anderen gibt es in den meisten Fällen eine Mutter dieser Tochter. Eine Frau, mit der der schlagartig (!) „Erleuchtete“ meist auch schon mehrere Jahre gelebt hat. Eine Frau, an deren Beispiel er jahrelang hätte erkennen können, wie unsere Gesellschaft strukturiert ist. Aber nein, auf diesem Auge sind viele Männer nicht ganz so sehend. Denn das würde in den meisten Fällen auch Eigenverantwortung bedeuten. Konkretes Handeln, das über das Verfassen eines abgefeierten Hero-Textes hinausgeht, zum Beispiel. Konkretes Handeln, das negative Konsequenzen für das eigene Leben hat (Ja, ich erinnere mich an die Umfrage, derzufolge 71 Prozent der Väter seit der Geburt ihres Kindes auf nichts in ihrem Leben verzichten mussten). Negative Konsequenzen, wie etwa miese Stimmung im Büro, weil man sich wieder und wieder für einen Bastelnachmittag oder einen Kontrollbesuch beim Arzt/bei der Ärztin frei nimmt. Sehnsucht nach den Freund_innen, weil man wieder und wieder ein Treffen absagen muss, um das Kind in den Schlaf zu begleiten. Killjoy-Vorwürfe beim Verwandtschaftstreffen, weil man darauf hinweist, dass sich Vergewaltigung vielleicht nicht als Witz-Inhalt eignet. Die Liste ist bekanntlich (?) unendlich. Sie fängt mit Befindlichkeiten an und endet bei handfester struktureller Benachteiligung wie dem Gender Pay Gap.

Ich habe genug von Männern, die Frauen nur deswegen Gleichberechtigung einräumen, weil sie ja irgendwessen Schwester, Tochter, Ehefrau, Enkelin oder Nichte sind. Immer braucht es die Legitimierung durch Männer. Leider bauen auch viele Antisexismus-Kampagnen auf diesem Narrativ auf. Genau darin liegt aber der Grund, warum ich Vätern, die ihren Feminismus an ihren Töchtern festmachen und erst wegen dieser Misogynie, Sexismus und Diskriminierung erkennen, nicht applaudiere [2]. Denn sie sind Teil des Problems.

Oder um es mit Emma Boyles Worten, die sie als Antwort auf die #DearDaddy-Kampagne gegen Rape Culture gefunden hat, zu sagen:

„By using this rhetoric [Anm.: Die Betroffene könnte deine Tochter/Frau/Schwester/… sein] all you’re doing is perpetuating rape culture by continuing to promote the idea that a woman is only important or valuable when she is considered in terms of her relationship to a man. (…) It’s an argument that will cause more harm than good.“


[1] Alternativvorschlag

[2] Muss ich extra erwähnen, dass ich dabei nicht die persönliche und individuelle Ebene meine und nicht die Einzelperson dahinter kritisiere, sondern die Dynamik, die dadurch entsteht, und die Grundproblematik, die dadurch geschürt wird?

Manche Freitage sind existenziell

„Mich gibt es gar nicht“, schleudert mir das Kind als Antwort entgegen. Es ist das dritte Mal in einem Streit. Aber das erste Mal, bei dem mir klar wird, was es meint. „Immer bestimmen andere, was ich wann tun muss! Immer die anderen, nie ich!“ Die Fünfjährige sieht mich anklagend an: „Jetzt essen, dann ins Bett gehen, jetzt das und das und das. Ich bin nur eine Figur in einem Schachtelspiel. Mich gibt es gar nicht.“ Die Augen funkeln wütend. Traurig. Beklommen halte ich ihre Hand. Das Herz blutet.

There should be less of me and more of you.

Plumtree | You just don’t exist

Freitagsschwere. Freitagsluftigkeit.

Strategien im (prä-)prekären Mütterleben

Jedesmal, wenn ich die Wörter Altersarmut, Mütter und Falle in einem Artikel lese, zucke ich zusammen. Meist sind diese Begriffe in Sätzen als Hände-über-den-Kopf-zusammenschlagende-Imperative verpackt. Ach ja, das Wort Teilzeit kommt in diesen Sätzen auch ganz häufig vor.

So genannte „familienorientierte Frauen“ zählen laut einer Untersuchung an der Universität Duisburg-Essen von Antonio Brettschneider und Ute Klammer (2016) zu einer der fünf Risikogruppen von Altersarmut. Sie weisen lange ehe- und familienbedingte Erwerbsunterbrechungen auf.In Deutschland und Österreich arbeitet fast jede zweite Frau Teilzeit. Unter Müttern ist Vollzeitarbeit die Ausnahme, während Väter fast ausschließlich vollzeit tätig sind.

 

Zwangsläufig bringt das ein Ungleichgewicht bei der Verteilung der unentgeltlichen Familienarbeit. Deutsche in Vollzeit arbeitende Männer werden für den Großteil ihrer Gesamtarbeitszeit (73 Prozent) entlohnt, aber teilzeitbeschäftigte Frauen bekommen nur für 43 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit bezahlt, wie eine aktuelle Auswertung des WSI GenderDatenPortals zeigt (in: Studie: Arbeit ohne Lohn bleibt Frauensache). In Österreich liegt entsprechend die Alterspension der Frauen etwa 40 bis 50 Prozent unter den Pensionen der Männer. Die monatliche Bruttopension der Frauen beträgt durchschnittlich 877 Euro, jene der Männer 1.804 Euro.

Schiefe Schlussfolgerungen

Was also für sich selber tun? Generell gilt: Heiraten ist hilfreich. Das rät auch die feministische Scheidungsanwältin Helene Klaar („Von Beruf bin ich Rechtsanwalt, Feministin sein ist mein Hobby“). Wer in einer festen Partnerschaft ohne Trauschein aber mit gegenseitigen Verpflichtungen lebt, sollte also extra darauf achten, dass beide gleichwertig abgesichert sind. Dazu gehören etwa ein Mietvertrag, in dem beide Partner_innen eingetragen sind, oder auch das freiwillige Pensionssplitting für Eltern während der Kindererziehungszeiten, das wiederum freilich auch für Eheleute ratsam ist (in den Jahren seit der Einführung 2005 wurden allerdings lediglich 505 Anträge darauf gestellt). Und: Besondere Vorsicht ist bei Bürgschaften für andere geboten!

Die Zahlen zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Warum also zucke ich bei Artikeln zu dem Thema zusammen?

Der Grund dafür ist die jeweilige Schlussfolgerung. Denn am Ende solcher Sätze bekommen Frauen viel Selber-Schuld und Verantwortung in die Hände gelegt, die ich eigentlich zusammengeknüllt gemeinsam mit Lösungsforderungen wie Bedingungsloses Grundeinkommen oder 30-Stunden-Vollzeitwoche (siehe dazu auch: Grundsicherungsmodelle aus Geschlechterperspektive und „Brauchen eine radikalere Vereinbarkeitspolitik“) in Richtung Politik geworfen sehen möchte.

Imperative verlaufen im patriarchalen Sand

Viele Menschen müssen oder wollen aus verschiedenen Gründen Teilzeit arbeiten. Gerade für Eltern in Teilzeit gilt jedoch, dass sie neben der Lohnarbeit eben auch unbezahlte Care-Arbeit leisten, von der die ganze Gesellschaft profitiert, womit sie eigentlich ohnehin leicht auf eine 40-Stunden-Arbeitswoche kommen – lediglich am Gehalt oder den Pensionszahlungen erkennt man das nicht. Oder wie Lea Susemichel in an.schläge schreibt: „Eine wichtige Aufgabe der feministischen Kapitalismus- und Ökonomiekritik ist es deshalb, zu zeigen, dass die weiterhin überwiegend von Frauen geleistete Reproduktionsarbeit und Care-Arbeit in essenzieller Weise der Wertschöpfung dient und damit die Basis gegenwärtiger kapitalistischer Ökonomien bildet.“

Auch deshalb lasse ich solche Sätze und mahnenden Worte wie heiße Kartoffeln zu Boden fallen. Nennt mich naiv. Aber, was sollen Frauen/Mütter/Eltern mit diesen Aufforderungen in einem Leben anfangen, in dem diese entweder unmöglich umzusetzen sind (etwa wegen fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten – Ganztags-Kindergarten, Nachmittagsbetreuung/Hort) oder das andere Werte (als z. B. die Lohnarbeitsfokussierung) hochhalten möchte? Ja, grundsätzlich aufs Geld schauen. Sicher. Das Thema in der Partnerschaft ansprechen. Sicher. Unabhängig von Ersparnissen fürs Kind Ersparnisse für sich allein auf einem eigenen Konto anlegen. Sicher.

Politik-Versäumnisse und Gesprächshürden

Die Familienministerien überschlagen sich zur Schwangerschaft mit Infobroschüren angefangen von Impfen über Stillen bis hin zu Beratungsangeboten. Es geht um verschiedene Kinderbetreuungsgeld-Modelle und um Mutterschaftsgeld, um Wiedereinstieg und Kindergartenanmeldung. Was ich vermisse, sind Leit- und Orientierungsfäden für eine partnerschaftlich-gerechte Organisation des Familieneinkommens für die Zeit, in der minderjährige Kinder im Haushalt leben – und ich meine damit nicht mühsam im Internet zusammengetragene Information, sondern eine Broschüre, die Frauen gemeinsam mit dem Mutter-Kind-Pass in die Hand gedrückt bekommen. Das wäre eine gute Grundlage für Geldgespräche, in denen sich nicht die Frauen als Bittstellerinnen positionieren und Überzeugungsarbeit leisten müssen. Diese unterschiedliche Ausgangssituation, in der Mütter gezwungen werden, in einer ohnehin aufwühlenden Zeit das „Was ist, wenn wir uns trennen“-Gespräch auf den Tisch zu bringen, ist möglicherweise ein Grund, warum diese Konversationen nicht selten verschoben (und irgendwann vergessen) werden.

Die finanzielle Abhängigkeit von Frauen in Heterobeziehungen bleibt dennoch in vielen Fällen schwer veränderbare (weil strukturell verankert), individuelle Realität. Genauso wie die Armutsbetroffenheit von Alleinerziehenden. Die, die politisch Druck ausüben müssten, haben selbst dazu aufgrund ihrer Lebensrealität kaum Zeit und gleichzeitig keine (oder lediglich eine sehrsehr leise) Lobby, die dies für sie übernehmen würde. Ich verstehe also natürlich den Sinn hinter den Imperativen. Es sind Warnungen im Guten. Achtung!-Rufe, die daran erinnern, was passiert, wenn der Mann als Haupternährer wegfällt. Das Aufzeigen der Fehler, die speziell Mütter in Bezug auf Geld und Beruf vermeiden sollen, verderben mir dennoch regelmäßig die Laune.

Ich will mein Leben nicht nach einem Gesellschaftssystem optimieren, das mir nicht gefällt. Und ich will meine Zukunft nicht nach einem strukturierten Finanz- und Karriereplan ausrichten – abgesehen davon, dass das vermutlich ohnehin für die wenigsten funktioniert. Nichtsdestotrotz ist derzeit das beste Mittel gegen Altersarmut die Erwerbstätigkeit. Als feministische Handreichung genügen mir aber besagte Listen zur (individuellen!) Vermeidung von Fehlern, die im System liegen, jedoch nicht. Denn was hilft der zweifachen Mutter in einem niederösterreichischen Kaff der Geh-Arbeiten-Ruf, wenn es keine Kinderbetreuung nach 12 Uhr und keinen Arbeitsplatz im Ort gibt? Was hilft der alleinerziehenden Friseurin die Bilde-Rücklagen-und-investiere-weise-Aufforderung, wenn das Gehalt von der Miete und den Essensausgaben jeden Monat mehr als gefressen wird? Und was hilft der Jung-Mutter in Ausbildung, der leidige Lean-In-Appell, wenn da keine Karriereleiter ist, die in Teilzeit erklommen werden kann.

Kaufnix-Läden, soziale Netzwerke und politisches Bewusstsein

Möglicherweise hilft, sich im Jetzt zu engagieren. Für Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, in denen Wenig-Geld-Haben keine Rolle spielt. Alternative Strukturen aufbauen, von denen man später selbst profitieren kann. Ich denke dabei an Büchereien und Monatsfilmvorführungen in kleinen Orten am Land, die über Gemeindegelder finanziert werden. An Gemeinschaftsgärten und Kostnix-/Umsonst-Läden, die neben Versorgungsmöglichkeiten auch Treffpunkt gegen die Isolation sein können. An Kleidertauschbörsen und kommunale Flohmärkte. Sind solche Strukturen im Gemeindeleben etabliert, laufen sie fast wie von selbst. Der Kampf darum im Vorfeld ist jedoch meist ein schwerer, wie ich aus meiner Zeit im Lokaljournalismus noch gut weiß.

Parallel dazu ist das Hochhalten von Freundschaften wichtig. Sich als undurchlässige Kleinfamilie zu cocoonen hat früher oder später negative Auswirkungen auf bestehende Beziehungen außerhalb. Abgesehen davon, dass Freundschaften auf so vielen Ebenen ein Gewinn sind – sie sind besonders für ältere Menschen sehr wertvoll. So zeigen Studien, dass freundschaftliche Bänder, soziale Netzwerke und soziales Kapital im Alter eine Hilfestellung bei der Milderung der Folgen von Altersarmut sein können. Dies scheint besonders angesichts der Tatsache von Bedeutung, da die Großfamilie, die sich früher um die Älteren kümmerte, heutzutage mehr und mehr auflöst.

Das bedeutet auch, dass wir im Rahmen unserer sozial gewählten Netzwerke bereit sein sollten, mehr und verlässliche Verantwortung zu übernehmen. Hilfreiche und konkrete Tipps für die Unterstützung von Alleinerziehenden im eigenen Umfeld sammelte Anne Matuschek erst vor kurzem unter How to support your local Alleinerziehende – Ideen aus der Praxis.

Darüber hinaus: Politisch sein auch im Privaten. Gerade im Privaten. Es ist wichtig, aktuelle politisch forcierte Veränderungen für Frauen, Mütter und Eltern zu verfolgen und andere Betroffene darüber zu informieren – etwa wenn sich eine Regierungspartei als Familienpartei brüstet, aber jede andere Lebensform als die klassische Konstellation straft. Es ist wichtig, aufzuschreien, wenn diese ÖVP angesichts von Studienergebnissen mehr oder weniger öffentlich überlegt, arbeitslosen Schwangeren das Wochengeld zu kürzen oder einkommensschwachen Eltern die Beihilfe zum Kinderbetreuungsgeld. Es ist wichtig, Initiativen, die sich für das Ausbalancieren von Schieflagen zuungunsten von Frauen in Sachen Finanzen stark machen wie die Petition „Runter mit der Tampon-Steuer!“, zu unterstützen. Es ist wichtig, den Diskurs weg von „Ist außerhäusliche Kinderbetreuung für Kleinkinder gut oder schlecht“ hin zu „Wie können wir die Qualität der Kinderbetreuung steigern“ zu bringen und den Protest von Kindergarten-Pädagog_innen zu unterstützen.

Und nicht zuletzt ist es wichtig, das Geld, das man ausgibt, zu so großen Teilen wie möglich, anderen Frauen zu geben. Es gibt finanzielle Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen können – bei welchem Marktstand kaufe ich meine Äpfel? In welchem Kaffeehaus trinke ich meine Melange? In welcher Buchhandlung suche ich meine Bücher aus? An welche Organisationen spende ich Geld? Welches Magazin habe ich abonniert?

… und weiter gedacht – für jene, die es sich leisten können –, auch für Leistungen, die normalerweise nichts kosten, zu zahlen, wie es die Idee hinter #giveyourmoneytowomen ist – eine Aktion, die u. a. emotionale Arbeit sichtbar machen und honoriert haben will.

Zeit für Solidarität.


 

Und weil grad 1. Mai war: Hier ein Link zu einem spannenden Text, in dem sich Feminist_innen damit auseinandersetzen, was Arbeit für sie eigentlich bedeutet, welche individuellen Arbeitserfahrungen sie machen und welche Arbeitskämpfe es heute auszutragen gibt: Work it! – Feministische Gedanken zu Arbeit