Manche Freitage machen nachdenklich

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Es gibt Suchanfragen, die machen mich nachdenklich. Nein, traurig. Besonders solche, die zu Hunderten wieder und wieder und wieder hierher führen.

Krista Papista | Bad F


Noch mehr Freitagsgedanken.

Manche Freitage machen sprachlos

Gut gelungen. Sagt die Frau in die Stille einer vertrockneten Konversation. Sie nickt anerkennend in Richtung Kind. Ich versuche, mich nicht am Wein zu verschlucken, und zeitgleich mit meinen Blicken herauszufinden, ob meine Gesprächspartnerin einen Overall oder doch einen Zweiteiler trägt. Verziehe schließlich den Mund und nicke zurück. Gut gelungen. Wie ein erfolgreich umgesetztes Schnittmuster. Ein raffiniertes Gericht. Oder eine überraschend pointierte Kurzgeschichte. Gemacht jedenfalls. Von wem? Bleibt unbeantwortet. Schwingt freilich mit. Genau wie in den tausend anders erlebten Fällen. So ein sympathisches Kind also. Ich bemühe mich, einen hantigen Gesichtsausdruck zu formen. Trotzdem freue ich mich. Fast zu sehr.

Lay Low | Our Conversations


Ungefilterte Freitagsgefühle.

Popkulturelle Mütter-Gang

Ich bin kein Fan von Fergie Duhamel. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, zur Verteidigung ihres rundum kritisierten neuen Songs „M.I.L.F. $“ anschreiben zu müssen. Der us-amerikanischen The-Black-Eyed-Peas-Sängerin wird vorgeworfen, ihr neues Lied, sei ein feministischer Fehltritt, verlache „normale“ junge Mütter sowie deren wankendes Körperselbstbewusstsein und sie selbst gebe damit kein gutes (feministisches) Vorbild ab.

Aber es ist platter Pop. Pop in Reinform. Und in dieser heilen Popmusik-Welt wohnen neuerdings auch Mütter, die mit ihrem Selbstbewusstsein hausieren gehen. So what? Je mehr sich das mediale Mütterbild differenziert, umso besser. Und diese popkulturelle Mütter-Gang [1] trägt das ihre dazu bei. Mutterschaft, Stillen, sexuelles Begehren, Karriere – das alles wird im „M.I.L.F. $“-Video in eine glatte Barbie-Girl-Welt gegossen. Damit identifiziert sich vermutlich niemand – und entsprechend vermutlich auch keine Mutter. Aber warum sollte das auch plötzlich der Anspruch an Popmusik sein? (Oder hat sich tatsächlich irgendwer mit „Fergalicious“ identifiziert?)

Screenshot: Fergie

Screenshot: Fergie „M.I.L.F. $“

Die konstruierte Pop-Welt an sich (!) hat ungezählt viele Problematiken (Normschönheit, Sexyness-Muss, Sexualisierung und Objektivierung von Frauen*, Oberflächlichkeit, Geld-Fixiertheit usw.), aber dass in ihr jetzt auch Mütter vorkommen – und zwar als Akteurinnen –, tut dem Mütterbild gut. Die vielen Mütter in dem Video halten zusammen und setzen damit auch ein Zeichen gegen die medial herbeigeschriebenen Mommy Wars. Sie tragen ihre Mutterschaft nach außen, tanzen auf der Straße (ja, auch in der Milchdusche), verführen junge Männer (man muss der Herkunft des Akronyms schließlich auch gerecht werden) und treten beruflich wie privat auch kinderlos in Erscheinung. Außerdem mag ich die schiefe Milch-Metapher, die den gesellschaftlich gepflegten Ekel vor Muttermilch elegant umkehrt. [2]

Screenshot: Fergie „M.I.L.F. $“

Popmusik folgt eigenen Regeln. Fergie zeigt mit ihrem Video: Ja, ich bin Mutter geworden, aber ich habe mich nicht verändert. Sie macht einfach das weiter, was sie immer gemacht hat: Hochglanz-Popmusik. Nur, dass jetzt sie jetzt eben auch noch ein Kind hat. Das ist eine starke und gute Botschaft. Eine feministische, wenn man so will.

Mutterschaft hat viele unsexy Momente, Phasen, Zeiten. Vielleicht wollen manche Mütter daran beim Konsum von Musik eben nicht erinnert werden? Vielleicht wollen sie sich in ihren Lieblingssongs auch als Mütter repräsentiert sehen? Jede Frau* hat ihre eigenen Ängste, was Mutterschaft aus einer macht. Die Angst, sich zu verändern und eine andere zu werden – werden zu müssen, ist eine von vielen. Deswegen finde ich es schön, wenn der Mainstream, in dem Mütter vor allem liebende Sorgewesen oder andernfalls zu verachtende Rabenmütter sind, um die Figuren, die Fergie in ihrem Video erschaffen hat, erweitert wird.

„This whole mess doesn’t look anything like motherhood“, schreibt the Stir über das Video. Was soll man darauf auch erwidern, außer: Well, that’s the point, I guess.

Fergie M.I.L.F. $

Screenshot: Fergie „M.I.L.F. $“


[1] Kim Kardashian West, Chrissy Teigen, Ciara, Devon Aoki, Alessandra Ambrosio, Natasha Poly, Angela Lindvall, Isabeli Fontana, Amber Valletta, Tara Lynn, and Gemma Ward

[2] Chrissy Teigen, die Stillende im Video, teilt passenderweise auf Snapchat immer wieder Stillfotos. Sie hat die harsche Verhaltensmaßregelung, die Mütter in der Öffentlichkeit erfahren, auch am eigenen Leib erfahren und erst kürzlich die unleidige Kritik fürs Ausgehen-trotz-Jungmutter erfahren (‚Shame me too!‘ John Legend lashes out at critics of Chrissy Teigen’s parenting skills after they left their three-week old daughter with a sitter).

Manche Freitage erstaunen

Am Land. Es gibt Marillenpalatschinken im Gasthaus. Bevor wir uns wieder willig von der Großstadt verschlucken lassen, stolpern wir in den verwachsenen Garten einer verfallenen Volksschule. 1914. Das Baujahr steht auf der Fassade wie der Titel eines Buches. Eine Sonnenuhr schwadroniert im Schatten von Fleiß und Lohn. Wir starren durch verstaubte Fensterscheiben ins Dunkel. Mit dem Kind an der Hand wagen wir uns nicht in das reizvolle Innen. Das wird abgerissen, ruft uns der alte Mann mit dem kleinen Hündchen an der Leine vom Schmiedetor aus zu. Hier werden Startwohnungen gebaut. Ich weiß nicht, ob sein Lachen unseren enttäuschten Blicken oder der Absurdität eines Neubaus im ländlichen Niemandsland gilt.

Warpaint | Shadows

Frühe Freitagsmusik.

Manche Freitage pulsieren

Das Kind hat mir gemalte Herzen im Recherche-Block versteckt. In den Notizen schwärmt eine Ärztin von der Eleganz menschlicher Herzen. Ich kann damit wenig anfangen und schweife in Gedanken ab. Male mit meiner Erinnerung Las Dos Fridas auf die weiße Wand. Herzblut.

Josephine Foster | My Wandering Heart

Freitagsmusik. Für Herzen.

Manche Freitage sind diffus

Das Kind redet vom Sterben und will nicht, dass wir sterben. Es ist jedoch froh, Ritter und Saurier ausgestorben zu wissen. Im Sommer will es mir das einzig überlebende Dino-Kind vorstellen, es ist grün, lebt im Park ums Eck und mag nur Frauen und Mädchen. Ich ringe nach Worten. Mein Leben dreht sich weiter. Dockt ab und an bei anderen Leben an. Wir fließen ein Stück gemeinsam, aber gerade kurz genug, um nicht vom Weg abzukommen. Von welchem Weg reden wir eigentlich?

Kovacs | I’ve Seen That Face Before

In der unzusammenhängenden Serie „Das Lied zum Freitag“ ebenfalls erschienen: Manche Freitage sind eigenartig (The Fox | Niki & the Dove) Let’s talk about gender, baby (The Knives | Full of Fire) Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco) Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood) Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar) Manche Freitage sind anders (Nasekomix | Inject me with love)

Manche Freitage sind eigenartig

Das Kind weigert sich am Morgen, das „Dance until you drop“-Leiberl anzuziehen: „Da ist kein Tier drauf, das ist fad.“ Meinetwegen. Das begehrte Fuchs-Kleid ist unauffindbar, das Kind untröstlich. Im Gegenzug sind die Fuchs-Patschen heute zu „tierisch“: „Ich mag die nicht.“ Veratmen. Wegatmen. Ungeduld hinein, Gelassenheit heraus. Funktioniert heute auch nur mittelmäßig, denkt sie. Während der Autofahrt übersieht sie ihn beinahe, als sie mit verklemmten Scheibenwischern gegen plötzlichen Regenschauer ankämpft, den toten Fuchs am Straßenrand. Eigenartig.

Zuletzt hatte sie einen Fuchs gut drei Jahre zuvor gesehen. Lebend. In einem städtischen Freibad. Das war auch eigenartig.

The Fox | Niki & The Dove

Aus der vernachlässigten Serie „Das Lied zum Freitag“ ebenfalls erhältlich:

Let’s talk about gender, baby (The Knives | Full of Fire)

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

Manche Freitage sind anders (Nasekomix | Inject me with love)