Fiktive Realitäten

Sie lagen im Schnee, wie andere nur im Sommergras liegen.

>Was glaubst du? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die zu erwartende Realität eintritt?<
>Das ist ein fiktiver Wert<, befindet er.
>Nein, reine Fiktion<, sagt sie. >Das macht den Unterschied.<
>Die Realität liegt doch bekanntlich in der Differenz.<
>Aber in der Differenz wovon?<
>War das nicht deine Frage?<

(Bild: Saul Leiter via fellintothewell.tumblr.com)

Don’t forget about Vivaldi

Mit ihrem
– für ihre Verhältnisse –
zu hoch sitzenden
Pferdeschwanz
und den
– für seinen Geschmack –
zu öligen
roten Lippen
befanden beide
sie als unschicklich.

Sie waren untröstlich.

Die Situation
– in die beide, einer blind, eine sehend, gelaufen waren –
eskalierte vorhersehbar.

Zum Glück
erinnerte sie
Vivaldi – er wurde durchs Fenster getragen –
an die Schönheit
des Vergangenen.

(Bild aus der Serie Abyss of the Disheartened by Heather Landis via mymodernmet.com)

Places have a memory

Warenausgabe
Blicke tauschen die Plätze
Es bleiben Kratzer

Baumstümpfestapel
Deine Schritte klingen nach
Vergessen die Angst

Garagenvorplatz
Beton schlägt Asphalt
Splitter halten dicht

In U-Bahn-Schächten
Ich will nur fangen spielen
Was ist mein Gewinn?

Kellerabteile
Rattengift täuscht Gefahr vor
Der Boden duckt sich

(Foto via flickr (c) dizka)

In Millionen von Jahren, wenn niemand mehr existiert, der sich auch nur im Entferntesten an uns erinnern könnte, werden es diese Orte tun. Orte haben ein Gedächtnis. Sie vergessen nichts. Es ist in Stein gemeißelt …

Wim Wenders (Places, strange & quiet)

Why we can’t see who cuts us asunder?

Nachteinsamkeit im Dunkel.
Sonnenwohligkeit am Morgen.
Meine Sinne lenken mich vom Leben ab.
Heute trinke ich Wein am Nachmittag und schwimme in den Abend.
Jetzt weine ich.
Den abstoßenden Geruch des Bettlers in der Nase.
Das Schmerzvolle in seinen Alkohol-glasigen Augen im Herzen.

(c) fuckyouverymuch.dk

Bild via fuckyouverymuch.dk