Globale Perspektiven auf Equal Care

Heute ist Equal Care Day, der dankenswerterweise heuer schon zum zweiten Mal immer wieder treffend Salz in patriarchale Wunden streut und auf die unfaire Verteilung von Sorgearbeit aufmerksam macht. Denn: 80 Prozent der Care-Arbeit wird derzeit sowohl im privaten als auch im professionellen Bereich von Frauen geleistet [1]. Die Ungerechtigkeit bezieht sich dabei sowohl auf die Wertschätzung als auch auf die Bezahlung, der Fokus liegt auf der heteronormativen Kleinfamilie. In den Berichten zum Equal-Care-Day fallen die Worte Putzhilfe und Kindermädchen allerdings recht selten.

Emanzipation am Rücken von (weniger sichtbaren) Frauen

Doch die Idee von einer gleichberechtigten Aufteilung der Care-Arbeit endet in westlichen Industrieländern in der Praxis häufig in der Abwälzung der Mehr-Leistung jener Frauen im Fokus der Diskussion auf andere Frauen – die vielfach unsichtbar bleiben.

A growing class divide separates masses of poor women from their privileged counterparts. Indeed much of the class power elite groups of women hold in our society, particularly those who are rich, is gained at the expense of the freedom of other women. (bell hooks | Feminism is for everybody, 2000)

Ausgangspunkt ist eine sich wandelnde Geschlechtergerechtigkeit (für einen Teil der Frauen). Sichtbar wird dies häufig unter dem, was gemeinhin als „Vereinbarkeit“ diskutiert wird. Hausarbeit und Sorgearbeit für Kinder oder pflegebedürftige Familienmitglieder und Verwandte müssen anders verteilt werden. Abstrahiert gesprochen, stellt Care-Arbeit aber „nicht nur die soziale Einbettung von Produktion dar. Sie ist selbst außerordentlich zentrale gesellschaftliche Produktion, nämlich die Produktion des biologischen und gesellschaftlichen Lebens selbst, die immer Reproduktion ist“, so die Wissenschaftlerinnen Ursula Apitzsch und Marianne Schmidbaur (In: Care, Migration und Geschlechtergerechtigkeit).

Es handelt sich bei Care-Arbeit also um eine Ressource, die knapp geworden ist. Die Nachfrage hierzulande steigt mit zunehmender Emanzipation von Frauen. Als Folge wird Care-Leistung in westlichen Industriestaaten immer mehr von Migrant_innen aus ökonomisch ärmeren Ländern bereitgestellt. Deren Leistung im Heimatland wiederum fällt an weibliche Verwandte.

Konkret heißt das: In einem (ökonomisch) reichen Zielland hat eine Familie Kinder. Beide Elternteile sind bzw. ein alleinerziehender Elternteil ist berufstätig. Im Haushalt und bei der Kinderbetreuung steht eine Arbeitsmigrantin aus einem (ökonomisch) ärmeren Land zur Verfügung. Um deren Kinder in der Heimat kümmert sich eine andere Frau, deren Kinder  wiederum eine dritte versorgt. Männer und Väter spielen in diesen Abhängigkeitsverhältnissen selten eine Rolle. In manchen Fällen teilen sie sich die Sorge der Kinder mit der weiblichen Verwandten.

Globale Betreuungsketten und emotionaler Mehrwert

Die amerikanische Soziologin Arlie Hochschild hat diese Prozesse als globale Betreuungsketten beschrieben. Unterm Strich bildet sich bei diesem Tauschhandel ein emotionaler Mehrwert, von dem wiederum die Gesellschaften am oberen Ende der Kette profitieren.
Betreuungsketten entstehen immer entlang von Armutsgrenzen. Die beiden Forscherinnen Helma Lutz und Ewa Palenga-Möllenbeck weisen darauf hin, dass die Betreuungsketten in der Realität differenzierter als von Hochschild beschrieben betrachtet werden müssen (Das Care-Chain-Konzept auf dem Prüfstand): So kümmern sich in ihrem Beispiel zwar polnische Mütter in der Arbeitsmigration um deutsche Haushalte. Um deren Kinder sorgen sich jedoch unbezahlt meist weibliche Verwandte und nicht etwa ukrainische Arbeitsmigrantinnen in Polen, die das letzte Glied dieser „Care Chain“ bilden. Diese sind stattdessen für die Haushalte und Kinder von wohlhabenderen Polinnen verantwortlich.
Problematisch an der Debatte um Care und Migration sei nach wie vor, so die Wissenschaftlerinnen, dass diese „von normativen Vorstellungen wie etwa geschlechtsspezifischen Normen über Care-Arbeit geprägt ist, in die die Veränderungen und Verschiebungen von Erwerbsarbeit (noch) keinen Eingang gefunden haben“.
In ihrer Forschung weisen Lutz und Palenga-Möllenbeck übrigens auch darauf hin, dass die zurückgelassenen Familien der Arbeitsmigrant_innen unter einer fehlenden staatlichen Unterstützung leiden. An dieser Stelle stellt sich die Frage, inwiefern nicht das reichere Aufnahmeland, das durch die Migration der Frauen profitiert, dafür zuständig wäre. In Österreich will die ÖVP aktuell den umgekehrten Weg einschlagen und die Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder kürzen. Mit fatalen Folgen: Die Arbeitsmigration für Mütter aus Polen oder der Slowakei, die in Österreich als 24-Stunden-Pflegekräfte arbeiten, lohnt sich etwa aufgrund deren prekärer Entlohnung lediglich indirekt über die Leistungen aus der Familienhilfe. Die Rede ist von 70.000 betroffenen Frauen.

Transnational denken

Gleichzeitig birgt die Debatte um Care und Migration natürlich immer auch die Gefahr, dass Frauen, die am unteren Ende von Betreuungsketten stehen, als homogene und passive Gruppe betrachtet werden. Dem versuchen Ansätze eines transnationalen Feminismus zu entgehen, die u. a. einen wesentlichen Schwerpunkt auf die Rechte von Hausangestellten und Migrant_innen legen.

Transnationaler Feminismus reflektiert nicht nur globale Zusammenhänge, sondern wirft auch kritische Blicke auf (rassistische und klassistische) Unterdrückungsmechanismen und die unterschiedlichen Kämpfe von verschiedenen Gruppen von Frauen in ökonomisch ärmeren Ländern: „These differences are crucial to forming a solidarity within feminism that does not erase the lived experiences of marginalized groups. For this reason, transnational feminists always consider the global impact of the issues for which they advocate“, so die Feministin Patricia Valoy (In: Transnational Feminism: Why Feminist Activism Needs to Think Globally).
Mit Lean-In-Feminismus gibt es entsprechend wenig Überschneidungen, insofern als dass transnational verstandener Feminismus immer anti-kapitalistisch, anti-imperialistisch und anti-patriarchal ist. Da, wie Valoy betont: „[T]hese systems function together to create inequality and maintain the status quo.“


[1] Die konstruierte Binarität der Geschlechter ist aufgrund deren Wirksamkeit als politische Kategorie bzw. gesellschaftliche Position bei der Betrachtung von Care-Arbeit gezwungenermaßen Voraussetzung, um Schieflagen und Diskriminierungen aufzeigen zu können.

Die kleine Welt der Väterrechtler

In den so genannten sozialen Medien habe ich neulich auf Zahlen zu säumigen Unterhaltszahlungen hingewiesen. Bislang fordert Österreich 1,1 Milliarden Euro von nicht zahlenden Elternteilen ein. Allein im Jahr 2014 zahlte der Bund 134,87 Mio. Euro an Unterhaltsvorschüssen an 51.839 Minderjährige aus (Quelle: SN: Väter schulden Staat mehr als eine Milliarde). Mit Hinweis auf den Vatertag zeigte ich mit diesen Zahlen in Richtung Väter und verwies als Reaktion auf Kommentare mit verdrehten Fakten auf zwei analytische umstandslos-Beiträge zu Männerrechtsbewegungen [1].

Das hatte schlafende Hunde geweckt und Maskus wie Väterrechtler ließen sich zum Teil recht ausfällig über Feminist*innen und ihr (bzw. mich und mein) Verhältnis zu Männern aus. Fazit: Es gäbe ein schlechte Beziehung zum eigenen Vater, aufgrund des Männerhasses seien wir alle alleinerziehend oder hätten eine in jedem Fall mies laufende Beziehung. Außerdem seien wir nur als Resultat der Scheidung unserer Eltern Radikalfeminist*innen geworden.

via kaysbestintentions.blogspot.co.at

 

Das war ziemlich erhellend: Dem gemeinen Väterrechtler dürfte in seinem Sumpf aus Egoismus und Jammerei rund um den armen weißen Mann Solidarität ein Fremdwort sein. Die Möglichkeit, Missstände und Diskriminierungen aufzeigen und sich dagegen stark machen zu können und zu wollen, egal, ob eine selbst nicht davon betroffen ist oder nicht, existiert in ihrem verbohrtem Weltbild nicht.

Aus Fadesse klickte ich mich ein bisschen durch die Accounts besagter Maskulinisten [2]. Das Gesellschaftsbild und die Ideologie ist zum Gruseln, verbinden sich dort wie sooft Misogynie mit Rassismus, Homofeindlichkeit und generell Gedankengut der extremen Rechten. Generell fühlen sich Maskulinisten als Männer und Väter nicht gesehen. Beispiel gefällig? Die etablierten Parteien hätten bei den Landtagswahlen in Wien Männer als Wählerzielgruppe nicht umworben. Ähm … ja, genau. Männer sind entsprechend der Väterrechtler- und Männerbewegungsideologien die neuen (?!) Benachteiligten unserer Gesellschaft. Entsprechend werden bestimmte Fakten über Obsorge, Unterhalt und Besuchsrecht aussortiert und in einen luftleeren Raum gestellt.

Via Twitter erhielt ich u.a. solche Argumente für die Benachteiligung der Väter nach Trennungen:

>90 % bekommt der Vater 14-tägig 1-2 Tage Kontakt, obwohl rund 40 % der Frauen ganztägig berufstätig waren vor Trennung.

die Hälfte der Väter verliert nach rund 3 Jahren nach der Trennung den Kontakt zum Kind vollständig.

Und 10.000e Väter dürfen ihre Kinder am Vatertag nicht sehen, wegen Umgangsboykott, oft sogar gar nicht.

Kleine Interpretation mit Kontextbezug gefällig?

Berufstätige Mütter in Hetero-Paarbeziehungen leisten im Schnitt viel mehr Sorgearbeit als berufstätige Väter – auch wenn beide Vollzeit arbeiten. Das zeigen Forschungen und Studien in Österreich („Viel Erleichterung, aber auch viel Streiterei“. Die Soziologin Gerlinde Mauerer im Interview über Karenzväter) und in Deutschland (Ungleiche Rollenverteilung. Karrierefrauen schmeißen auch den Haushalt), das betrifft die Kinderbetreuung genauso wie den Haushalt: „Berufstätige Frauen übernehmen deutlich mehr Hausarbeit als ihre erwerbstätigen Männer. Noch immer erledigten Frauen drei Viertel der Hausarbeit.“ (Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung).

Hint: Vater-Sein und seinen Anteil übernehmen ginge nämlich auch schon vor einer Trennung, liebe Väterrechtler. Da lernt man, was es heißt, Verantwortung für ein Kind zu tragen – mit allen geliebten und weniger geliebten Aufgaben.

Mit dem Thema Kontakabbruch zwischen Vater und Kind nach einer Trennung der Eltern hat sich die Politikwissenschaftlerin Mariam Irene Tazi-Preve auseinandergesetzt und dazu das Buch „Väter im Abseits“ veröffentlicht. In einem Interview mit dem Standard („Mütter haben überhaupt keine Lobby“) geht sie genauer auf die Hintergründe dieser sehr häufigen Kontaktabbrüchen ein:

Eine frühere Studie zeigte, dass etwa die Hälfte der Väter ein Jahr nach einer Scheidung keinen Kontakt mehr zu den Kindern hat. Die Frage nach dem Warum war unser Ausgangspunkt. Unser interdisziplinäres Team konnte in der Arbeit zu dem Buch vor allem vier Erklärungen herausfiltern. Ein Teil der Väter hat einfach kein Interesse und bleibt weg. Viele Väter vergessen zum Beispiel bei Befragungen, die korrekte Zahl ihrer Kinder anzugeben. Auch Männerberatungsstellen haben berichtet, dass das Ende einer Beziehung häufig auch das Ende des Kontaktes zum Kind bedeutet. Ein weiterer Grund ist, wenn die Mutter die Vermittlung zwischen Kind und Vater nicht übernimmt und sich Väter eigenständig um den Kontakt kümmern müssen – das schaffen viele nicht. Beispielsweise wenn Kinder im Teenager-Alter sind und an einem Wochenende dieses und am nächsten jenes vorhaben, da geben Väter mitunter schnell auf. Mütter sind da hartnäckiger. Väter glauben oft, die Kinder brauchen sie nicht so sehr wie die Mutter. Das heißt, die väterliche Identität ist relativ schwach ausgeprägt. Dann gibt es auch die Situation, dass die Mutter den Kontakt unterbindet. Hier ist das Problem die Unfähigkeit, zwischen Paar- und Elternebene zu unterscheiden. Und schließlich ist auch Gewalt des Ex-Partners ein Grund, warum kein Kontakt mehr besteht.

Aber man kann sich natürlich auch wie ihr als Fürsprecher der ach so unterdrückten Väter pauschal in die Opferrolle zwängen und Mütter als böse Gatekeeper*innen anklagen, anstatt für Kinder da zu sein. Zu undifferenziert?

oh well

via soletstalkabout.com


[1] aus: umstandslos – Magazin für feministische Mutterschaft: Zwischen Geschlechterdemokratie und Männerrechtsbewegung und Antifeministisch? Väterbewegung in Deutschland

[2] SWR2 Wissen: Maskulinisten. Krieger im Geschlechterkampf (von Nina Bust-Bartels)

Von Elternkarenz, Einkaufen und Eifersucht. Gedanken zum gleichberechtigten Paarleben mit Kind

Die Tage meiner Elternkarenz sind gezählt, die Wehmut darüber hält sich in Grenzen. Immerhin steht zwischen Vollzeit-Kinderbetreuung und Vollzeit-Erwerbstätigkeit noch fast ein ganzes Semester Studium. Dann heißt es statt stundenlang Bausteine stapeln und in Bilderbüchern blättern, in die knisternde Lesesaal-Stimmung eintauchen und (hoffentlich seitenweise) Wissenschaftliches niederschreiben. Was es aber auch heißt: den Haushalt und das Zusammenleben mit Freund und Kind neu organisieren. Und das ist so wie es klingt: furchtbar. Furchtbar mühsam und furchtbar anstrengend und furchtbar streitanfällig (siehe dazu auch: Wir täuschen unsere Gleichberechtigung vor).

Selbst wenn die Ausgangssituation eine ähnliche ist, ist die gleichberechtigte Aufteilung von Haushaltsagenden fast unmöglich. Und ein elaborierter Haushaltsplan, wie ihn Khaos.Kind hier vorstellt, entspricht meinem Zusammenleben in einer Liebesbeziehung (und ehrlicherweise auch meiner Konsequenz) nicht. Wer schon einmal in einer WG gelebt hat, weiß: An (nicht eingehaltenen) Putzplänen können Freundschaften zerbrechen. Kommt dann noch ein Baby dazu, ist die Ausgangslage für die beiden Eltern meistens ohnehin so unausgeglichen, dass es wenig Sinn macht, die Balance über die Putzarbeit herstellen zu wollen. Zumindest ist das die Erfahrung, die ich gemacht habe. Kinderbetreuung ist Kinderbetreuung und Haushalt ist Haushalt. In der Praxis vermischt sich das sicherlich immer wieder, nichtsdestotrotz finde ich die grundsätzliche Trennung sollte den beiden zusammenlebenden Eltern bewusst sein.

(Bild via Lady of Vintage)

Das Schwierige, nein, vielmehr das Perfide an der Angelegenheit ist, dass der Elternteil, der die Kinderbetreuung tagsüber übernimmt, meistens auch viel vom Haushalt übernimmt. Und das wiederum ist nicht Teil der Karenzvereinbarung. Ich übernehme in dieser Zeit das Kind, aber keineswegs den Haushalt. Warum sollte ich auch? Immerhin bin ich Mutter und nicht Haushaltshilfe geworden. An diesem Punkt, fürchte ich, beginnt oftmals eine nicht wieder zu neutralisierende Schieflage. Diese wird oft auch fortgeführt, wenn es darüber hinaus darum geht, dass beide Eltern Zeit für sich, Zeit mit dem Kind alleine, Familienzeit und Paarzeit verbringen sollen/wollen. In vielen traditionellen Familienkonstellationen (Vater, Mutter, Kind) ist es der Mann, der einer (ganztags) Erwerbsarbeit nachgeht. Ihm steht entsprechend einer konservativen Auffassung von Arbeit auch Erholung zu. Der Grundirrtum liegt dabei in der Definition von Arbeit, die in den Köpfen vieler nach wie vor die unbezahlte Reproduktionsarbeit nicht miteinschließt. Wenn aber der erwerbstätige Elternteil nach Hause kommt, hat dieser denselben Anspruch auf Erholung wie der kinderbetreuende Elternteil. Die Krux: Das Kind ist dann natürlich auch da und will gefüttert, gewickelt und bespaßt oder zumindest beaufsichtigt werden. Nur, von wem? Das Gleiche gilt für die Nächte: Wie oft habe ich das „Argument“ von Müttern in heterosexuellen Paarbeziehungen gehört, dass sie selber nachts immer aufstehen, wenn das Kind beruhigt werden will, weil der Mann müsse am nächsten Tag fit für die arbeitsweltlichen Anstrengungen sein. Die Haushalts- und Kinderbetreuungsdiskussion dreht sich spätestens an dem Punkt im Kreis. So mühsam und langweilig das Thema ist, es ist offensichtlich, dass es ein grundfeministisches ist (dazu: Forty years of feminism – but women still do most of the housework und Some theories on why men don’t do as many household tasks). So sind es auch beständig Feministinnen, die versuchen Lösungen dafür zu finden (z. B.: BeispieltagesabläufeErfahrungsberichteGedankenspiele).

(Bild via superlurk.tumblr.com)

Ein zusätzliches Problem, wie ich finde, ist auch, dass bei der ganzen Teilungsarbeit nicht ein Elternteil zum wandelnden Organizer verkommen sollte. Dann trägt dieser nämlich wiederum nicht unwesentlich Mehrlast. Es geht ja nicht nur darum, wer den Müll wegbringt oder den Abwasch macht. Es geht auch darum, wer daran denkt, den Kindern/dem Kind neue Schuhe zu kaufen, der_m Babysitter_in ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen, den Elternabend wahrzunehmen, den Großeltern zur Silberhochzeit zu gratulieren, die Einkaufsliste zu führen, wann der nächste Kinderarzt_ärztinbesuch sein sollte und und und.

Daneben müssen sich Paare auch über ihre jeweilige Freizeit im Klaren sein. Bedeutet Freizeit für beide dasselbe? Oder bedeutet es, dass der_die eine sich seine_ihre einfach nimmt und der_die andere davor eine Organisationsleistung vollbringen muss, um das Kind/die Kinder zu versorgen? Es liegt auch ein enormer Qualitätsunterschied darin, ob ich ein einstündiges Treffen mit anderen Erwachsenen verbringe oder ob (meine) Kinder dabei sind. Im Gegenteil. Wenn ich mich zum Beispiel mit Freund_innen zum Essen treffe und mein Kind ist dabei, fühle ich mich danach oft regelrecht erschlagen vom Koordinieren zwischen Erwachsenengespräch und Kindunterhaltung und Nahrungsaufnahme. Das ist nicht die Freizeit, die ich meine! Da habe ich mich schon beim halbstündigen Käseweckerlessen am Fensterbrett in der Job-Mittagspause früher besser erholt – selbst wenn ich nebenbei Arbeitsthemen diskutiert habe …

Wer die Hausarbeit klar geregelt hat, führt übrigens mit großer Wahrscheinlichkeit eine glücklichere Partnerschaft als jene, die dies nicht haben. Und wer eine gleichberechtigte Partnerschaft leben will, lässt sich diese Regeln nicht von der klassischen Rollenverteilung diktieren.

(Bild via dianealdred.com)

Eine Patentlösung habe ich selbst nicht. Weit entfernt. Wer was macht und was nicht, steht hier regelmäßig zur Diskussion. Besonders dann, wenn Neid auf die Situation des_der Partners_in mit ins Spiel kommt. Denn während ich den Freund seit Monaten um sein Jobleben beneide, findet er meinen Lebensstil derzeit fast ebenso unwiderstehlich. Obwohl … je näher der Karenzwechsel rückt, umso mehr werden wir uns auch der Vorteile der jeweils eigenen Situation bewusst. Gemütlich Kaffee trinkend die Mittagszeit im Internet verbringen hat schon auch was, denke ich jetzt selber – die Zeiten, in denen ich nicht einmal auf die Toilette gehen konnte, ohne ein Kind dabei im Arm zu schaukeln, in denen ich mich nachmittags bereits vor Hunger gekrümmt habe, weil ich nicht dazu gekommen bin, mir zumindest ein Käsebrot zu machen, und jene, in denen ich jede Nacht stundenlang stillend und halb krank vor Erschöpfung im Bett gesessen bin, verstauben bereits im geistigen Archiv. Ja, die Zeiten ändern sich. Und mit ihnen die Aufgaben im Haushalt und bei der Kinderbetreuung. Um diese gerecht aufteilen zu können, müssen sie auch ge- und benannt werden. Alle.