Unsortierte Seifenblasen. Oder: Worüber zu schreiben, ich keine Zeit gefunden habe

Ich unterhalte mich mit jemandem über das Landleben und über die oft so scharfgezeichnete und unausweichliche Norm in den abseitigen Gegenden. Mein Gesprächspartner missversteht mich und berichtet, alle ehemaligen Schulfreund_innen – also die, die am Land geblieben sind, hätten mittlerweile schon Kinder: Crazy! Ich nehme einen Schluck Bier und sage nicht, was ich davon halte, wenn Elternwerden gleichgesetzt wird mit vermeintlich konservativer Normerfüllung.

Am Wochenende finde ich Unterhosen in Rosa und solche mit Autos drauf. Ich sehe BHs für Kinder mit gepolsterten und geformten Körbchen, und Heftpflaster mit Ponys und mit Autos. Die Outdoor-Kleider-Abteilung in Rosa beschränkt sich auf einen Drehständer, die andere ist riesig und spielt alle Farben. Dort finden sich neben Regenjacken auch Gatschhosen und Jogging-Anzüge. Ich kaufe rosa Plastilin und keine rosa Leggings. Ich ärgere mich über Prinzessinnen- und Cowboy-Tatoos und registriere im Vorbeigehen Ballerina- und Spiderman-Schlafanzüge.

Jemand meint, das Kind brauche ein Geschwisterl, damit es jemanden zum Spielen hat.

In der „Zeit“ erklärt eine einfältig, dass viele Feministinnen „die“ Frauen nicht kennen würden. Sie nennt diese Frauen „Weib“ und fragt danach, was es wolle. Tja, mit Freud wird das aber auch nichts, denke ich, und spare mir den Ärger über einen weiteren undifferenzierten Feminismus-Bashing-Bericht.

Ich habe Migräne und lese, dass die Forschung viel über Mäuse und Männer weiß.

Frauentag war auch. Ich habe Stadträtinnen und Gemeinderätinnen und Ehrenbürgerinnen gezählt, obwohl ich ihre Abwesenheit auch so schon wusste. Ich muss mir erklären lassen, dass das Thema Kaiserschnitt die Leser (sic!) nicht interessiert und das Binnen-I den Blick auf wichtigere Themen der Gleichberechtigung verstellt.

Ich suche ein Bild für diesen Beitrag und scheitere beinahe daran, auf den Kunstblogs, die ich immer wieder durchstöbere, Werke von Frauen zu finden.

Und dann sitzt mir die alte Dame beim Interview gegenüber und erzählt von ihren beiden Hüftoperationen, die sie ihren fünf Kindern zu verdanken hat – jahrelange Hausarbeit mit einem Baby auf der Hüfte haben ihr Tribut gefordert. Sie erzählt mir von auslaugenden Stilljahren und davon, dass sie sich die Haare färbt, weil ihr Mann das so will.

(c) Luciana Urtiga "desanuviar"

(c) Luciana Urtiga „desanuviar“

Zum Glück ist draußen Sonne und ich spiele mit dem Kind Fußball und lasse Seifenblasen zerplatzen.

Nicht metaphorisch, sondern tatsächlich.

Why we can’t see who cuts us asunder?

Nachteinsamkeit im Dunkel.
Sonnenwohligkeit am Morgen.
Meine Sinne lenken mich vom Leben ab.
Heute trinke ich Wein am Nachmittag und schwimme in den Abend.
Jetzt weine ich.
Den abstoßenden Geruch des Bettlers in der Nase.
Das Schmerzvolle in seinen Alkohol-glasigen Augen im Herzen.

(c) fuckyouverymuch.dk

Bild via fuckyouverymuch.dk