Manche Freitage sind grün

Die Radieschen kamen vom Regen in die Traufe. Kein grüner Daumen. Kein Licht. Zu wenig Regen. Zu viel Kälte. Schnee (!). Noch immer kein grüner Daumen. Das Kind mag Metaphern und missversteht sie mit einem Vergnügen, das ich auch wieder einmal haben möchte. Mit Sprache. Mit seinem Opa übt es Dialekt. Nein kommt in fünf verschiedenen Sprachen aus dem Kindergartenalltag mit nach Hause. Der Onkel amüsiert sich, wenn deutschsprachige Zungen an den Zahlen seiner Erstsprache brechen. Das Kind auch. Es versucht mir seine schnalzende Fantasiesprache beizubringen, für die meine Zunge aber leiderleider schon zu erwachsen sei. Ich schreibe. Maue Metaphern und strapaziöse Alliterationen. Ach, Sprache. Ich bin vorübergehend am Balkon. Radieschen gießen.

Mirel Wagner | The Devil’s Tongue

Wieder Freitag. Andere Freitage:

Manche Freitage machen nachdenklich

„kinderlose freundin“ „kinderlose freunde“ „kinderlose freundinnen“ „freunde ohne kinder“ „freundinnen mit kindern“ „veränderung freundschaft baby“ „eltern kinderlose freundschaft“ „freundschaften nach der geburt“ „freunde verloren durch kind“ „freundschaft eltern kinderlose“ „kinderlose freundin nervt“ „freundinnen mütter“ „mutter freundschaften“ „freundschaft eltern ohne kinder“ „alle freundinnen bekommen kinder“ „freundinnen ohne kinder“ „freundschaften mutter“ „freundschaft kinderlose“ „freundschaften trotz kind“ „freundschaften als mutter“ „baby bekommen freundin verloren“ „freundschaften baby“ „freundinnen eine mama eine kinderlos“ „freundinnen bekommen kinder“ „freundinnen kinder“ „freundschaft mit und ohne kinder“ „freundin interessiert sich nicht für mein kind“ „seit ich kinder habe kontakt zu freundinnen verloren“ „schwanger wie sag ich es meiner kinderlosen freundin“ „kinderlos freundin schwanger“ „freundschaften zwischen eltern und kinderlose“ „junge mutter alte freundschaften kinderlose“ „meine freundinnen reden nur noch über babys“ „freunde trotz baby“

Es gibt Suchanfragen, die machen mich nachdenklich. Nein, traurig. Besonders solche, die zu Hunderten wieder und wieder und wieder hierher führen.

Krista Papista | Bad F


Noch mehr Freitagsgedanken.

Manche Freitage locken zum Fliegen

Die Straßenbahntüren öffnen sich. Ich stehe auf und mache für eine Frau mit Kinderwagen Platz. „Wieso stehst du auf, Mama?“ Das Kind kräuselt die Lippen. „Damit die Frau neben dem Baby im Wagerl stehen kann und sie sich so gut sehen.“ „Oder der Mann.“ Ich schaue mich um und runzle die Stirn. Das Kind gibt sich altklug: „Vielleicht ist diese Person auch ein Mann. Das weißt du doch, Mama. Man kann nicht immer sehen, ob es ein Mann oder eine Frau ist.“ True that. Nächste Station: die Illusion der Zweigeschlechtlichkeit.

Joy Wellboy | We need a plane Weitere Episoden aus der nicht sehr seriellen Serie „Das Lied zum Freitag“:

Manche Freitage sind eigenartig

Das Kind weigert sich am Morgen, das „Dance until you drop“-Leiberl anzuziehen: „Da ist kein Tier drauf, das ist fad.“ Meinetwegen. Das begehrte Fuchs-Kleid ist unauffindbar, das Kind untröstlich. Im Gegenzug sind die Fuchs-Patschen heute zu „tierisch“: „Ich mag die nicht.“ Veratmen. Wegatmen. Ungeduld hinein, Gelassenheit heraus. Funktioniert heute auch nur mittelmäßig, denkt sie. Während der Autofahrt übersieht sie ihn beinahe, als sie mit verklemmten Scheibenwischern gegen plötzlichen Regenschauer ankämpft, den toten Fuchs am Straßenrand. Eigenartig.

Zuletzt hatte sie einen Fuchs gut drei Jahre zuvor gesehen. Lebend. In einem städtischen Freibad. Das war auch eigenartig.

The Fox | Niki & The Dove

Aus der vernachlässigten Serie „Das Lied zum Freitag“ ebenfalls erhältlich:

Let’s talk about gender, baby (The Knives | Full of Fire)

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

Manche Freitage sind anders (Nasekomix | Inject me with love)

Deny the curse

Yasmine Hamdan | Deny

Agnes Obel | The Curse

Ausnahmen bestätigen die Freitagsregel. Sonst so:

Manche Freitage sind anders (Nasekomix | Inject me with Love)

Let’s talk about gender, baby (The Knives | Full of Fire)

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

Let’s talk about gender, baby

The Knife | Full of fire

“Who takes care of our stories when the big history, written by straight rich white men, erase the complexity of human’s lives, desires and conditions? The film ‘Full of Fire’ consists of a network of fates, fears, cravings, longings, losses, and promises. Fates that at first sight seem isolated from each other, but if we pay attention, we can see that everything essentially moves into each other. Our lives are intertwined and our eyes on each other, our sounds and smells, mean something. Our actions create reality, we create each other. We are never faceless, not even in the most grey anonymous streets of the city. We will never stop being responsible, being extensions, of one another. We will never stop longing for each other, and for something else.”

(‚Full of fire‘-Regisseurin Marit Östberg)

Aus der nicht existenten Serie „Das Lied zum Freitag“ ebenfalls erhältlich:

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

Keine Sorge, mir geht’s gut

Ich bin hier. Ihr seid dort. Ich bin abgetaucht, untergetaucht, aber ich sehe euch. Verschwommen. Gebrochen. Seht ihr mich?

(Bild via ignant.de (c) Alyssa Monks)

Eine Nem-Rolle, zwei Glücksrollen, einmal karamellisierte Spießchen, Hanoi-Bier für alle, viel Reis, Schoko-Erdnuss-Bällchen. Die Bestellungen fliegen über den Tisch. Ebenso die Wort- und Satzfetzen. Es ist viel passiert in diesen zwei Wochen. Alte Liebe weg. Neue Liebe da. Jobherausforderungen. Theaterabende. Uniabschluss. Unwetterurlaub. Bei mir? Alles wie immer, sage ich. Und irgendwas von Uni und Musik.

Und wieso sage ich nicht, dass auch bei mir viel passiert ist? K. kann eine Dose öffnen und wieder richtig verschließen. Sie hat sich in die Stoffeule verliebt und wünscht dem Mädchen im Buch eine gute Nacht, indem sie winkt. Sie legt immer weitere Strecken aufrecht zurück und fordert beharrlich Musikwünsche oder Geschaukeltwerden ein. Sie macht „mmm“, wenn sie eine Kuh sieht, und wenn sie den Schlüssel in der Türe hört, krabbelt sie in Richtung Vorraum, um ihren „Papapapapapa“ zu begrüßen. Sie hilft beim An- und Ausziehen mit und verwüstet nach wie vor hin und wieder in einer Wickelaversion das Badezimmer.

Das ist alles und nichts. Manchmal fällt es mir schwer, mein Alles mit anderen zu teilen, aus Sorge, dass es als Nichts ankommt.

Und wieso bin ich eigentlich so empfindlich?