Nachhaltige Schuldgefühle. Von Konsumfragen, Mütterlast und Zeigefinger in die falsche Richtung

Meine Eltern wuchsen in bescheidenen Verhältnissen auf. Ich erinnere mich an die vielen kleinen Erzählungen, aus denen ich dieses Bild gewonnen habe. Sechs Personen, die sich das Wasser einer wenig befüllten Badewanne einmal wöchentlich teilen mussten. Der beim Ofen gewärmte Ziegelstein, der im Winter unter die mit Stroh gefüllte Decke geschoben wurde. Die Einbrennsuppe und die Knackwurst als Sonntagsbratenersatz. Davon geprägt lebten die beiden uns Kindern vor, wie man mit wenig Geld sein Auskommen findet. Nicht verschwenderisch sein und gleichzeitig nachhaltig haushalten, so das Motto. Energie sparen, Müll vermeiden, wiederverwerten. Wir bügelten Geschenkpapier, aßen manchmal jede_r am Tisch den Rest eines anderen Mittagessens der letzten Tage, lasen im Halbdunkeln, bis die Augen brannten, und wickelten uns im Winter im Wohnzimmer in die dafür stets bereit gelegten Decken. Schick war diese Lebensweise damals beileibe nicht.

Ich war wahlweise genervt oder peinlich berührt davon. Bis lange nach der Pubertät fühlte es sich für mich nach Freiheit an, in mehr als einem Raum das Licht brennen zu haben, vor offener Kühlschranktüre den eigenen Gusto zu erkunden und die Essensreste vom Teller in den Kompostkübel und nicht in eine Tupperdose zu schieben.

Nun tobt in den sozialen Medien eine recht heftige Debatte ums grüne Konsumieren, erhobene Zeigefinger und unreflektierte Privilegien (eine Verästelung davon ist etwa dieser Thread hier). Stereotype von der gestressten Alleinerziehenden, die von etwaigen Forderungen „natürlich“ ausgenommen sei, werden dabei genauso bemüht wie jene von der Ökomutti, die mit ihren Einmachgläsern und schicken Arme-Leute-Essensrezepten tatsächliche Armut romantisiert. Ich denke dabei an mein Elternhaus und das Aufwachsen darin. Nun, ja. Es ist bekanntlich alles kompliziert.

Was das Ganze nun mit Feminismus zu tun hat? Ich bin es ein bisschen Leid, wie bei solchen Diskussionen ausgerechnet Eltern, und da vor allem Müttern, so mirnixdirnix eine weitere Kippe Schuldgefühle aufgeladen wird. Mütter sind nämlich die, die sich in dieser Debatte vorrangig angesprochen fühlen – vielleicht auch deshalb, weil wieder einmal nur sie angesprochen werden? Immerhin richten sich ganz viele Forderungen ans Haushalten, Kochen, Waschen und Einkaufen – alles Dinge, die meist von Frauen erledigt werden. Mütter sollen nun also auch unseren Planeten retten. Just wow.

Ich bin es darüber hinaus Leid, wie suggeriert wird, dass wir durch Konsumverhalten tatsächlich eine bessere Welt erschaffen können. Und wie der Vorwurf von Ignoranz und Faulheit zum – freilich elaborierter ausformulierten – Totschlagargument wird. Es bleibt die Schuld und die Scham des Versagens.

Ich verwehre mich dagegen, in dieser Gesellschaft lediglich die Rolle der Konsumentin einzunehmen.

Wer Ressourcen für grünes und ethisches Konsumieren hat, kann diese freilich gerne dazu verwenden, sein höchst privates Lebensumfeld entsprechend zu gestalten. Damit aber missionierend hausieren zu gehen, um andere ebenfalls für diese Idee zu begeistern, ist eine Sackgasse, denke ich. Ja, ich finde auch, dass wir unser Bewusstsein für problematisches Konsumverhalten schärfen müssen. Dabei sollte es aber weniger darum gehen, unser meist ohnehin schon am Limit geführtes Leben durch individuell zuammengebastelte Verbesserungsideen anzupassen. Vielmehr müsste doch das Ziel sein, das Bewusstsein in konkrete politische Ansinnen und in konkretes aktivistisches Tun zu bündeln. Nicht, dass am Ende des Tages das große Ganze auf der Strecke bleibt …

Nur die Politik kann der systemrelevanten Macht von Konzernen die Stirn bieten. Sie könnte dafür sorgen, dass eine ökologische Nachhaltigkeit, die es ganz vielen ermöglicht, grün zu konsumieren, und eben nicht ökonomisches Wachstum Priorität bekommt. Und sie könnte sich für eine – auch global gesehen – soziale Nachhaltigkeit zum Beispiel in Bezug auf die Arbeitsrechte in den Produktionsländern stark machen. Damit dies passiert, braucht es einen entsprechenden Druck aus der Bevölkerung.

Ethisches Konsumieren geht aber in eine völlig entgegengesetzte Richtung.

Ich glaube nicht, dass – so der in besagter Diskussion oft mitschwingende Vorwurf – es den grünen Konsument_innen mit ihren erhobenen (oder nicht erhobenen) Zeigefingern in erster Linie um das Reinwaschen des eigenen Gewissens geht. Viele wollen ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die Schieflagen schaffen und Druck auf Konzerne ausüben. Gleichzeitig wird aber die kapitalistische Logik an sich nicht in Frage gestellt. Der private Aktivismus bleibt damit recht zahnlos und kommt deshalb nicht selten lediglich als elitäres, dünkelndes Naserümpfen daher. Dazu gibt es viele kluge Texte, auf die ich an dieser Stelle weiterverweisen mag.

Nicht zuletzt gilt: Warum sollten in einer Gesellschaft, in der Statuskonsum ein hohes Gut ist, ausgerechnet jene ein System ändern wollen, das für sie geschaffen ist und das sie ausgesprochen gut bedient?

Jede_r soll machen, was er_sie kann. Das ist oft der kleinste gemeinsame Nenner in der Eltern-Mütter-Social-Media-Blase. Alle sind scheinbar zufriedengestellt. Aber dieser Allgemeinplatz ist mir wiederum zu wenig. Damit ist zum einen nämlich die Schuldfrage nicht gelöst, die sich beim Blick in den vollen Wegwerfwindeleimer dann ja trotzdem stellt. Zum anderen wird der Blick darauf verdeckt, dass es in unserer Gesellschaft eben vieleviele Baustellen gibt. So bin ich froh um die Mama, die zwar ihren Müll nicht trennt, aber zwei Nachmittage pro Woche in der ehrenamtlichen Flüchtlingsrechtsberatung sitzt. Ich bin auch froh, um jene Bekannte, die mit ihrer alten Schrottkiste zugegeben die dörfliche Luft schlimm belastet, jedoch verlässlich Erledigungen und Botengänge für die Alten im Ort übernimmt. Und ich bin froh, um den jungen Burschen, der zwar Morgen für Morgen zwei Energydrinkdosen kippt und diese dann im Restmüll entsorgt, aber seine Stimme schon zweimal gegen rassistische Pöbler erhoben und sich vor einen bettelnden alten Mann gestellt hat. Genauso wie ich um die Nachbarin froh bin, die sich wohl zweimal jährlich Fernflüge leistet, doch dafür gefühlt die Kinder der ganzen Straße hütet, wenn bei deren Eltern der Hut brennt.

Wir alle haben unterschiedliche Ressourcen und unterschiedliche Stärken.

Jede_r, der seine Ressourcen in irgendeiner Form solidarisch einsetzt, sollte kein schlechtes Gewissen haben, weil am Frühstückstisch das Original-Nutella und keine Bio-Variante ohne Palmöl steht. Über Nachhaltigkeit nachdenken ist aufwändig und anstrengend. Eigene Abläufe und Muster zu brechen ist stressig und herausfordernd. Das können und wollen sich viele nicht zumuten. (Und wie ich oben ausgeführt habe, muss man sich der Frage stellen, ob dieser Aufwand tatsächlich den gewünschten Effekt hat oder ob die wöchentlich zwei Stunden Zeit und das Bedürfnis, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, nicht anderswo als bei der Recherche privater Konsumentscheidungen besser eingesetzt wären.)

Umso dringender erscheint es mir, dass jene, die sich mit ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit beschäftigen, ihre Forderungen nicht an Einzelpersonen, sondern an die Politik richten, Wissen bündeln und zugänglich machen, sich vernetzen. Denn der Rückzug in private, auch noch so bewusste Konsumwelten kann nicht zur Entmachtung von Großkonzernen und einem Ende ihrer ökologisch fatalen Praxen führen. Und ethischer Konsum kann keine sozial engagierte Bewegung ersetzen.

Durch meine eigene Kindheit und Jugend habe ich ein jederzeit schnell abrufbares Wissen darum, wo und wie ich noch nachhaltiger und grüner leben könnte. Durch späteres Interesse weiß ich auch ganz genau, an welchen Rädern ich drehen müsste, um ethischere Konsumentscheidungen zu treffen. Ich weiß aber auch, dass das immer noch mit viel Arbeit und Zeit verbunden wäre – und der gesamtgesellschaftliche Nutzen davon sehr gering bliebe. Jede_r könne sich heute im Netz informieren oder ein Buch zum Thema lesen – diese Forderung, die im Zuge der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte im Netz immer wieder gefallen ist (zum Beispiel hier), macht es sich einfach. Die Lebensrealitäten von ganz vielen lässt das nicht so einfach zu. Hinzu kommt, selbst wissenschaftliche Studien widersprechen sich immer wieder. Das gesammelte Wissen auf individuelles Verhalten herabzubrechen ist alles andere als trivial und es ist eben nicht mit schnellem Googeln getan, wie suggeriert wird.

Ich hingegen könnte mir für bewusstes Konsumverhalten grundsätzlich Zeit freischaufeln. Könnte. Aber auf Kosten von anderen Dingen – etwa auf Kosten von feministischem Engagement. Zudem, meine Stärken liegen woanders. Ich habe mich also entschieden, meine Ressourcen dort einzusetzen, wo ich tatsächlich viel geben kann. Ganz ohne schlechtem Gewissen. Im Gegenteil.

 

Erlesene Mutterschaft LI

Mein Vater hat mir erzählt, Großmutter Camilla habe jeden Nachmittag am Küchentisch gesessen, Kaffee getrunken, geraucht und zum Kloster hinaufgeblickt. Aus diesen Augenblicken, meinte er, habe Camilla Agostini Kraft geschöpft. Sie habe gewusst, dass man über sich hinauswachsen kann, wenn man nicht nach unten schaut. Mein Vater sagte oft, seine Mutter habe Stärke und Kraft ausgestrahlt, die Stärke und Kraft einer echten Frau, und ich glaube, diese Bemerkung war als Spitze gegen meine Mutter gemeint.

„Von Depression, Wahnsinn oder Erschöpfung hat meine Mutter nie gehört“, erklärte er stolz. „Dafür hätte sie schlicht und einfach keine Zeit gehabt. Sie hat solche Kinkerlitzchen immer nur mit einem Achselzucken oder einem verächtlichen Blick quittiert. ‚Bürgerlichen Schnickschnack‘ nannte sie das. ‚So was können sich nur Großhändler, Bohemiens und eine bestimmte Sorte Männer leisten.‘ Menschen wie meine Mutter müssen praktisch denken. In Lire, Minuten und Stunden. Sie konnte es sich nie leisten, mit Seelenwehwehchen rumzusitzen.“

Lina Wolff | Die polyglotten Liebhaber

Alle bisher gesammelten Textausschnitte: Erlesene Mutterschaft I-L

Manche Freitage sind radikal

Wir verbrennen die ungewollten, aufgedrängten, hastig zugesteckten, vergeblich abgewehrten Liebesbriefe auf den Steinstufen zum Wasser sitzend. Die Flammen gieren nach mehr. Wir geben ihnen mehr. Noch ein Brief. Und noch einer. Auch der Himmel brennt zur Dämmerung. Ich mag die Theatralik. Ausnahmsweise. Rote Herzen. Pinke Namen. Bunte Blumen. Das Feuer macht vor ihrer Lieblichkeit nicht halt. Frisst sich gemächlich durch das zerknüllte Papier. Dann warten wir. Bis die Glut verlöscht. Bis das letzte Fitzelchen in Asche zerfällt. Bis der Wind den Staub mit sich trägt. „Fühlst du dich jetzt besser“, frage ich. „Ja“, sagt das Kind. Ich nicke. Wir erheben uns. Gemächlich und zufrieden, als ob wir zu einem Picknick beisammen gesessen wären. Dann klopfen wir den Staub von unseren Hosen und gehen nach Hause.

WWWater | Pink Letters

Freitag.Gedanken.Karussell.

Erlesene Mutterschaft L

Ahlam Baji, die Hebamme, die sie entband und in zwei Tücher gewickelt ihrer Mutter in die Arme legte, sagte: „Es ist ein Junge.“ (…) Als am nächsten Morgen die Sonne schien und es im Zimmer angenehm und warm war, wickelte sie den kleinen Aftab aus. (…) Und da entdeckte sie, versteckt hinter dem Jungen, zweifelsfrei ein kleines, nicht voll entwickelte, aber doch, ein Mädchen. Ist es möglich, dass eine Mutter vor ihrem eigenem Baby erschrickt? Jahanara Begum erschrak. Als erste Reaktion spürte sie, wie sich ihr Herz zusammenzog und ihre Knochen sich in Asche verwandelten. Ihre zweite Reaktion war, noch einmal nachzuschauen, um sich zu vergewissern, dass sie sich nicht täuschte. Ihre dritte Reaktion bestand darin, zurückzuweichen vor dem, was sie in die Welt gesetzt hatte, während sich ihr Gedärm verkrampfte und ihr ein dünnes Rinnsal Scheiße die Beine hinunterlief. Als vierte Reaktion zog sie in Betracht, sich und das Kind umzubringen. Ihr fünfte Reaktion bestand darin, das Kind in den Arm zu nehmen und an sich zu drücken, während sie in den Spalt zwischen der ihr bekannten Welt und den Welten stürzte, von deren Existenz sie nichts geahnt hatte. Dort, im Abgrund, trudelte sie durch die Dunkelheit, und alles, dessen sie bis dahin sicher gewesen war, jedes einzelne Ding, vom kleinsten bis zum größten, ergab keinen Sinn mehr für sie.

In Urdu, der einzigen Sprache, die sie beherrschte, hatten alle Dinge, nicht nur die Lebewesen, sondern alle Dinge – Teppiche, Kleider, Bücher, Stifte, Musikinstrumente – ein Geschlecht. Alles war entweder männlich oder weiblich, Mann oder Frau. Alle außer ihrem Baby. Ja, natürlich, sie wusste, dass es ein Wort für jemanden wie ihn gab – hijra. eigentlich zwei Wörter, hijra und kinnar. Aber zwei Wörter ergeben keine Sprache. War es möglich, außerhalb von Sprache zu leben? (…)

Als sechste Reaktion wusch sie sich und beschloss, erst einmal niemandem davon zu erzählen. Nicht einmal ihrem Mann. Dann, als siebte Reaktion, legte sie sich neben Aftab und ruhte sich aus.

Arundhati Roy | Das Ministerium des äußersten Glücks

Alle bisher gesammelten Textausschnitte: Erlesene Mutterschaft I-XLIX

Erlesene Mutterschaft XLIX

„‚Warum hast du keine Kinder?‘, wird sie manchmal von ihnen gefragt. ‚Fühlst du dich nicht einsam ohne Ehemann?‘ Früher antwortete sie, nein danke, sie hat seit bald einem Vierteljahrhundert täglich fast dreißig Quasi-Kinder vor sich sitzen, da ist sie sehr froh, ihre restliche Zeit entweder allein oder mit anderen Erwachsenen verbringen zu können, mit denen sie interessante Unterhaltungen führt (den Satz ‚weißt du, ich vögele wahrscheinlich häufiger und ganz sicher besser als du‘ hat sie ihnen immer erspart, obwohl die Versuchung manchmal groß war).

Sie hat gelernt, dass diese Fragen nichts über sie aussagen, sondern vielmehr über die Angst derer, die sie stellen: vor der Einsamkeit, dem Alter, dass das eigene Leben plötzlich sinnlos erscheint. Dennoch ist sie manchmal genervt davon, und dann brennt ihr die Erwiderung auf der Zunge: ‚Du und ich, wir wissen einen viel beschworenen Dreck voneinander.'“

Francesca Melandri | Alle, außer mir

Alle gesammelten Textausschnitte: Erlesene Mutterschaft I-XLVIII

Manche Freitage sind bitter

Sie lässt es wie das vierte, fünfte, sechste Sommergewitter in Folge vorüberziehen. Das bringen Hitzewellen eben mit sich, scheint sie mit ihren schmalen Schultern zu zucken. Sie sucht nicht einmal mehr Schutz. Wartet einfach sein Ende ab. Harrt aus. Ihr Blick heftet sich dabei auf den vom Rheuma verformten Daumen der rechten Hand. Er streichelt sanft, gewissenhaft, über das transparente Klebeband, das die beiden Deckelklappen der Schachtel zusammenhält. Professional Handmixer mit Turbostufe steht in türkisen Buchstaben darauf. Ihr Kopf nickt beschwichtigend in die Richtung, aus der das Gewitter aufgezogen ist. Wütend spuckt es ihr verletzende Worte entgegen. Dumm. Verschwenderisch. Unnütz. Sie ignoriert die Verächtlichkeit auf den Lippen des Mannes, der allen Vorbeiziehenden – sie wenden höflich oder unangenehm berührt ihre Blicke ab – seine Meinung zu ihr und ihrem Kauf um die Ohren schmeißt. Der Kopf ist rot geworden, die rechte Hand zur Faust geballt. Er wird lauter, sie abwesender. Wie lange das Gewitter diesmal gedauert hat, kann sie später nicht mehr sagen. Die Stopptaste drücken nennt sie ihren verharrenden Zustand bei sich. Eine Zeit lang hat sie dieses Verhalten fast amüsiert. Ja, hat sich sogar mächtig dabei gefühlt. Selbst ermächtigt. Seit sie es in Zügen an ihrer Tochter festgestellt hat, wenn diese vom Schwiegersohn angefahren wird, hat sich resignierende Bitterkeit breit gemacht. Als der Redeschwall versiegt ist, streckt sie dem Mann ihren abgewinkelten Arm hin. Ächzend ergreift dieser ihn. Stützt sich darauf und lässt sich hochziehen. Pfaust. Worauf wartest du? Gehen wir. Schweigend geleitet sie ihn über den Parkplatz. Nicht ohne mehrmals mit Genugtuung auf die Schweißperlen, die sich auf seiner Oberlippe gebildet haben, zu schielen.

 

Alicia Edelweiss, Lukas Lauermann, Sweet, Sweet Moon | Leonie

Anderes Freitagsnachdenken.

Erlesene Mutterschaft XLVIII

„Durch die Kinder haben sich die Tagesabläufe verschoben. Früher hätte man sich bei Einbruch der Dämmerung zum ersten Aperitif getroffen, nicht am helllichten Tag zum Abendessen. Aber das ist normal, es geht ihnen allen so, der ganzen Armee von Einzelkindereltern. Es gab Zeiten, als Britta bis Mitternacht arbeitete, bis mittags schlief und die erste feste Nahrung des Tages am frühen Nachmittag zu sich nahm, meistens ein Sandwich, das Babak, der ebenfalls kein Morgenmensch ist, in die Praxis mitbrachte. Aber dem hat Baby-Vera vor sieben Jahren ein Ende gesetzt. Nur manchmal spürt Britta noch einen leichten Schwindel, fast wie Erschrecken, Symptome eines existenziellen Jetlags.“

Juli Zeh | Leere Herzen

Alle gesammelten Textausschnitte: Erlesene Mutterschaft I-XLVII