Väterkarenz. Again. Oder: Eine Option, die keine sein sollte.

„Papa mit Kind zuhause?“ heißt ein neuer Image-Film der österreichischen Unis in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium, der das Thema Väterkarenz vorantreiben soll. In dem Film werden männliche Angestellte als Role-Models vorgestellt, um bewusster auf Kinderbetreuungsaufgaben in einer gleichberechtigten Partnerschaft hinzuweisen.

Ich bin es ein bisschen leid, auf die Art und Weise, wie in Österreich Väterkarenz kommuniziert wird, hinzuhacken. Aber. Aber! Denn, ja, es ist ein Jammer. Das Video klingt auf den ersten Blick auch total lieb. Bestärkend. Und die Vorbild-Väter sind bestimmt alle urengagiert. Doch außer dem fahlen Nachgeschmack, dass das so aber nichts wird mit der gleichberechtigten Partnerschaft in Heterobeziehungen mit Kind(ern), bleibt nach solchen Kampagnen wenig bei mir übrig. Das liegt nicht an den handelnden Personen, sondern am Framing solcher Aktionen.

Der Film ist eingebettet in die Erzählung, dass eine Väterkarenz eine schöne und wichtige Zeit mit dem eigenen Kind ist. Dies sei eine wertvolle, wenn auch natürlich anstrengende Erfahrung. Aber das Teilhaben an wichtigen Schritten in der Kindesentwicklung entlohne dafür. Darüber hinaus würden von einer geschlechtergerechten Aufteilung dieser Care-Arbeit die Eltern, die Familie und auch der_die Arbeitgeber_in (in dem Fall die Universität) profitieren, erzählt uns der filmische Erzähler.

Macht. Euren. Verdammten. Job.

Ich würde mir tatsächlich einmal eine Kampagne wünschen, deren Kernaussage ist: Väter, macht euren verdammten Job! Ja, es ist nicht einfach. Das ist es nie. Dazu kommt für viele der finanzielle Druck, die organisatorischen Dilemmata und Bla. Aber sollte es nicht in erster Linie Ziel sein, dass Väter ihren Beitrag leisten, um die Situation von Müttern zu verbessern?

Das mag nicht immer machbar sein. Trotzdem geht es letzlich darum, dass es für Frauen diskriminierend ist, wie Kinderbetreuung in unserer Gesellschaft – (wieder) politisch forciert – auf der Liste von Mütter-Aufgaben festgeschrieben ist. Ich finde, es ist an der Zeit, dass die Väter einmal ein bisschen etwas von der Schuld schultern, die sonst den Müttern ungefragt aufgeladen wird. Natürlich heißt Väterkarenz auch, dass man an der Entwicklung des Kindes teilhat. Und, ja, auch das kann und soll Motivation dafür sein, in Väterkarenz zu gehen. Doch in dem aktuellen Film – genauso wie in vielen anderen Kampagnen für Väterkarenz – klingt Elternzeit für Männer letztlich immer nach Option. Eine Option, die die wenigsten Mütter haben.

„Es ist leider wirklich so. Ich kann die Arbeit nicht ganz liegenlassen“, sagt einer der Väter. Er suche sich Freiräume, um, wenn schon nicht jeden Tag, dann zumindest zweimal pro Woche ein paar Stunden an die Uni zu kommen. Wer in dieser Zeit für seine Kinder sorgt, bleibt unausgesprochen. Und, ja klar, das macht die Sache verdächtig. Wer ist wohl diese unsichtbare Person, die immer übernimmt, wenn’s eng wird? Die immer übernehmen können muss (!)? I have a guess.

„… denn erst als Opa merkt man, ob man zu wenig Vater war“, schließt die säuselnde Erzählerstimme den knapp sechsminütigen Film. Nun ja. Eigentlich könntet ihr Väter das auch schon früher wissen: Fragt einfach eure Partnerinnen!

Zumindest erwähnt einer der interviewten Väter in dem Film, dass die Karenz für ihn durchaus berufliche Nachteile gebracht hat. Er bekomme nach wie vor als Kritik in Gutachten oder bei Anträgen zu hören, dass er mehr an seiner internationalen Sichtbarkeit arbeiten müsse. Das beziehe sich darauf, dass er während der Kleinkindzeit weniger international präsent gewesen, weniger auf Konferenzen gefahren sei und dergleichen. Das ist der Preis, den man zahlen muss und das müsse man vorher wissen. Alles gleichzeitig, so das Resümee des Vaters, gehe nicht.

This.

Aber Väter müssen sich einmal klar vor Augen führen und sich auch endlich aktiv damit auseinandersetzen, dass das der Preis ist, den sonst ihre Partnerinnen zahlen. Der denen einfach auferlegt wird – eben nicht als Option. Erst wenn Väter diese Schieflage akzeptieren und losgelöst von abstrakten Strukturen in ihrer eigenen Beziehung (ein-)sehen, können Eltern Seite an Seite gegen herrschende Leistungsstandards bzw. Definitionen von Leistung in der Lohnarbeitswelt, zum Beispiel an Universitäten, kämpfen. Und darüber hinaus.

Vorher gilt (zumindest für mich): Kein feministischer Applaus für Väterkarenzler!

 

 

ZUM WEITERLESEN:

Danke, Antonia, für den Hinweis auf das Video und das in den sozialen Medien hörbare (durchaus auch feministische) Entzücken darüber, das dir in dem Zusammenhang sauer aufgestoßen ist!

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