Erlesene Mutterschaft XXXII

„Ines wird grantig sein, wenn sie aufs Essen warten muss, dachte Fanni, weil grantig, wenn hungrig, ein kausaler Zusammenhang. Oft schickte sie auf dem Heimweg von der Schule oder früher, in der letzten Stunde, ein SMS mit der Frage: Was gibt es heute? Fanni überlegte, ob sie zum Fleischhacker gehen sollte, um dort Knödel und Kraut zu kaufen. Sie dachte müde nach, was wann wo zuerst erledigt werden wollte, damit auch sie etwas vom Abend haben könne. Was nur gelingen würde, wenn alle anderen zufrieden waren. Ines satt und im Zimmer. Friedl beachtet und gehört. Bernhard im sauberen, warmen Heim, der Kühlschrank voll. Vielleicht geht Bernhard ins Wirtshaus, dachte Fanni, wurde sich bewusst, wie sehr sie das hoffte, wurde noch trauriger über dieses Wissen, immer seltener ließ es sich beschönigen durch den Gedanken, das sei normal, Familienalltag. Jeder braucht Zeit für sich.

Während dieser Denkerei und Geherei sah Fanni nach oben, der spaltige Himmel zwischen den Häusern, ihre Schritte klangen fest und zielgerichtet. Und trotzdem, das Gefühl, die noblen Dächer wandten sich ab von dieser unfreien Person, die da ging.“

FanniPold | Karin Peschka


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