Erlesene Mutterschaft XXIX

„Wie zum Teufel bist du an den Alk rangekommen?“ Er schob sich an ihr vorbei und schüttete sich Cornflakes in die Schale. Dreizehn. Er war größer als sie.

„Kann ich mein Portemonnaie und die Schlüssel haben?“ fragte sie.

„Du kannst das Portemonnaie haben. Die Schlüssel kriegst du, wenn ich weiß, dass es dir gut geht.“

„Mir geht’s gut. Ich gehe morgen wieder zur Arbeit.“

„Du kannst nicht mehr aufhören, wenn du nicht ins Krankenhaus gehst, Mama.“

„Ich komm schon klar. mach dir bitte keine Sorgen. Ich habe den ganzen Tag, um mich zu erholen.“ Sie ging hinaus, um nach den Sachen im Trockner zu sehen.

„Die Hemden sind trocken“, sagte sie zu Joel. „Die Socken brauchen noch etwa zehn Minuten.“

„Keine Zeit. Ich zieh sie nass an.“ Ihre Söhne nahmen ihre Bücher und Rucksäcke, küssten sie zum Abschied und verließen die Wohnung. Sie stand am Fenster und sah ihnen nach, wie sie die Straße hinunter zur Bushaltestelle liefen. Sie wartete, bis der Bus sie eingesammelt hatte und die Telegraph Avenue ansteuerte. Dann ging sie hinaus zum Spirituosenladen an der Ecke. Er hatte jetzt geöffnet.

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