Die kleine Welt der Väterrechtler

In den so genannten sozialen Medien habe ich neulich auf Zahlen zu säumigen Unterhaltszahlungen hingewiesen. Bislang fordert Österreich 1,1 Milliarden Euro von nicht zahlenden Elternteilen ein. Allein im Jahr 2014 zahlte der Bund 134,87 Mio. Euro an Unterhaltsvorschüssen an 51.839 Minderjährige aus (Quelle: SN: Väter schulden Staat mehr als eine Milliarde). Mit Hinweis auf den Vatertag zeigte ich mit diesen Zahlen in Richtung Väter und verwies als Reaktion auf Kommentare mit verdrehten Fakten auf zwei analytische umstandslos-Beiträge zu Männerrechtsbewegungen [1].

Das hatte schlafende Hunde geweckt und Maskus wie Väterrechtler ließen sich zum Teil recht ausfällig über Feminist*innen und ihr (bzw. mich und mein) Verhältnis zu Männern aus. Fazit: Es gäbe ein schlechte Beziehung zum eigenen Vater, aufgrund des Männerhasses seien wir alle alleinerziehend oder hätten eine in jedem Fall mies laufende Beziehung. Außerdem seien wir nur als Resultat der Scheidung unserer Eltern Radikalfeminist*innen geworden.

via kaysbestintentions.blogspot.co.at

 

Das war ziemlich erhellend: Dem gemeinen Väterrechtler dürfte in seinem Sumpf aus Egoismus und Jammerei rund um den armen weißen Mann Solidarität ein Fremdwort sein. Die Möglichkeit, Missstände und Diskriminierungen aufzeigen und sich dagegen stark machen zu können und zu wollen, egal, ob eine selbst nicht davon betroffen ist oder nicht, existiert in ihrem verbohrtem Weltbild nicht.

Aus Fadesse klickte ich mich ein bisschen durch die Accounts besagter Maskulinisten [2]. Das Gesellschaftsbild und die Ideologie ist zum Gruseln, verbinden sich dort wie sooft Misogynie mit Rassismus, Homofeindlichkeit und generell Gedankengut der extremen Rechten. Generell fühlen sich Maskulinisten als Männer und Väter nicht gesehen. Beispiel gefällig? Die etablierten Parteien hätten bei den Landtagswahlen in Wien Männer als Wählerzielgruppe nicht umworben. Ähm … ja, genau. Männer sind entsprechend der Väterrechtler- und Männerbewegungsideologien die neuen (?!) Benachteiligten unserer Gesellschaft. Entsprechend werden bestimmte Fakten über Obsorge, Unterhalt und Besuchsrecht aussortiert und in einen luftleeren Raum gestellt.

Via Twitter erhielt ich u.a. solche Argumente für die Benachteiligung der Väter nach Trennungen:

>90 % bekommt der Vater 14-tägig 1-2 Tage Kontakt, obwohl rund 40 % der Frauen ganztägig berufstätig waren vor Trennung.

die Hälfte der Väter verliert nach rund 3 Jahren nach der Trennung den Kontakt zum Kind vollständig.

Und 10.000e Väter dürfen ihre Kinder am Vatertag nicht sehen, wegen Umgangsboykott, oft sogar gar nicht.

Kleine Interpretation mit Kontextbezug gefällig?

Berufstätige Mütter in Hetero-Paarbeziehungen leisten im Schnitt viel mehr Sorgearbeit als berufstätige Väter – auch wenn beide Vollzeit arbeiten. Das zeigen Forschungen und Studien in Österreich („Viel Erleichterung, aber auch viel Streiterei“. Die Soziologin Gerlinde Mauerer im Interview über Karenzväter) und in Deutschland (Ungleiche Rollenverteilung. Karrierefrauen schmeißen auch den Haushalt), das betrifft die Kinderbetreuung genauso wie den Haushalt: „Berufstätige Frauen übernehmen deutlich mehr Hausarbeit als ihre erwerbstätigen Männer. Noch immer erledigten Frauen drei Viertel der Hausarbeit.“ (Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung).

Hint: Vater-Sein und seinen Anteil übernehmen ginge nämlich auch schon vor einer Trennung, liebe Väterrechtler. Da lernt man, was es heißt, Verantwortung für ein Kind zu tragen – mit allen geliebten und weniger geliebten Aufgaben.

Mit dem Thema Kontakabbruch zwischen Vater und Kind nach einer Trennung der Eltern hat sich die Politikwissenschaftlerin Mariam Irene Tazi-Preve auseinandergesetzt und dazu das Buch „Väter im Abseits“ veröffentlicht. In einem Interview mit dem Standard („Mütter haben überhaupt keine Lobby“) geht sie genauer auf die Hintergründe dieser sehr häufigen Kontaktabbrüchen ein:

Eine frühere Studie zeigte, dass etwa die Hälfte der Väter ein Jahr nach einer Scheidung keinen Kontakt mehr zu den Kindern hat. Die Frage nach dem Warum war unser Ausgangspunkt. Unser interdisziplinäres Team konnte in der Arbeit zu dem Buch vor allem vier Erklärungen herausfiltern. Ein Teil der Väter hat einfach kein Interesse und bleibt weg. Viele Väter vergessen zum Beispiel bei Befragungen, die korrekte Zahl ihrer Kinder anzugeben. Auch Männerberatungsstellen haben berichtet, dass das Ende einer Beziehung häufig auch das Ende des Kontaktes zum Kind bedeutet. Ein weiterer Grund ist, wenn die Mutter die Vermittlung zwischen Kind und Vater nicht übernimmt und sich Väter eigenständig um den Kontakt kümmern müssen – das schaffen viele nicht. Beispielsweise wenn Kinder im Teenager-Alter sind und an einem Wochenende dieses und am nächsten jenes vorhaben, da geben Väter mitunter schnell auf. Mütter sind da hartnäckiger. Väter glauben oft, die Kinder brauchen sie nicht so sehr wie die Mutter. Das heißt, die väterliche Identität ist relativ schwach ausgeprägt. Dann gibt es auch die Situation, dass die Mutter den Kontakt unterbindet. Hier ist das Problem die Unfähigkeit, zwischen Paar- und Elternebene zu unterscheiden. Und schließlich ist auch Gewalt des Ex-Partners ein Grund, warum kein Kontakt mehr besteht.

Aber man kann sich natürlich auch wie ihr als Fürsprecher der ach so unterdrückten Väter pauschal in die Opferrolle zwängen und Mütter als böse Gatekeeper*innen anklagen, anstatt für Kinder da zu sein. Zu undifferenziert?

oh well

via soletstalkabout.com


[1] aus: umstandslos – Magazin für feministische Mutterschaft: Zwischen Geschlechterdemokratie und Männerrechtsbewegung und Antifeministisch? Väterbewegung in Deutschland

[2] SWR2 Wissen: Maskulinisten. Krieger im Geschlechterkampf (von Nina Bust-Bartels)

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