Abriss zur FPÖ-Ideologie Frau=Mutter

Dudu Kücükgöl hat über die neue Staatssekretärin Muna Duzdar und den rechtspopulistischen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer geschrieben, der es schaffte, eine Kopftuch-Debatte zu konstruieren – über eine Frau, die sich selbst als nicht gläubige Muslimin beschreibt und auch kein Kopftuch trägt. In dem Beitrag im Magazin biber (Muna Duzdar und das Kopftuch oder: Die perverse Debatte) weist sie darüber hinaus auf einen interessanten Aspekt des FPÖ-Parteiprogrammes von 2011 hin: Dort kommen Frauen nämlich explizit nur sieben Mal vor und zwar immer in der Kombination Mann-Frau-Kind. Frauen existieren in der Ideologie der Freiheitlichen nur als Mütter. Die siebte frauenpolitische Aussage betrifft „ungerechte“ Frauenförderungsmaßnahmen.

Eigentlich wollte ich nicht über die FPÖ schreiben und auch nicht über Norbert Hofer. Aber das Frauenbild als alleinige Reduktion auf die Mutterrolle, das eine immer stärker werdende politische Richtung in Österreich vertritt, erschreckt mich angesichts möglicher künftiger Mehrheiten immer mehr.

Gegen Abtreibung, Ehe für alle und Frauenhäuser

Norbert Hofer spricht sich für ein Austreibungsverbot aus (profil), das im Wahlkampf als verpflichtende „Bedenkzeit“ vor Abtreibungen entschärft wurde. Im Handbuch freiheitlicher Politik, das er verfasst hat, wird laut Standard „die Gebärmutter als ‚Ort mit der höchsten Sterbewahrscheinlichkeit in Österreich‘ beschrieben“. Dazu passend tritt Hofer gegen die Ehe für alle und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ein.

Gendersensible Gesellschaftspolitik empfindet der Präsidentschaftskandidat als eine Strategie, die die Familie auflöst. Und seine Parteikolleg_innen in Amstetten sehen Frauenhäuser als Ehe zerstörende Institutionen. Für die FPÖ-Ideologie sind „Frauen das Fundament der Familie“.

Wenn sich Hofer in TV-Diskussionen regelmäßig als Fürsprecher für alleinerziehende Mütter aufspielt, dann ist das an Hohn kaum zu überbieten. Denn Frauenarmut und strukturell anstrengend gemachte Familienkonstellationen sind bekanntlich (auch) auf das traditionelle Familienbild zurückzuführen, das in Österreich nach wie vor herrscht.

Die FPÖ will Frauen bevormunden und ausschließlich in der Mutterrolle im Rahmen einer Vater-Mutter-Kind-Familie sehen. Das sagt das Parteiprogramm, das sagen die handelnden Personen. Schon seit Jahren. Immerzu.

Das war nie ein Geheimnis, ebenso wenig wie die Überschneidungen zur Neonazi-Szene keines ist. Und so wurde bei einem Sonnwendfeier der FPÖ 2008 NS-Liedgut („Wenn alle untreu werden“) gesungen, nachdem die blaue Landesrätin Barbara Rosenkranz, die 2010 für das Amt der Bundespräsidentin kandidiert hat, Mutterschaft zur nationalen Angelegenheit hochstilisiert und kritisiert hat, dass „(…) jede Hure großes öffentliches Interesse (…) findet. Die mütterliche Frau dagegen, wenn sie überhaupt wahrgenommen wird, als Beispiel eines veraltenden (sic) Rollenbildes allenfalls belächelt wird.“ (Quelle: Rosenkranz-Rede (c) profil)

Deswegen. Genau auch deswegen muss Mutterschaft aus feministischer Perspektive betrachtet werden.

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