So viel dazu. Ein Gesprächsprotokoll

Ich habe mit dem dreieinhalbjährigen Kind ein Mini-Interview im Vorfeld des Muttertags gemacht.

Ich: „Darf ich dich etwas über Mamas fragen?“
Kind: „Ja, Mama.“
Ich: „Wozu glaubst du, sind Mamas da?“
Kind: „Zum Spielen.“
Ich: „Mit den Kindern?“
Kind: „Genau. Und sie passen auf, dass die Kinder keinen Blödsinn machen. (lacht) Und dass sie nicht nur Süßigkeiten essen.“
Ich: „Und was findest du gut an mir als Mama?“
Kind: „Wenn wir hinausgehen spielen.“
Ich: „Und was findest du schlecht?“
Kind: „Dass du so viel arbeitest.“
Ich: „Hm … Und bei den Papas?“
Kind: „Der Papa arbeitet auch so viel.“
Ich: „Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Papas und Mamas?“
Kind: „Nein. (kichert plötzlich vor sich hin) Ja, sie haben unterschiedliche Sachen an.“

Damit wäre eigentlich alles gesagt …

… dass ich kein großer Muttertagsfan bin, habe ich ohnehin hier und hier schon einmal in Kürze kundgetan. Allem voran stört mich neben der Kommerzialisierung und der Kollektivierung von Erfahrungen, dass Elternsein bzw. wesentliche Teilaspekte davon zu etwas Geschlecht-Spezifischem gemacht werden. Ach ja, und die Idealisierung von Mutterschaft und gleichzeitige Defizit-Zuschreibung bei Kinderlosen.

Nichtsdestotrotz verstehe ich auch das Bedürfnis, sich einen Tag lang feiern lassen zu wollen. Es wäre nur schön, wenn dabei nicht die vielen oftmals unsichtbaren Geschichten von Mutterschaft verloren gehen – von ein paar davon erzählt folgendes kurze Video (engl.):

Und auch diese Geschichten sind oft unerzählt:

„Flat out, Mother’s Day sucks for some of us. We all have our reasons, those of us in the Challenging Mother Club. By the time ‚the day‘ arrives, we’ve been inundated by commercials and email offers and reminders of how much everybody loves their mothers. Just step inside any public space right now and you’ll be inundated with reminders courtesy of capitalism: Your mom is great! All moms are great! Don’t forget to prove to your mom and the world that her greatness has monetary value! And then there’s us: the defectives, the unlovables. For years I had thought I was the only one. Even before the gay disownment, this time of year was always uncomfortable for me. Some years it was downright painful. We’re supposed to love our mothers and tie ourselves into gratitude knots to please them. My not feeling compelled to present myself for continual emotional and mental injury from my mother doesn’t mean I don’t love her. It simply means I’ve chosen to stay alive.“ (Katie Klabusich: Why Mother’s Day suck for Some of Us)

„Bei mir ist das so: Meine Mutter ist vor 19 Jahren gestorben. Wir hatten kein ganz konfliktfreies Verhältnis, aber das ändert nichts daran, dass ich sie durchaus vermisse. (…) Aber jedes Jahr pünktlich zum Muttertag wird mir um die Ohren gehauen: ‚DEINE MUTTER!!! KÜMMER DICH!!! ZWANGSLIEBE!!!‘ Worauf es mir in der Seele rumblubbert: Nee. Ich war noch nie an ihrem Grab, ich nehme ihre Präsenz im Alltag immer wieder wahr, in den Gesichtern anderer Frauen, in einer Stimme, die ähnlich klingt, beim Geruch von Freesien. So viele Momente. Und die passieren auch ohne stetiges Eindreschen, ohne besonderen Anlass. Dazu brauche ich keinen bestimmten Tag und erst recht keine entsprechenden Ermahnungen. Stattdessen ruft der muttertägliche Werbefrontalangriff in mir vor allem eine Reaktion hervor, und das ist die, mir die Ohren und Augen zuhalten zu wollen und einfach mal loszubrüllen: ‚Lasst mich in Ruhe! Ich würde ja gerne, aber ich KANN NICHT, OKAY?'“ (@Natollie: Muttertag? Nun ja.)

„But I know that Sunday is not going to be a great day for everybody. It’s hard for people who’ve lost their moms. It’s hard for those who had crummy moms — and believe me, it hasn’t escaped my notice that in our cultural glorification of motherhood, the fact that a lot of women who’ve had children have done a piss poor of raising them seems to get conveniently left out a lot. And it can also be hard for women who don’t have children, in this season of constant reminders that the best and most important ‚job‘ a woman could ever aspire to is motherhood. So to all my female friends who aren’t moms, I just want you to know that I call BS [bullshit] on this garbage too.“ (Mary Elizabeth Williams: Sorry about Mother’s Day, my childfree girlfriends: Moms aren’t any more special (or unselfish) than you)

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