In Verteidigung der Prinzessinnen

In einem anderen Beitrag (Codes am Spielplatz) habe ich bereits einmal darauf hingeweisen, wie viel Klassismus oftmals in der Kritik an „genderstereotyper“ Kinderkleidung steckt. Dasselbe gilt in gewisser Weise auch für die Kritik an Prinzessinnen-Verkleidung – die es eben an jeder Straßenecke billigst zu kaufen gibt. Aber erst jetzt ist mir wirklich klar geworden, wie viel verinnerlicht-unbewusste Abwertung von Weiblichkeit* eine solche Kritik oft zusätzlich enthält. Mir ist das gestern an meinem eigenen Verhalten bewusst geworden.

Zuerst: Das Kind hier wollte zum zweiten Mal Tiger sein, weswegen ich mir über Prinzessinnen-Wünsche keinen Kopf zerbrechen musste. Wenn irgendwann einmal Prinzessin, dachte ich, dann finden wir bestimmt eine coole Umsetzung. Dann erzählte mir der Freund gestern am Telefon, nachdem er den kleinen Tiger zum Faschingsfest im Kindergarten abgeliefert hat, wie unglaublich groß die Prinzessinnendichte dort gewesen sei. Beim Mittagessen mit einer Freundin trug ich diesen Gedanken weiter. Wir kritisierten und bedauerten diesen Umstand gemeinsam.

Dann habe ich das Kind abgeholt. Und plötzlich ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: All diese Mädchen waren nicht einfach „Prinzessin“. Es gab zwei Feen, eine Zauberin, eine Königin, eine Spinnenfrau, natürlich auch ein, zwei klassische Prinzessinnen und allerlei für mich nicht klar zuordenbare Verkleidungen mit Tüll und Rüschen und Glitzer. Die Buben waren Piraten, Polizisten, Räuber und Ritter.

Während wirTM dazu also tendieren wie selbstverständlich die männlich konnotierten Verkleidungen automatisch zu differenzieren, bleiben Mädchen in wallenden Glitzerkleider in der Prinzessinnen-Lade – ungeachtet der unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie sich für ihre Figur ausgedacht haben.

5 thoughts on “In Verteidigung der Prinzessinnen

  1. Und eigentlich, denk ich mir bei der Aufzählung der Bubenkostüme, ist es ja auch arg, dass wir uns sehr auf die Prinzessinnen mit unserer Kritik stürzen, aber Pirat, Polizist, Räuber und Ritter spiegeln nun auch nicht grade ein großes Variantenreichtum wider. Im Grunde sind alle vier „Haudraufs“ auf die eine oder andere Art und Weise…

    • Genau, das meinte ich damit, dass „Bubenverkleidungen“ als differenziert wahrgenommen werden, obwohl sie vielleicht sogar viel mehr Ähnlichkeiten miteinander haben als zB Tinkerbell und Lillifee.

  2. volle zustimmung und das was überhaupt weniger geht ist ein junge als prinzessin – hallo is doch Fasching, aber irgendwie ist das einzige was wirklich kreativ ist egal ob Mädchen oder Junge: Tierkostüme etwas genderfrustrierte grüße be

  3. Still not loving Girls’ Day | aufZehenspitzen

  4. Einmal Eiskönigin und ganz viel wirres Mütter-Bashing – aufZehenspitzen

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