Wer hat Angst vor der Übermutter?

Anscheinend immer noch eine ganze Menge. Jedenfalls wird „die“ Übermutter in Alltagsgesprächen regelmäßig als Teufel an die Wand gemalt. Sie ist Schreckgespenst und mahnendes Negativbeispiel für Mutterschaft. Ein Pendant zur unsympathisch konstruierten Latte-Macchiato-Mutter.

Kopfschütteln und weitergehen, denke ich bei jeder entsprechenden Bemerkung. Und ärgere ich mich doch die ganze Zeit. Dieses ständige Schlechtmachen von bestimmter Art gelebter Mutterschaft. Und dann: Wenn es Übermütter gibt, existieren dann auch Untermütter? Oder sind das die Rabenmütter? In dem Fahrwasser der Mütter-Definitionen kann eine leicht ertrinken. Vor allem: Was wäre das männliche Gegenstück dazu: der Übervater. Ward nie gehört, nicht?

via vintagemagpie.blogspot.com

Nicht, dass ich nicht verstehe, was an einer Übermutter Angst machen könnte. Sie ist ein bisschen die Art von Mutter, die uns „die“ Gesellschaft zum einen als Best-Practice-Modell vorhält, wenn es darum geht für Nicht-Mutter-Dinge ein schlechtes Gewissen zu provozieren. Das Paradoxe ist allerdings: Wer dem Bild entspricht, macht es natürlich auch nicht richtig. Denn das ist dann im besten Fall als Momentaufnahme nervig, auf Dauer gesehen aber jedenfalls schadhaft für alle Betroffene.

Und nicht, dass ich nicht ebenfalls verstehe, dass es auch ein feministischer Akt sein kann, sich von dem „Übermutter“-Ideal abzugrenzen, ja, befreien zu wollen. Im Gegenteil. Trotzdem. Es bleibt eine Gratwanderung. Die so genannte „Übermutter“ gehört dekonstruiert. Unbedingt. Aber nicht auf Kosten von Lebensentwürfe von Frauen. Sprich: nicht andere Frauen als „Übermutter“ beschimpfen, nur weil sie ihr Leben anders lebt als eine selber. Oder aus einer anderen Perspektive: Was ist so schwer daran, wenn ich mich über eine Frau ärgere, die mir ständig besserwisserische Ratschläge aus ihrem angeblichen superduper-friedefreudeeierkuchen Leben gibt, sie einfach nur „nervig“ zu finden – ohne sie in die „Exemplar Übermutter“-Schublade zu stecken.

(c) Hominy Valley Photography

Dieses Be- und Abwerten von Mutterschaft und Elternschaft insgesamt ist dermaßen ermüdend. Ich wundere mich, warum es speziell von denen, die Mutterschaft – überdies feministisch – neu definieren wollen, kontinuierlich aufs Tableau gebracht wird. Auch vermeintlich emanzipierte Normen, wie Mutterschaft (nicht) gelebt werden soll, sind eben Normen.

Elternschaft ist kein Wettbewerb und Mütter-Bashing – auch dann, wenn es auf dieser abstrakten Ebene bleibt und damit gleichzeitig keine und alle zugleich trifft – immer problematisch. Just don’t do it!

... in dem (Nicht-)Zusamenhang muss ich übrigens an diesen Text über „bad feminism“: The crisis of „bad feminism“ is worse than you think.

3 thoughts on “Wer hat Angst vor der Übermutter?

  1. Danke für diesen Artikel. Werde ich mir „bookmarken“. Ich fühle mit Dir! Dieses Mütter- Bashing geht mir auch ab uns zu gehörig auf den Keks. Da geht der Zen bei mir auch flöten🙂 Es gibt verschiedene Gründe warum, speziell Mütter andere Mütter immerwieder kritisieren wollen. Das ist schon teilweise Absurd. Aber es ist völlig egal was für eine Art Mutter Du bist, irgend jemand, der anscheinend zuviel Zeit besitzt über Dich nachzudenken, findet immer einen Grund Dich zu kritisieren, abzuwerten etc.
    Liebe Grüße, Wasana

  2. Auf der Suche nach Supermutti | Mama hat jetzt keine Zeit

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s