Mama, schau! Die Männer haben das Licht aufgedreht

Wieso in Österreich (sprich: in den – auch den so genannten linken – Mainstream-Medien) feministische Diskurse immer nur anlässlich antifeministischer Proklamationen geführt werden, ist mir ein ärgerliches Rätsel. Glücklicherweise habe ich die eine Aufregung rund um Gabaliers Söhne-Hymnen-Schmafu urlaubsbedingt nur mehr halb mitbekommen und die andere Wir-sind-so-privilegiert-gebildet-und-super-Kampagne gegen das Binnen-I (als ob dieses abseits von Gesetzestexten irgendwo bislang Durchsetzung gefunden hätte!) nur mehr in ihren Nachwehen.

Sprachliche Praxis und soziale Wirklichkeit. Dazu wurde schon seit Jahrzehnten viel in Zusammenhang mit Feminismus und Macht und Rassismus und und und geschrieben, gesagt, veröffentlicht, diagnostiziert und natürlich auch pamphletiert. Aber wozu auf vorhandenes Wissen zurückgreifen? Warum die eigenen Lichtgestalten beim Wort nehmen (Wittgenstein wäre doch unverdächtig, oder Watzlawick oder Foucault nicht?)? Oder womöglich Sprachwissenschaftler_innen befragen?

Nun, egal. Forbes tut ja auch so, als hätte noch nie zuvor irgendwer Filme auf ihren Erfolg in Zusammenhang mit weiblichen Hauptcharakteren analysiert.

Ich kann jedenfalls die Sager von „Es gibt wichtigere Probleme in Sachen Geschlechterdiskriminierung“ nicht mehr hören und will derlei Diskussionen nicht mehr führen. Wer Interesse hätte, Zusammenhänge zu verstehen oder/und Veränderungen tatsächlich herbeizuführen, der würde nicht auf dieses mau-laue Argument zurückgreifen. Punkt.

Punkt. Das habe ich tatsächlich zu Beendigung unendlicher Ich-will-nicht-ins-Bett-ich-will-noch-einen-Pudding-Diskussionen im Urlaub zweidreimal gegenüber dem Kind verwendet. Sehr unsympathisch, wie ich finde und es ist mir gelungen, diese Argumentationsstrategie mit etwas Achtsamkeit aus meinem Sprachalltag zu verbannen. Es hat ausgereicht. Das Kind beendet unsere Diskussionen nun mit einem „Punkt“. So schnell geht Nachahmung, also (ob seiner Wirksamslosigkeit bald ebenfalls zu Seite gelegt, hoffe ich). So schnell erobert uns Sprache – und mit ihr unser Verhalten. Denn „Punkt“ war (und ist es für das Kind immer noch) Wort und Handlung gleichermaßen.

Weniger amüsant finde ich allerdings eine andere sprachliche Eigenart, die sich bei der Fast-3-Jährigen eingeschlichen hat: „die Männer“. Das sind diejenigen, die bestimmte Dinge erledigen, während das Kind abwesend ist. „Die Männer“ (Momo-Déjà-vu) haben die Mülltonnen entleert, die Straßenbeleuchtung aufgedreht, die Autos umgeparkt und die Bäume geschnitten.

Ich gebe mir wirklich große Mühe, das generische Maskulinum zu vermeiden, sooft es geht. Berufsgruppen sind im Gesprächsalltag zwischen mir und dem Kind abwechselnd Frau oder Mann oder beides, bei „Klischee-Berufen“ oftmals extra das jeweils andere Geschlecht. Beim Bilderbuch-Vorlesen sind die abgebildeten Männer auch manchmal Frauen und umgekehrt. Vergebene Liebesmühe, frage ich mich momentan. Zwei Bezugspersonen können dem Umfeld offenbar nicht standhalten. Und auch, wenn das Kind sich (immerhin) manchmal selbst korrigiert, dann waren gefühlt doch mehrheitlich „die Männer“ am Werk.

Aber ich werde weiterhin „oder/und die Frauen“ nachschieben. Sprache schafft Wirklichkeit. Oder?

(c) privat

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11 thoughts on “Mama, schau! Die Männer haben das Licht aufgedreht

  1. Fazit: Nur noch englisch sprechen, da gibt es kein Genum und wenn man doch in die Bredouille kommt he/she sagen zu wollen, kann man immer noch sprachlich elegant auf die Verwendung der Mehrzahl ausweichen.

    Und jammern tut deswegen auch niemand im angelsächsischen Raum.

    • ❤ ich hab übrigens im urlaub ein buch gelesen, das mich sehr an dich erinnert hat: "schlaflos" von sarah moss (ich empfehl das grad im kreis), habs verschlungen – feministische mutter und historikerin – darum fielst du mir ein – versucht neben ihren kindern zu arbeiten … mit textteilen zur forschung der protagonistin über kindheit im 19. (?) jhd. und alten briefen einer amme – vergangenheit und gegenwart treffen sich irgendwann – im buch nona – aber so ist der verklärte blick aufs historiker*innendasein halt, am ende macht alles sinn🙂

  2. Ich bin begeistert von deinem Blog. Endlich mal jemensch der nicht nur über Styling, Nähen und veganes Kochen als neue Themen seit der Mutterschaft nachdenkt. Die Problematiken mit „den Bauarbeitern“, „den Müllmännern“ etc. kenne ich gut. Leider ist es aber auch selten mal eine Frau bei diesen Arbeiten zu beobachten – und das schafft ja eben auch Wirklichkeit. Die Situation in den Kinderbüchern kenn ich auch zu gut und dichte sehr oft um – zur Irritation meines Kindes – denn oft liest auch mal jemand anders vor, der das nicht tut. Der wird dann gern mal korrigiert und ist dann ziemlich irritiert🙂

  3. „Oder womöglich Sprachwissenschaftler_innen befragen?“
    Oh, nein, das ist völlig abwegig, die stecken doch mit diesen Genderideologen unter einer Decke…! – *orrr*

    Danke für den Beitrag. Ich musste an Marianne Grabruckers Buch ‚Typisch Mädchen‘ denken mit dem Kapitel „Mann redet, Frau nackig“. Eltern können (und sollten) dagegenhalten, aber Familie ist halt keine Insel…

  4. Ich bin ja dafür, dass man das generische Maskulinum beibehält. Immer diese künstliche innen-Anhängerei geht mir total auf die Nerven.

    Und nicht falsch verstehen, ich bin absolut nicht jemand, der behauptet, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts gäbe es nicht. Aber ein Umdenken findet nicht über eine Sprachänderung statt. Ich glaube, dass eine natürliche Sprachänderung durch Umdenken kommt. Diese hier ist der Gesellschaft einfach aufgezwungen worden.

    Viel mehr sollte es normal werden, dass man im Büro nicht von den Männern die Tür aufgehalten bekommt, von wegen Ladys first. Ist leider oftmals so üblich. (Ein Beispiel). Die Männer wollen da auch nur höflich sein und wissen gar nicht, was sie da eigentlich tun. Da hilft auch kein -innen.

    Und genauso wissen wir (Frauen) nicht, was wir da eigentlich tun, wenn wir den Vater, der sich seit Monaten um das Kleinkind kümmert, während seine Frau arbeiten geht, fragen, ob die Mutter schon damit einverstanden sei, dass das Kind gerade keine Handschuhe trüge.

    Ich denke, es muss einfach normal werden, eine Person als Person zu sehen. Unabhängig vom Geschlecht.

    • danke für deinen kommentar. nur eine anmerkung: ich finde ja das -innen ganz und gar nicht künstlich und denke, dass sprache unser denken und unsere vorstellung formt. und solange es diskriminierung wegen des geschlechts gibt, ist es abseits von persönlichen begegnungen schon wichtig, das nicht zu „übersehen“. und dann wäre es natürlich das ideal, wenn eine person als person gesehen wird, ja.

  5. @ aufZehenspitzen

    Gib nicht auf, auch wenn es ausweglos erscheint, es kann klappen. Mein Mann und ich nennen seit den Kindertagen unserer Tochter (heute fast 16) so oft es geht immer beide Geschlechter, so nach dem Motto „Lehrer und/oder Lehrerin“ oder „Malerin und/oder Maler“. Wir haben auch versucht, wenn über z.B.Schüler in Büchern oder im Fernsehen geredet wird, dazu zu sagen „oder Schülerinnen“.

    Das kann nicht immer durchgehalten werden, und das haben wir sicher auch nicht geschafft, aber es hat auf jeden Fall einen Eindruck hinterlassen, trotz ihren SchulkollegInnen, LehrerInnen, FreundInnen etc.

    Irgendwann hat sie angefangen, das selbst so zu sagen; selbst Missstände zu entdecken.

    Natürlich ist der Umstand, dass ich selbst mich stolz Feministin und Humanistin nenne, sicher nicht als Mitgrund von der Hand zu weisen, aber ich glaube fest daran, dass das Mitnennen und Sichtbarmachen der weiblichen Form der erste Schritt war und ist.

    Liebe Grüße,
    Titanica

  6. Warum willst Dun unsichtbar machen, dass es vorwiegend Männer sind, die Deine Mülltonnen leeren? Deine Scheße aus den Rohren kratzen? Dich aus dem Feuer holen, wenn brennt? Deinen Fisch für die Fischstäbchen aus dem Meer fischen?

    Unsichtbare Männer halt. Sollen unsichtbar bleiben, außer eine Frau ist dabei?

    Ich nenne das Bossyfeminismus.

  7. Kenne ich dieses Problem.
    Aber…. für Euer Kind seid ihr die Bezugspersonen Nummer Eins (wahlweise Gott🙂 und es wird sich stark an Euch orientieren. Und irgendwann holt ihr sie aus dem Kindergarten ab und die Erzieherin sagt zu Euch: “ Du, ich darf Deine Tochter nicht mehr kleines Mädchen nennen. Sie sagt immer zu mir Papa sagt ich bin kein kleines Mädchen. Ich bin ein kleiner Mensch“.
    Jaja. Diese viele abarbeiten für diese kleinen, feinen Momente. Aber macht weiter. Es kommt was zurück!

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