Geburtsschmerz, my ass

Seit meiner Jugend leide ich unter Migräne, phasenweise sind die Schmerzen chronisch. Chronische Schmerzen haben häufig eine Erniedrigung der Schmerzschwelle zur Folge. Unnötig anzumerken: Ich hasse Schmerzen. Ich hasse, wie sie mich stundentagelang in ihren Dunst hüllen und meine Wahrnehmung trüben. Jahrelang habe ich auf meine Schmerzen „gehört“ – ich habe meine Muskeln entspannt, Blut verdünnende Medikamente genommen, homöopathische Ansätze verfolgt, ich war massieren, habe meinen Kopf durchleuchten und meine Hirnströme messen lassen, ich habe meinem Nacken leichte Stromstöße versetzen lassen, ich habe Tee getrunken, Yoga gemacht, mich anders ernährt, ich habe ein Gesprächsseminar besucht und eine Heilpraktikerin, ich habe meinen Bauch durchkneten lassen und mir angehört, dass ich Ängste aufarbeiten muss und Stress reduzieren. Ich habe den Schmerz ernst genommen und wurde belächelt und ich habe den Schmerz nicht ernst genommen und wurde belehrt.

Ich hasse es, wenn andere Menschen über Schmerzen „Bescheid wissen“, die nicht ihre eigenen sind.

Ganz besonders hasse ich es, wenn Schwangeren erklärt wird, wie es zu sein hat, mit dem Geburtsschmerz. Der Idealisierung dieser Schmerzen haftet etwas (gar nicht so) subtil Misogynes an. Es lässt den Wunsch nach Linderung fast unmoralisch erscheinen. In diese Kerbe schlägt zum Beispiel dieses Standard-Interview mit der Hebamme Heidi Achter. Sie meint darin: Der Geburtsschmerz wird gesellschaftlich abgelehnt: Bei der Geburt, so glauben viele, braucht es keinen Schmerz mehr. Dabei ist er ein wesentlicher Faktor, um gewisse Hormone auszuschütten und sozusagen alles zu mobilisieren. Diese angebliche Schmerzfreiheit wird von den Ärzten total propagiert. (…) Wenn man den Sinn des Geburtsschmerzes verstehen lernt, dann kann man damit auch umgehen. Wer eine Geburt ohne schmerzstillende Mittel erleben kann, hat danach so etwas wie ein Glücksgefühl. Da ist dann eine Kraft vorhanden, die später immer wieder benötigt wird, wenn man ein Kind hat.“

Eigentlich sagt sie etwas recht Wesentliches und Wertvolles: „Der Geburtsschmerz wird gesellschaftlich abgelehnt.“ Genau das! Aber die Zusammenhänge, in die die Hebamme diesen Gedanken stellt, ignorieren individuelle Entscheidungen. Ich denke auch, dass die Aufklärung von Schwangeren über die Vorgänge während der Geburt extrem vernachlässigt wird. Die erst heuer in Österreich geschaffene Möglichkeit, im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen eine kostenlose einstündige Hebammen-Beratung in Anspruch zu nehmen, zeigt den geringen Stellenwert dieser Geburtshilfe (2014! einstündig! innerhalb der 18. und 22. Schwangerschaftswoche = spät!). Aber: Krankenhäuser sind nicht verwerflich, die moderne Schulmedizin auch nicht und der Wunsch, davon zu profitieren, schon gar nicht. Ich empfinde es – nicht nur angesichts der gesunkenen Müttersterblichkeit – eine arrogant-verachtende Geste, diese Rhetorik immer wieder zum Besten zu geben.

Schmerzen sind etwas Individuelles! Nein, mir geben Schmerzen keine Kraft und nein, der Geburtsschmerz war da keine Ausnahme (trotz PDA gibt es während einer Vaginalgeburt übrigens genug Zeit, Schmerzen zu empfinden – warum das immer wieder ignoriert wird, ist mir ein Rätsel). Es gibt klare Kriterien, wann eine Periduralanästhesie sinnvoll ist und wann nicht. Es gibt die Möglichkeit, die PDA zur Pressphase hin auslaufen zu lassen. Wer sollen die Geburtshelfenden sein, die routinemäßig eine PDA setzen? „Es gibt Frauen, die nehmen die PDA wie Pfefferminzbonbons“, lese ich auf einem Hebammenblog*. Beratung, anyone? Respekt vor der Angst vor Schmerzen schaut anders aus. 

Miss Bean

(Bild via missbeanbean.net (c) Miss Bean)

Schmerzen können traumatisierend sein – etwa wenn sie die psychischen Belastungsgrenzen eines Individuums übersteigen. Über die Geburt als Trauma habe ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben: Es gibt eine Studie, die darauf hinweist, dass es einen Zusammenhang zwischen der erlebten Hilflosigkeit und Angst während einer Geburt und posttraumatischen Belastungsstörungen gibt. Die Studienautor_innen verweisen darauf, dass eine adäquate Aufklärung über schmerzlindernde Mittel dem entgegenwirken kann.

Problematisch bei Aussagen wie jener in oben zitiertem Interview ist aber nicht nur, dass die Individualität von Schmerzen und Schmerzempfinden völlig außer Acht gelassen wird, sondern auch, dass das Geburtserlebnis und bestimmte Qualitäten von Elternschaft vermischt werden. Von wegen: die Geburt (bezeichnenderweise greift die Hebamme auf das Vokabular „normale Geburt“ zurück) gibt jene Kraft, die eine auch später benötigt, wenn das Kind da ist. Diese Logik übt nicht nur einen enormen Druck auf Mütter aus, die nicht „unter Schmerzen“ TM geboren haben, sondern diskriminiert gleichzeitig auch Väter und nicht-gebärende Elternteile generell. Es ist eine Rhetorik, die konservative Familienvorstellungen auf Kosten aller anderen stärkt.

Aber die Mütter heutzutage seien einfach zu „verkopft“, kritisiert die Hebamme im Interview weiter. Rational denkende Menschen – das widerspricht natürlich dem Diktum vom „Naturwesen Frau“ (siehe: Natur, du bist nicht meine Mutter). Verkopft sein bedeutet für mich: Schwangere wollen sich dem Vorgang der Geburt einfach nicht mehr unwissend aussetzen, sie wollen informiert werden – und zwar in alle Richtungen. Nur wenn ich das Gefühl habe, Bescheid zu wissen, habe ich das Gefühl, gute Entscheidungen für mich und (!) mein Kind treffen zu können. Geburtshelfer_innen, die Geburtsverläufe ihren eigenen Vorstellungen anpassen wollen (oder in ihren Aussagen diesen Eindruck entstehen lassen), können abschreckend wirken – und verhindern damit vielleicht genau das, was sie stärken wollen.

Ja, ich bin für die Stärkung des Selbstbewusstseins des eigenen/gebärenden Körpers. Und ja, ich bin dafür, dass dies von außen unterstützt wird – im Sinne von: Schwangere können gebären und es gibt Konstellationen, wo dafür keine Schulmedizin vonnöten sein muss. Ich bin aber auch dafür, dass Ängste und Schmerzen in ihrer Individualität ernst genommen werden – und dass dieses Ernstnehmen in jedem Fall über einer esoterisch-spirituellen „Geburt als Mütter-machenden-Kollektiverfahrung“ steht.

(c) Miss Bean

(Bild via ignant.de (c) Miss Bean)

Für meine Migräne habe ich übrigens nach jahrelanger Suche Tabletten gefunden, die wirklich helfen und mir damit ungeahnte Lebensqualität zurückgegeben haben. Bei aller angebrachten Skepsis, in diesem Fall: Danke, Schulmedizin!

* Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Hebammen und die Stärkung ihrer Rolle bei Schwangerschaft und Geburt ist wichtig – und sollte keine finanzielle Frage sein. Aber vielleicht muss auch in diesem Beruf ein Umdenken stattfinden, das den unterschiedlichen Wünschen von Gebärenden gerecht wird. Ich hatte das Privileg, mir eine selbst gewählte Hebamme leisten zu können, die meine Geburt im Krankenhaus begleitet hat und mich vorher und nachher betreut hat. Sie war die Beste! (vielleicht braucht es eine Liste mit aus feministischer Sicht empfehlenswerten Hebammen?)

14 thoughts on “Geburtsschmerz, my ass

  1. Links 2_2014 | glücklich scheitern

  2. Hallo! Schön, dass Du mich hier mit einer Verlinkung erwähnst. Aber so ein Zitat, aus dem Zusammenhang genommen, kommt ja manchmal schon komisch rüber. Darum muss ich mich hier mal etwas „verteidigen“, bzw. erklären.😉 Ich habe nämlich den unreflektierten, sorglosen Umgang mit einem starken, nicht nebenwirkungsfreien, Medikament kritisiert. Ich bin total für Selbstbestimmung. Dazu gehört natürlich auch unter der Geburt die Dinge zu nutzen, die man braucht. Das ist für die Eine: Alles so natürlich wie möglich zu handhaben und für die Andere: Eben eine PDA und für die Dritte eine Wunschsectio.

    ABER, dazu gehört meiner Meinung nach eben auch, dass die Risiken und Nebenwirkung jeder Methode klar sind. Was vielen bei der PDA nicht klar ist, ist dass die Geburt sich dadurch tatsächlich verändert. Also, die Geburt ist nicht dieselbe, nur ohne Schmerzen, sondern sie wird unter der PDA komplett anders ablaufen. Das ist einfach so. Wenn einem das bewußt ist, kann eine gute Entscheidung getroffen werden. Keine Pfefferminzbonbonentscheidung, sondern eine reflektierte!

    Ich persönlich glaube auch (nein, ich weiß), dass eine natürliche Geburt einer Frau wahnsinnig viel geben kann. Andererseits gibt es auch Frauen, die durch die Geburtserfahrung traumatisiert werden. Daher sind eine gute Geburtsleitung, aber auch schon eine gute Betreuung im Vorfeld, so wichtig. Das Gespräch über vorhandene Ängste und ein Notfallplan können manchmal schon bewirken, dass dieser im Ernstfall gar nicht umgesetzt werden muss. Und wenn doch, auch gut!

    Spannender Artikel!
    Liebe Grüße
    Jana vom Hebammenblog

  3. Interessanter artikel.
    Es ist ein ganz anderer Maßstab und natürlich nicht mit Geburt zu vergleichen, aber mir ist neulich anlässlich der Einsetzung des Kupferkettchens das gleichzeitig gültige Gegenteil aufgefallen: an vielen Ecken wurde für diesen Mini-Eingrff, den ich etwa mit einem piercing vergleichen würde, eine Narkose propagiert.
    ja, es war ein ungewohnter, etwas widerlicher Schmerz, ja, ich hab die Zähne zusammenbeißen müssen und hatte danach wackelige Knie.
    aber dass es dutzende von Gyn-Praxen gibt, die die Einsetzung unter Kurznarkose machen, und die Internetforen voller Frauen sind, die einander einreden, unbedingt auch eine Narkose zu fordern (obwohl sie ja die Schmerzen gar nicht kennengelernt haben), finde ich irgendwie eine unfaire Entmutigung.
    Lieber: eine freundliche, fürsorgliche Gynäkologin, die mir sagt: „sie schaffen das locker, aber ich weiss: jeden Tag braucht ma das ned!“

  4. Danke für diesen Beitrag, der mir aus der Seele spricht. warum Geburtsschmerz angeblich ein „wertvollerer“ Schmerz sein soll als beispielsweise der einer Blinddarm-OP (bei der ja kein vernünftiger Mensch auf die Idee kommen würde, eine solche ohne Narkose durchführen zu lassen), hat sich mir noch nie erschlossen. Ich frage mich, ob jemand mal untersucht hat, welche Rolle Neid bei dieser Debatte spielt, unbewusst natürlich. So nach dem Motto, da müssen alle Frauen durch und wieso kommt dann hier eine, die meint, es sich leicht machen zu dürfen…

    • Ich denke, das ist ein sehr wichtiges Motiv. Die eine, die es sich leicht macht, macht dadurch schließlich das eigene Opfer sinnlos und schon geht der ganze aufgebaute Heroismus flöten …

      Manchmal frage ich mich, ob das auch ein Motiv ist, wenn die ältere Generation so dagegen wettert, wie heutzutage die Kinder „verwöhnt“ werden. Sie mussten schließlich auch willkürliche Regeln gegen die Kinder durchsetzen…

    • Hallo lieber Namenszwilling,

      gerade eben war ich dabei über Geburt und Traumatisierung der Mutter durch Geburtsschmerzen zu googeln und bin auf diese Seite gestoßen. Anfang 2014 kam meine Tochter „normal“ auf die Welt. Ich hatte keine Wehen und so wurde mir ein Wehencocktail (zum trinken) gegeben. Dann endlich kamen sie nach und nach.. und irgendwann dachte ich.. ok..jetzt wird es ärger..(und hab mich noch gefreut, dass es endlich soweit war), einige Zeit später dachte ich mir.. puhh.. es ist heftig.. ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalte.. wieder eine Zeitlang später dachte ich.. so.. ärger darf es jetzt nicht mehr werden.. und das war grad mal der Beginn eines Erlebnisses, dass mich seelisch und körperlich in einen Abgrund gerissen hat.. soll heißen,.. ich hab stundenlang geschrien wie am Spieß, und dachte mir, ich falle irgendwann in Ohnmacht oder werde wahnsinnig.. ich hab geheult und geschrien.. dass ich nicht mehr kann.. nach jeder Wehe.. die Hebamme war entweder nicht da oder hat es ignoriert. Ich sagte mehrmals, dass ich eine PDA möchte.. dann flehte ich nach einem Kaiserschnitt.. eine junge Hebamme in Ausbildung meinte, dass die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt auch wehtun.. damit war das Thema erledigt. Ich wäre am liebsten aus dem Fenster gesprungen, weil ich die Schmerzen nicht mehr ertrug.. dann kamen starke Beinkrämpfe hinzu, mit denen ich zusätzlich zu kämpfen hatte. Es war der reinste Horror. Ich war froh, als es nach 16 Stunden vorbei war..
      Jeder sollte das Recht auf Schmerzlinderung haben.. und mir kommen die Tränen, wenn ich von weiblichen Bekannten und Freundinnen höre, dass sie eine PDA oder einen Kaiserschnitt hatten. Ich wünschte ich hätte es damals gehabt.. man kann keiner Frau einen Vorwurf machen, wenn sie schmerzen nicht aushält..

  5. Für mich kann ich sagen: Aua.
    Ich ‚durfte‘ eine ’normale‘ Geburt ohne Medikation erleben. War gaaanz toll. Ich hab geschrien wie ein abgestochenes Schwein, dass sogar jemand aus dem 2. Stock kam (im KH) und fragte, was los sei. Eine Minute Wehe, eine Minute Pause. 1 Stunde lang. Zum Glück nur eine Stunde, die war lang genug. Ich war dem völlig hilflos ausgeliefert und den einzigen Gedanken, den ich in dieser Zeit überhaupt fassen konnte war: So muss sich ein angeschossenes Tier fühlen oder jemand mit schweren Verletzungen nach einem Unfall im Strassengraben… Das war nicht erhebend oder natürlich oder sonst was. Das war schrecklich! Ich wollte einfach nur, dass das aufhört, weil ich nimmer konnte. Aber weils so schnell ging, war einfach keine Zeit für Schmerzlinderung.
    Ich werd auch nie vergessen, wie ich jeden Millimeter genau gespürt habe, den das Köpfchen über den Damm rutschte. Ich dachte, mich zerreisst es. Je und wenn das Gewebe dann wirklich reisst – ganz große Klasse!
    Dass ich gegen Lidocain unempfindlich bin ist familiär bedingt und einfach Pech. Die Ärztin meinte dann hinterher: Ich kann sie jetzt hier nähen ohne Betäubung, oder im OP unter Vollnarkose. Mal ehrlich, es gibt Stellen, da will keiner ohne Betäubung genäht werden…
    Diese Geburt lief bei mir eher unter dem Moto: Was macht man nicht alles für ein Kind.
    Wie man aber solche Schmerzen bei einer längeren Geburt freiwillig aushalten soll, ist mir ein Rätsel. Und Müttern dann auch noch ein schlechtes Gewissen einzureden von wegen: du hast dein Kind mit bösen Medikamenten vollgepump, weil du zu schwach warst… Also das ist sehr unverschämt.

    Ich finde, wer die Möglichkeit hat zur Medikation soll diese Nutzen. Schmerzmittel haben neben der verbesserten Hygiene die Chirurgie im Speziellen und die Medizin im Allgemeinen revolutioniert. Back to nature ist ja ok, wer’s will. Aber das auch noch zu propagieren als besonders toll, lässt mich ratlos zurück. Das kann ich so nicht verstehen. Ich jedenfalls wünsche mir für die nächste Geburt wieder Medikamente.

  6. zunächst mal: ernsthaft?! hebammenberatung von der kasse übernommen – erst dieses jahr, eine stunde, im letzten drittel?! wir kämpfen in D gerade gegen die massive erhöhung der rechtschutzversicherung der hebammen; derzeit aber übernehmen soweit ich weiß alle krankenkassen hebammenbesuche schon in der schwangerschaft. soweit ich weiß, sogar bis zur hälfte aller medizinisch indizierten untersuchungen! in dieser (meiner 2.) schwangerschaft rechnet sogar die akupunktur-hebamme über meine krankenkasse ab!
    was mich gleich zum nächsten punkt führt: ich bin voll bei dir, was diese schmerz-mythologisierung angeht. vor der geburt wird schwangeren ALLES MÖGLICHE angetragen, was die geburt angeblich oder tatsächlich erleichtern soll (akupunktur, himbeerblättertee, atemübungen, yoga etc. pp.) – aber wenn sie in die geburt gehen , wollen so wahnsinnig viele frauen „erst mal natürlich reingehen“. häh? nehmen alle diese frauen auch keine schmerzmittel gegen ihre menstruationsbeschwerden?! warum dann akupunktur, himbeerblättertee, atemübungen und yoga – dann lass‘ doch alles bleiben, wenn die geburt um so besser ist, je mehr sie schmerzt.
    ich muss dazu sagen, dass ich bei der ersten geburt eine „perfekte“ PDA hatte: nach 24std. langsam sich steigernden eröffnungswehen hat die PDA es mir ermöglicht, im kreißsaal noch mal 1,5std. zu schlafen, aber als die presswehen einsetzten, genug zu spüren, um zu wissen: ohne PDA hätte ich das nicht so gut (und schnell!) geschafft. abgesehen von der kraft aus der erholungsphase, habe ich auch so einen zahn kaputtgebissen und zwischendurch (wie es sich „gehört“) gedacht: so geht das nicht, wir müssen eine andere lösung finden.
    ich hoffe bei der zweiten geburt auf eine ebenso gelungene PDA, aber mache auch nirgendwo einen hehl daraus, dass die PDA für mich geplant ist. im GVK fragte ein werdender vater, ob es denn etwas gäbe, was gegen die PDA spräche, und ich glaube den erfahrenen hebammen, dass es unter gewissen umständen eine geburt verlangsamen kann. aber ist es dann nicht aufgabe des teams hebamme/narkosearzt, die PDA an die umstände anzupassen? wehentreibende mittel werden doch auch so gegeben, wie die geburt oder die umstände es verlangen – das verändert die geburt doch auch (ja, ich bin mir im klaren, dass es dabei oft um das leben des kindes geht).

    mein eindruck ist auch, dass es auf werdende mütter – egal, wie sehr sie sonst auf schmerzlinderung, kosmetische verschönerung ihres äußeren oder andere „unnatürlichkeiten“ zurückgreifen – immer noch einen starken, von ihnen verinnerlichten druck gibt, bei der geburt möglichst viel zu leiden, weil sich das so gehört. damit sie später ihren kindern einen ordentlichen guilt trip verpassen können, oder weil sie sich überhaupt dafür entscheiden, mütter zu werden und so der gesellschaft „zur last fallen“ mit ihren ewigen forderungen nach vereinbarkeit von beruf und familie, ordentlichen kita-öffnungszeiten; vielleicht geht es anderen müttern ähnlich wie mir, die ein schlechtes gewissen gegenüber ihrem arbeitgeber und anderen finanziellen unterstützern hat, weil sie ein kind bekommt, statt sich weiterhin am „geschäft“ zu beteiligen – inklusive mutterschutz, elterngeld, teilzeitarbeit usw. dafür soll ich dann gefälligst das x-fache von menstruationsschmerzen, gegen die ich sonst tabletten nehmen, mit würde und grazie ertragen. nö, sage ich da. was mir die sache erleichtern kann, nehme ich an und fühle mich gut dabei.

  7. Diesen Beitrag von Hebammenblog habe ich natürlich ebenfalls gelesen und das schon vor Monaten. Da war ich gerade am Anfang meiner zweiten Schwangerschaft. Da die Geburt meines ersten Kindes so traumatisch war und keine einzige Hebamme weder meine Wünsche, noch meine Schmerzen, noch mich selbst als Person ernst genommen hatte, habe ich eine ganz gewisse Haltung dieser Damen gegenüber. Noch dazu verursachte es enorme Komplikationen. Mein Sohn kann von Glück reden, dass er diese Geburt überhaupt überlebt hatte und ich hatte einen D4-rektal und zwar im Inneren des Körpers.

    Also plante ich beim zweiten Kind besser: Ich ging dort hin, wo Hebammen zwar arbeiteten, aber wenig zu sagen haben, nämlich in eine Uniklinik. Ich muss sagen, dass waren tolle Frauen, die richtig gut ausgebildet waren. Rücksichtsvoll, einsichtig und medizinisch absolut im Bilde. Bis auf die PDA waren Ärzte nahezu überflüssig. Auch meine Hebamme zu Hause, (eine Freundin von mir die ebenfalls in einem Krankenhaus arbeitet und wirklich sagen kann, dass sie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft agiert), war top ausgebildet! So kann man sich das für Kind, Leib und Seele nur wünschen!

    Und es ist völlig richtig, dass die Geburt sich mit einer PDA verändert, aber wer an sich selber noch keine vornehmen lassen hat, kann dazu ganz einfach nichts qualifiziertes sagen, abgesehen davon, dass es Komplikationen geben kann, (ohne medizinische Eingriffe kann eine Geburt übrigens ganz leicht tödlich verlaufen). Völlig unerheblich, ob das eine Hebamme ist oder nicht. Wer es doch tut, der zeigt mit welcher Qualität er bzw. sie bei der Sache ist. – Unverantwortlich, einseitig und starrsinnig auf Kosten anderer, sage ich da nur.

    • @ Aada: Es ist schön, dass du dir in deiner Entscheidung sicher warst und für dich einen Weg gefunden hast, den du auch anderen empfehlen würdest, deshalb Hebammen (bis auf deine Freundin) alle über einen Kamm zu scheren und zu meinen, dass sie keine Ahnung hätten – das lese ich aus deinem Beitrag heraus – finde ich sehr schade. Männliche Ärzte (und auch einige Ärztinnen) haben noch nie eine PDA selbst bekommen, wissen in der Regel aber doch um deren Konsequenzen. Es stimmt, dass jeder Körper Schmerz und medizinische Eingriffe anders empfindet, aber dieser Satz zur PDA kann nicht ganz richtig sein: „[…] wer an sich selber noch keine vornehmen lassen hat, kann dazu ganz einfach nichts qualifiziertes sagen […]“ Es geht aber darum, und das ist vielleicht das eigentliche Anliegen, keine Frau und deren bewusst gewählte Entscheidung zu verurteilen oder belehren zu wollen.

  8. Mädchenmannschaft » Blog Archive » Teilhabe, Geburtsschmerz-Mythen und queere Comics – die Blogschau

  9. Liebe Lisa,

    Du hast falsch gelesen. Ich schere nicht alle Hebammen über einen Kamm. Wo kämen wir denn da hin? Ganz im Gegenteil, denn ich zeige doch ganz deutlich die Unterschiede auf. Aber man liest und versteht, was man eben lesen und verstehen will.

    Zu den Ärzten, die niemals eine PDA an sich machen haben lassen: Ganz richtig siehst du das. Allerdings äußern sich Ärzte da im Wesentlichen ganz anders, als es eben Hebammen mit veraltetem Wissen i.d.R. tun. Da spreche ich insgesamt eine ganz bestimmte Riege der Hebammen an und dabei bleibe ich auch: Diese Sorte von Hebammen handeln verantwortungslos. Somit ist es insgesamt wünschenswert, wenn hier ein Fortschritt geschieht und zwar bald!

  10. Klasse Text. Ich hatte einmal eine Geburt mit PDA, einmal ohne.

    Bei meiner zweiten Tochter wollte ich eigentlich unbedingt eine PDA, aber die Hebamme hat mich ausgetrickst… Sie ist einfach rausgegangen, als ich nach der PDA fragte, und kam dann zu spät zurück.
    Während der Geburt dachte ich die ganze Zeit: „Spinnt die, ich wollte doch eine PDA!“

    Klingt insgesamt ganz und gar unverantwortlich von der Hebamme, aber ich bin ihr bis heute dankbar. Ingesamt war es doch besser ohne PDA. Die Hebamme kannte mich und hat eine Entscheidung getroffen, die für mich letztlich richtig war.

    Persönlich würde ich wohl wieder ohne PDA gebären, wenn die Geburt nicht allzu lange dauert. Man ist einfach schneller wieder fit und dem Baby gehts auch besser.

    Trotzdem: Eine Geburt ist ein sehr individuelles und ein sehr körperliches Erlebnis…. Jede Frau muss für sich selbst entscheiden, wie sie gebären möchte!
    Auch wenn sie manchmal der Hebamme vertrauen sollte. Zumindest, wenn es so eine tolle und erfahrene ist, wie die bei der Geburt meiner zweiten Tochter.

    Danke für deinen tollen Artikel!

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