Gone to find a place to hide

Die Zeit als Mama-Teilzeitarbeitende-Freundin-Studentin-etc.-etc. ist knapp. Nicht so knapp, wie befürchtet, aber knapper als erhofft. Währenddessen wird das Kind größer und ich frage mich, wann während dieser knappen Zeit ich auf all die Dinge achten kann, auf die ich gerne achten würde. Erziehung wird vom Theoriekonstrukt zum Alltag – das lässt nicht viel Spielraum für die vielen Fragen über feministische Erziehung, die ich gerne beantworten würde (bzw. beantwortet haben würde). Vorleben und Vorbild sein – für mehr reicht es gerade nicht. Aber reicht das?

Ich erinnere mich an einen Kindermuseumsbesuch mit der achtjährigen Tochter einer Freundin. Bei der Fragerunde erlebte ich, wie zu Beginn ausschließlich Buben Fragen stellten. Zaghaft, nach Aufforderung der wirklich tollen Museumspädagogin, meldeten sich ein paar Mädchen. Ihre Handzeichen gingen unter in den aufgeregt hopsenden und zwischenrufenden Buben, die in ihrem Engagement und Eifer ja liebenswürdig sind. Aber diese Schieflage hat mir richtiggehend weh getan.

Dann erlebe ich eine Redaktionssitzung. Lautstärke und Zeit wird von Männern überbeansprucht. Viele Frauen schweigen gleich, tauschen sich flüsternd-kommentierend zu den Themen am Tableau aus. Die Versuche weiblicher, auch meiner eigenen, Zwischenrufe sind seltene Ausnahmen – ich bin das nicht mehr gewöhnt. Oder war es nie? Früher ist mir das nie in diesem Ausmaß aufgefallen. Ich komme mir unhöflich vor, den Dauerrednern (sic!) ins Wort zu fallen und muss mich beständig aufs Neue dazu motivieren. Was mir außerdem auffällt: die Männer in der Runde beglücken alle darüber hinaus mit persönlichen Anekdoten, die wenig mit der inhaltlichen Diskussion zu tun haben.

Über solche Beobachtungen würde ich gerne nachdenken. Mir fehlt die Zeit. Allerdings fühlt es sich an, als ob wir in unserem kleinen Familien-Freundes-Kreis da ohnehin recht wenig ausrichten können. Stattdessen ärgere ich mich über den biologistisch-idiotischen „Kleine Krieger“-Artikel von Leon de Winter im Focus über die „Entmännlichung unserer Gesellschaft“ und seine Assoziationskette von jungenhaften Jungen zu Sexfantasien und zu Gewalt und weiter zu Islam (ich verlinke nicht und rate jeder_m vom Lesen ab), die penetrant gestellt bekommene Vereinbarkeitsfrage und gegenderte Zahnbürsten.

Dillon | Thirteen Thirtyfive

3 thoughts on “Gone to find a place to hide

  1. Vorbild sein ist mehr als du denkst.
    Ich erinnere noch mit Grauen, wenn meine Tochter zu ihren neuen Schuhen zu hören bekam : oh wie hübsch. Und der KIta-Kollege mit dem selben Paar: WOW, darin wirst du bestimmt toll rennen können!
    Heute möchte mein Teenie nicht in einen typischen Frauenberuf, läuft in coolen uni-Sex-Schuhen herum, macht sich nicht für die Jungs klein.
    Nicht immer leicht zwischen den ganzen Barbies.
    Ich hatte eine Mum, die gar nicht wußte, wie feministisch sie war.
    Und doch war sie prägend für meine nicht an Männern orientiertem Lebensweg.
    Heute ist die alte Frau sehr stolz auf sich und ihre Töchter.
    Zweifellos Recht hast du: mit der Aufgabe konfrontiert, ein Kind ins Leben zu begleiten, schärft sich der Blick für die bereits bekannte Schieflage nochmals.

  2. Die beschriebenen Situationen, besonders die Redaktionssitzung, klingen grauenhaft, schauderhaft, dumm. (Im Prinzip beschreibst Du ja Verhaltensauffälligkeiten …). Vielleicht tröstet es Dich zu wissen, dass Du nicht die Einzige bist, die das sieht.

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