Erlesene Mutterschaft XII

„Frau Yukawa“, sagte Dr. Ballon schließlich und seine Stimme klang so warm, so vertrauensvoll, dass Makiko hätte lachen mögen. „Sie sind verwirrt. Schockiert. Das ist ganz normal!“, sagte er und lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Eine Schwangerschaft ist letztlich immer eine kleine Revolution. Besonders –“, er lächelte vielsagend, „wenn sie einen überrascht. Zudem bedeutet ein Kind für eine vielbeschäftigte Frau wie Sie sicherlich eine Umstellung, Kinder verlangen eine neue Organisation –“ Makiko ballte ihre Hände zu Fäusten: Dieser Fremde erklärte ihr, was die Schwangerschaft von ihr forderte? Er sprach von ihrem Kind, als wäre es bereits da? Makiko erkannte, dass der Moment gekommen war, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, sie richtete sich auf, brach die Starrheit ihrer Glieder, was mehr Kraft kostete als erwartet.

„Und wenn ich –“, sie stockte, sah, wie Dr. Ballon die Augenbrauen hob. „Wenn ich mich –“, wieder hielt sie inne. Etwas in ihr zögerte vor dem Wort „Entscheidung“ und doch musste sie wissen, wie viel Zeit ihr blieb, sie brauchte so viel Zeit wie möglich.

„Bis wann müsste es passieren, wenn ich es –“ Dr. Ballon verstand anscheinend noch immer nicht. Da legte Makiko zur Erklärung die Hand auf ihren Bauch: „Wenn ich es nicht behalten will.“

Jetzt verstand Dr. Ballon und sein Gesicht verdunkelte sich.

 

Hannah Dübgen – Strom

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