It’s a tummy!

Großbritannien hat ein Baby bekommen. Dass es nicht die ganze Monarchie war, sondern die Duchesse of Cambridge zeigte diese bei dem ersten öffentlichen Auftritt nach der Geburt. Was viele irritierte, andere entzückte: Kate Middletons Bauch. Dieser war in dem blauen Kleidchen nämlich schön sichtbar gewölbt. Lifestyle-Magazine und Boulevard versuchten sich in Begeisterung zu übertreffen: Die Herzogin steht zu ihrem „Mummy Tummy“!

Überraschung! Wenn das Baby den Körper der Mutter verlassen hat, wird dieser Körper nicht in Sekundenschnelle 40 Wochen zurückgebeamt.

Die Doppelmoral mancher Magazine dabei, die sonst mit Vorher-Nachher-Fotostrecken glänzen, füllt ein eigenes Kapitel. Tragen doch sie zu dem verzerrten Bild nicht unwesentlich bei, das sich in den Köpfen der Menschen zu Babybäuchen und Postpartum-Körper festgesetzt hat. Dabei meine ich nicht nur, die Tatsache, dass eine Schwangerschaft Körper verändert, sondern auch das Getue um die Notwendigkeit mit Disziplin wieder zurück zur „alten Figur“ zu finden. Wenn Middletons Mut bewundert wird, unterstreicht das doch nur die Außergewöhnlichkeit ihres Tuns: Zeigt sie sich mit einem Bauch, dessen sie sich eigentlich schämen sollte? Nebenbei bemerkt: Auf anderen Müttern mag nicht der gesammelte Blick der westlichen Weltöffentlichkeit liegen, dafür haben diese auch keine persönlichen Stylingberater_innen zur Verfügung, um die Spuren einer Schwangerschaft und Geburt zu verwischen. Warum müssen Frauen eigentlich andauernd irgendetwas kaschieren?

Bildschirmfoto 2013-07-24 um 12.22.22

(Bild via thebodypolicingproject.com)

Was bleibt: Frauenkörper werden beurteilt. Bäuche werden beurteilt. Und auch, wenn diese Urteil positiv ausfällt, es wird gefällt*. Genauso wie andauernd über Frauenbäuche aller Art geurteilt wird, die sichtbar sind und sich wölben. Ich nehme mich dabei nicht aus, denn ich schaue auf eure Bäuche.

Was das Bäuchlein der britischen Herzogin angeht: Sie hat tatsächlich Mut bewiesen. Denn auch, wenn sie sich diesen mehr als sonst wer leisten kann, und egal, ob dieser von der Klatschpresse nun bewundert und hochgejubelt wird oder nicht: Ihr Auftritt hat vielen Menschen die Realität gezeigt – zumindest eine Körperrealität, wenn man so will, und damit schiefe Bilder zurecht gerückt. Wie schief diese sind, zeigten abstoßende Kommentare auf Twitter: Denn während die einen jubelten und die anderen tatsächlich unwissend ob der mütterlichen Physiognomie waren, äußerten sich unzählige bekrittelnd und gemein oder schlicht misogyn über den verbliebenen Bauch.

In diesem Sinne: Fuck yeah, it’s a tummy!

 

* Weil dieser Aspekt aus der Body-Policing-Debatte oft rausfällt (Stichwort: fat shaming), hier ein Lesetipp: wanted: fat positive debatten (riotmango): „dicke_fette menschen sind das schlechte beispiel, an dem mensch sich auf keinen fall orientieren darf. deswegen erleben auch so viele schlanke menschen body shaming: sie sollen ja davor bewahrt werden, fett zu werden.“

7 thoughts on “It’s a tummy!

  1. Danke! Wollt grad selber was dazu schreiben. Mein Kleiner ist grad 6 Wochen alt, und ich war so stolz während der Schwangerhschaft auf meinen riesigen Bauch, jetzt ist er schon ganz schön geschrumpft, aber in der Ausgangsversion ist er noch lange nicht. Und das ist irgendwie gut so.
    Ich denk mir: Dieser tolle Körper war 9 Monate lang die Behausung für dieses wunderbare Wesen. Dafür sollte ich ihm danken, und ihn ehren – und ihn stolz zeigen mit all den Spuren, die diese Zeit hinterlassen hat.

  2. Was vom Tage übrig blieb… | gut, ich werd dann mal … feministin

  3. (Post-)Schwangere Körper in den Medien | aufZehenspitzen

  4. Medialer postpartum Fleischmarkt | aufZehenspitzen

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