Und plötzlich finden alle Sexismus scheiße …

Germany’s Next Topmodel. Wieder einmal. Vermischt mit ein bisschen Femen. Woohoo!

Und schon schreiben kluge Menschen plötzlich ganz und gar unkluge Kommentare, die sie dann auf Twitter schön weiterverbreiten (lassen). Sie fühlen sich vermutlich ob ihrer Kritik an GNTM auch noch geschützt vom Deckmantel Feminismus, weil es ja ein Anschreiben gegen Sexismus sein soll. Sein soll!

Und vor lauter Schenkelklopfer-Witze über die „helle Heidi“ & Co merken sie nicht, dass sie Sexismus der übelsten Sorte produzieren: über 16-jährige Mädchen lachen, weil sie schön sein wollen oder sonst was (Mitschneiden am Schönheitsmarkt? Anyone?). Über die Moderatorin ätzen, weil ihre Stimme nicht Nachrichtensendung-seriös ist. Über die Intelligenz von Castingshow-Teilnehmer_innen herziehen.

Echt! Echt?

Das Format finde ich furchtbar. Ja. Aber sich deswegen an den Protagonistinnen abarbeiten? Immer und immer wieder. Zugegeben, manche tun das durchaus mit Witz.  Besonders perfide: das Bashing im großen Stil gegen die „naiven Jugendlichen“. Oder wahlweise auch deren Bemitleiden als „arme Opfer“. Und es entspricht auch vielfach meiner ersten ad-hoc-Reaktion. Aber! Einmal ein bisschen länger nachdenken wäre an dieser Stelle angebracht.

Oder sich der Frage stellen, wie Wirklichkeiten entstehen. Oder warum. Oder wer sie kreiert. Und weshalb. (Die Model-Kandidatinnen sind übrigens mit dem Reality-Show-Format groß geworden. Sie haben es möglicherweise schon in der Volksschule konsumiert. Es ist also darüber hinaus ziemlich daneben, der Wirklichkeit junger Mädchen einfach keine Bedeutung beizumessen.)

Mir fehlen Zeit und Worte. Im Gegensatz zu Denkwerkstatt, aus deren Text ich an der Stelle kurz zitieren möchte: „Aber wie war das? Unsere (Konsum-)Wünsche entstehen dann doch nicht aus dem Nichts oder einem ’natürlichen‘ Trieb. Vielmehr wachsen wir auf in einer kommerziellen Medienkultur, die uns auf allen Kanälen Zugang zum Heidi-Klum-Universum verschafft. Nur absolute Medien-Verweiger_innen werden (in Österreich und Deutschland) diesen Namen noch nie gehört haben und ‚Cover-Shooting‘ und ‚Concealer‘ sind wohl fester Bestandteil des Wortschatzes einer durchschnittlichen 12-Jährigen. Fernsehsender wie ProSieben betreiben ein Mainstreaming solcher Inhalte, wir fragen uns nicht mehr, warum auf der Titelseite der ‚Cosmopolitan‘ eigentlich immer eine junge Frau im engen Kleid zu sehen ist, sondern höchstens noch, ob denn nicht auch mal weniger ‚perfekte‘ Models gezeigt werden könnte.“

Also, ihr findet diese Werte alle scheiße, liebe GNTM-Kritiker_innen? Schön. Aber vielleicht findet ihr sie dann auch im Alltag scheiße – und tut das ähnlich angeekelt kund. Und wenn dieser Ekel dann auch noch die Sexismus-Produzent_innen trifft. Bingo!

3 thoughts on “Und plötzlich finden alle Sexismus scheiße …

  1. Sexistische GNTM-Kritik, Rebel Girl & Feminist Sailor Moon « Reality Rags

  2. Mädchenmannschaft » Blog Archive » Von #occupygezi, Medien-Fails und der Apocalypse – Die Blogschau

  3. Proteste im der Tuerkei - Seite 15

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