Think again

Gesammelte Zitate unabhängig von der, aber nichtsdestotrotz passend zur unsäglichen Rassismus-in-Kinderbüchern-Debatte.

„Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ (Viktor Klemperer in Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland)

„(…) but it also makes Brooke feel strange in her stomach. It is like the feeling when she reads a book like the one about the man in the park with the bomb, or thinks a sentence, just any old sentence like: the girl ran across the park, and unless you add the describing word then the man or the girl are definitely not black, they are white, though no one has mentioned white (…). Though if it were a sentence about Brooke herself it would have to add the equivalent describing word and that’s how you’d know. The black girl ran across the park.“ (Brooke, ein neunjähriges Mädchen, ist ein Hauptcharakter in Ali Smith‚ „There but for the“)

„Racism? Strong words, yes, but let’s look the issue straight in its partially unseeing eye. In a colorblind society, White people, who are unlikely to experience disadvantages due to race, can effectively ignore racism in American life, justify the current social order, and feel more comfortable with their relatively privileged standing in society (Fryberg, 2010). Most minorities, however, who regularly encounter difficulties due to race, experience colorblind ideologies quite differently. Colorblindness creates a society that denies their negative racial experiences, rejects their cultural heritage, and invalidates their unique perspectives.“ (Monica Williams in Colorblind ideology is a form of racism)

„It’s impossible to talk about Django Unchained without talking about the N-word, used so ubiquitously in the movie. Tarantino seemingly believes the N-word to be a new conjunction. I hate the N-word, and avoid using it at all costs because the N-word has always been a pejorative, designed to remind black people of their place; a word to reinforce a perception of inferiority. There is no reclamation to be had.“ (Roxane Gay in Surviving Django)

„›Rassen‹ sind zwar keine biologische Realität, das Rassenkonzept hat aber soziale, ökonomische, politische, psychologische Fakten geschaffen, hat nachhaltig und bis in die Gegenwart unsere Wahrnehmung der Welt strukturiert. Auch wenn die Unhaltbarkeit des Konstrukts menschlicher ›Rassen‹ wissenschaftlich inzwischen unumstritten ist, ist es im Alltag, auch im akademischen, nach wie vor ein zentrales, wenn auch nicht immer explizit benanntes Kriterium. Rassische Zuweisungen wirken sich täglich auf unzähligen Ebenen aus, beeinflussen banale zwischenmenschliche Interaktionen (und durchaus nicht nur, wenn Nicht-Weiße beteiligt sind), konstruieren unsichtbare, aber unüberwindliche Grenzen, zeigen sich in als selbstverständlich begriffenen, nicht einmal als solchen wahrgenommen Privilegien. Es liegt auf der Hand, dass ein derartig komplexes System nicht durch einen bloßen Willensakt unwirksam gemacht werden kann, selbst wenn ein entsprechender Wille vorausgesetzt wird, was durchaus keine Selbstverständlichkeit wäre. Eine als anti-rassistisch begriffene ›Farbenblindheit‹, die die Negierung von, oft als natürlich wahrgenommenen, Unterschieden als ausreichende Lösung begreift, ist so tatsächlich kontraproduktiv. Sie macht es doch zum einen unmöglich, den Prozess der Erziehung zur Wahrnehmung und Bewertung dieser Unterschiede zu analysieren und lässt zum anderen keinen Raum zur Benennung der Ursachen und Konsequenzen von Rassifizierungsprozessen, die sich nicht auf diese ›Unterschiede‹ zurückführen lassen. Konsequenzen zudem, die wirkungsmächtig bleiben, auch wenn sich die äußeren Formen der Implementierung der Rassenhierarchie ändern. Dass diese ›Farbenblindheit‹ schließlich gewöhnlich nur gegenüber Nicht-Weißen ins Feld geführt wird, macht vollständig ihre Einbindung in den Prozess der Normalisierung von Weißsein deutlich; einen Normalisierungsprozess, der immer nur die ›Anderen‹ als rassifiziert wahrnimmt und Rassismus so letztlich als an die Existenz dieser ›Anderen‹ gebunden betrachtet. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Rassismus nur dann und dort existiert, wo als Nicht-Weiß Definierte präsent sind, ist es vielmehr die Präsenz sich als weiß definierender Bevölkerungen, die Rassismus produziert.“ (Fatima El-Tayeb im Vorwort zu „Mythen, Masken und Subjekte“; Unrast Verlag)

„Words help her change the world“ (Ane Brun)

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