In Deckung, hier kommt Super(Aufsichtsratsquoten)Woman!

Die EU-Kommission hat die Aufsichtsratsquote beschlossen und will das jeweils „unterrepräsentierte Geschlecht“ in börsennotierten Unternehmen ab 2020 zu 40 Prozent vertreten sehen. Der Widerstand war zu erwarten. Er ist nicht immer falsch. Zum Beispiel die Kritik an dem Beschluss, dass sich am Machtgefüge nichts ändern wird, halte ich für berechtigt. Aber bitte, liebe männliche Kommentatoren: Es ist sehr rührig, wie viel Mitleid ihr mit künftigen „Quotenfrauen“ habt, die dann vermutlich schlimm unter ihrer Bevorzugung leiden müssen. Seht es als Akt der Großmütigkeit gegenüber all den Männern, die sonst ob ihrer Positivdiskriminierung dafür herhalten hätten müssen …

Die Aufregung ist zudem eine übertriebene. Immerhin geht es „nur“ um die 5.000 börsennotierte Firmen innerhalb der EU. Es ist ein symbolisch sehr wichtiger Schritt, ja, die Diskussion darüber lenkt aber leider von viel wichtigeren Debatten ab. Barbara Vorsamer schreibt in ihrem Kommentar in der Süddeutschenzeitung (Frauen bekommen ein Baby, Männer ein Eckbüro) Wahres: „Wichtiger als eine Quote in Aufsichtsräten und sogar wichtiger als eine in Vorständen sind daher: Karrieren, die sich mit Familie und Kindern vereinbaren lassen. Flexible Arbeitszeiten, bei denen nicht nur der Arbeitnehmer flexibel ist, sondern auch der Arbeitgeber. Eine Firmenkultur, bei der Dauerpräsenz kein Qualitätskriterium ist. Ausreichende, bezahlbare Krippenplätze, Ganztagskindergärten und -schulen. Nicht zuletzt auch Männer, die sich an Haushalt und Erziehung beteiligen – und Frauen, die das von ihren Partnern einfordern.“

Aus feministischer Sicht, besonders dann wenn sich dazu eine kapitalismuskritische gesellt, will ich im Ringen um Geschlechtergleichberechtigung im Job nicht gleichzeitig für eine 60-Stunden-Arbeitswoche kämpfen. Denn darauf läuft es schlussendlich oftmals hinaus. Auch wer keine Kinder hat, möchte seine Freizeit möglicherweise nicht nur im Büro verbringen. Über das Fatale an der Verschmelzung zwischen der Identität mit einer eingenommen Rolle (=dem Moment, an dem Dinge nicht mehr anders gedacht werden können), habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Diese Gedanken gelten natürlich genauso, wenn die eine Rolle nun nicht „Mutter“ sondern „Angestellte_r“ ist. Es kann auch darüber nachgedacht werden, wie gut es für ein Unternehmen ist, wenn der_die Chef_in nur diese eine Rolle lebt und warum der_die Chef_in seinen Job nur dann machen kann, wenn er_sie dies weit über das 40-Stunden-Wochen-Ausmaß hinaus tut.

Darüberhinaus schließe ich mich aber Tina Groll auf zeitonline.de (Kosmetische Operation an den Herrschaftsverhältnissen) an: „Die Quote zeigt allerdings, dass Frauenbündnisse mächtig sein können – über Parteien und Ländergrenzen hinweg. Überall in Europa haben sich Politikerinnen, Unternehmerinnen und Lobbyistinnen vernetzt und systematisch Druck aufgebaut. Immerhin.“

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