Ledig, ein Kind – die Zweite

aufZehenspitzen ist aus Gründen nicht auf Facebook vertreten. Umso mehr freue ich mich aber, wenn ein Beitrag über dieses Netzwerk verbreitet wird, ich über Umwege davon erfahre und dadurch vielleicht auch neue Leser_innen hierher finden.

Aufgrund meiner eigenen Facebook-Abwesenheit komme ich manchmal in die Verlegenheit, reagieren zu wollen, das aber nicht zu können. Mein letzter Eintrag Ledig, ein Kind wurde an mancher Stelle in eine Richtung kommentiert, die mich jedoch eher sprachlos macht.

Paraphrasierte Zusammenfassungen wahllos aus Facebook-Kommentaren verschiedener Seiten zusammengetragen: Arbeitgeber_innen müssten doch auch planen. Arbeitgeber_innen würden die Frage nach dem Kinderwunsch deshalb auch ungern stellen, aber das müsse doch organisiert werden; Zudem seien Frauen selber schuld an dem Dilemma – diese Frauen nämlich, die es wagen kurz nach der Einstellung schwanger zu werden – oder noch schlimmer: bereits bei der Einstellung schwanger zu sein; Frauen, die Kinder haben, seien eben nicht so flexibel wie Frauen ohne Kinder, das könne man nicht wegreden.

Da Sprachlosigkeit Diskurse noch nie weitergetragen hat, lasse ich andere reden. Zum einen borg‘ ich mir Worte der geschätzten Fuckermothers aus: „Dass bei Bewerbungen keine Informationen zu möglichen Schwangerschaften gegeben werden müssen, ist Ergebnis langer politischer und juristischer Kämpfe. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2003 ist die Frage nach einer Schwangerschaft in Bewerbungsgesprächen unzulässig (Az. 2 AZR 621/01). Wird sie trotzdem gestellt, dürfen Bewerber_innen dabei sogar per Gesetz die Unwahrheit sagen. Und das aus gutem Grund: Weil niemanden wegen seines Geschlechts diskriminiert werden sollte. Grundlage des Urteils bildete das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), genauer gesagt § 7 aus Absatz 1 des Gesetzes, nach dem keine Benachteiligung auf Grund von Kategorien wie Geschlecht, Religion oder sexueller Identität erfolgen darf. Soviel zum Recht. Alltag und persönliche Gespräche scheinen anderen Logiken zu folgen.“ [Anm.: Auch in Österreich ist die Frage nach einer Schwangerschaft unzulässig. Weitere Infos zum Gleichbehandlungsgesetz in Österreich: www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at]

Und zum anderen möchte ich auf den Artikel Frauen auf dem Spielplatz von Uta Wübbe (Emma) verweisen, der Beispielfälle von der gescheiterten Rückkehr in den Job nach der Elternzeit zum Nachlesen anbietet. Auch wenn mir das Ende nicht hundertprozentig zusagt, weil mit einem Aufruf à la „Frauen, fangt bei euch zuhause an“ doch nur dieser fahle Beigeschmack bleibt, wenn ein Thema, das kollektiv und gesamtgesellschaftlich bearbeitet gehört, in die Schublade „individuelles Problem“ gesteckt wird …

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s