Ledig, ein Kind

Wo und wie soll man Kinder im Lebenslauf erwähnen? Oder sicherheitshalber lieber aussparen? Andererseits die unzulässige Frage nach der Familienplanung kommt vermutlich ohnehin. Aber besteht die Gefahr, bei der Angabe von Kindern gleich von vornherein aussortiert zu werden? Oder hat man möglicherweise als 30-Jährige bessere Karten, wenn man schon ein Kind hat? Von wegen: Kinderplanung abgeschlossen. Das vielerorts empfohlene Weglassen wirkt für mich ein bisschen wie lügen (ich weiß, falsche Loyalität) – auch nicht sonderlich vertrauenserweckend. Zudem: Sind Lebenslauflücken nicht ebenso wenig förderlich?

Meinen „Familienstand“ habe ich ohne Überlegungen bislang immer einfach weggelassen. Also, alles Private insgesamt konsequent weglassen? Vermutlich das Beste. Allerdings: Mein mögliches Einstiegsdatum in einen neuen Job deckt sich mit dem Ende meiner Elternkarenzzeit, was möglicherweise erklärungsbedürftig ist … (Vielleicht nicht gerade der ideale Zeitpunkt zum Jobwechseln?)

Ach …!

Weil es irgendwie passt: Ich erinnere mich an ein Vorstellungsgespräch, bei dem ich mehr oder weniger beratend dabei war. Geführt wurde es von zwei Männern. Die haben dann die (von mir empfohlene) Bewerberin, Mutter eines Schulkindes, gefragt, wie es mit dem Wunsch nach einem zweiten Kind ausschaut. Mein Einwand, dass es darum jetzt ja wohl nicht gehe, erwies sich als fruchtlos. Die beiden Männer (einer: Vater von zwei Kindern, damals 6 und 8, und der andere: in Partnerschaft mit der Mutter einer damals Dreijährigen lebend) blieben hartnäckig. Die Bewerberin blieb ungerührt und meinte nur lapidar: „Wenn Sie schon fragen: Ich hatte vor einem Jahr eine Totgeburt und damit ist das Thema für mich erledigt.“ Allgemeines, betroffenes Schweigen folgte. Erst da wurde meinen beiden Vorgesetzten offenbar die Intimität und Deplaciertheit ihrer Frage bewusst – das Wissen um die Unzulässigkeit dieser reichte nicht aus. (Die Bewerberin hat den Job übrigens bekommen.)

Wollen Sie (noch) Kinder? Ist (vorgegebene) Über-Ehrlichkeit vielleicht eine andere Strategie mit solchen Fragen nach dem Kinderwunsch umzugehen? Nach dem Motto: Wer intim fragt, bekommt eine intime Antwort? Auf Augenhöhe zurückbellen? Oder lieber doch ein verschämtes „Nein“?

Und 1: Hat sich ein Mann diese Fragen jemals stellen müssen?

Und 2: Mir wird übrigens schlecht, wenn ich in Zusammenhang mit Frauen, die Mütter sind und einen Job haben, andauernd Bilder von gestresst dreinschauenden Frauen mit einem zwischen Ohr und Schulter eingeklemmten Telefon, einer Aktentasche in der Hand und ein Baby (vorzugsweise traurig schauend oder weinend) auf der Hüfte sitzend sehen muss. Manche von ihnen staubsaugen noch mit dem Fuß oder rühren in einem Kochtopf um.

Und 3: ein Nachtrag meinerseits dazu

(Bild via worldcompass.org)

7 thoughts on “Ledig, ein Kind

  1. Genau darüber mache ich mir – momentan Bewerbungen schreibend – auch gerade Gedanken. Und ich dachte eigentlich, warum nicht das Kind angeben? Und wenn ihr mich deswegen aussortiert, fuck you, Pech gehabt. Nachdem was Du jetzt schreibst, überlege ich, würde ich es angeben, wenn ich der Vater wäre? Die Antwort ist wahrscheinlich nein. Warum ist das so? Weil eine Mama-Beschäftigung zeitaufwändiger und bedeutender für das wirkliche Berufsleben ist als eine Papa-Beschäftigung? Wenn dem so sein sollte, dann miste. Hätte ich das mal vorher gewusst. Dann hätte ich mich bei gleicher Bezahlung (in Form von Liebe und Glücksgefühl) und Stellung (gleiche Einflussnahme, gleiches Mitspracherecht) eher auf die Papa-Stelle beworben! Geht nicht? Klar geht das. Penis ist schon bestellt, gesellschaftliche Bevorzugung, hat man mir bestätigt, kommt dann ganz automatisch.

  2. Ich hatte das Gefühl, bzw. nie in Frage gestellt, zu meinem Kind zu stehen. Ein Verschweigen hätte ich als entwürdigend empfunden. Zwei gute Jobs habe ich trotz meiner Ehrlichkeit bekommen. Mit dem zweiten würde ich aber vielleicht nochmal drüber nachdenken, sollte ich in die Verlegenheit kommen.

    Ein bisschen liegt das auch am potentiellen Arbeitgeber. In einer großen Firma würde ich mich grundsätzlich weniger persönlich bewerben.
    Viel Glück!

  3. Das liest sich für mich alles sehr wahr und gerade darum verstehe ich den Schluß nicht: an dem Bild ist meiner Meinung nach nichts falsch. Denn wo die Aufgaben sich addieren, die Womanpower aber gleich bleibt (Zeit mal Personenanzahl), ist die Rechnung immer: Aufteilen. Und so teilen sich berufstätige Mütter eben auf, und müssen dabei zwangsläufig vieles versuchen gleichzeitig zu stemmen. Ah, jetzt dämmert’s mir: Du WILLST das nicht mehr sehen! Ich auch nicht. Und auch wenn man mittlerweile auch solche Papis sehen kann, tröstet das nicht. Das Bild ist erst veraltet, wenn beide Eltern selbstverständlich Teilzeit arbeiten können bei Vollzeit-Kinderbetreuung. Ich träume.

  4. Darf ich vorstellen: Die Supermom Actionfigur | NetWorkingMom.de

  5. Hm. Ich habe auch schon gefühlte Ewigkeiten gebrütet, ob Kinder erwähnen oder nicht. Phasenweise hab ich es so, dann wieder anders gehalten. Mittlerweile führe ich den Kinderkram auf und sage auch von Anfang an, was Sache ist. Einfach weil ich es mir in meiner Situation (alleinerziehend, eines meiner Kinder hat keinen Vater mehr) nicht leisten mich auf ein Arbeitsverhältnis einzulassen dem ich nicht gerecht werden kann weil ich ob es mir nun passt oder nicht die Aufgaben von zwei Elternteilen übernehmen muss. Damit fallen natürlich 90% der Jobs flach, aber das ist ein ganz anderes Thema.
    Ich habe lange Zeit, insbesondere in den vergangenen drei, vier Jahren die Kinder so gut wie möglich wegorganisiert und voll gearbeitet, teilweise mit erheblichem Weg (180 km/Tag) und ich muss nach dieser Erfahrung sagen: Danke, nein. Dafür sind mir meine Kinder und ich auch zu schade.

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