Keine Sorge, mir geht’s gut

Ich bin hier. Ihr seid dort. Ich bin abgetaucht, untergetaucht, aber ich sehe euch. Verschwommen. Gebrochen. Seht ihr mich?

(Bild via ignant.de (c) Alyssa Monks)

Eine Nem-Rolle, zwei Glücksrollen, einmal karamellisierte Spießchen, Hanoi-Bier für alle, viel Reis, Schoko-Erdnuss-Bällchen. Die Bestellungen fliegen über den Tisch. Ebenso die Wort- und Satzfetzen. Es ist viel passiert in diesen zwei Wochen. Alte Liebe weg. Neue Liebe da. Jobherausforderungen. Theaterabende. Uniabschluss. Unwetterurlaub. Bei mir? Alles wie immer, sage ich. Und irgendwas von Uni und Musik.

Und wieso sage ich nicht, dass auch bei mir viel passiert ist? K. kann eine Dose öffnen und wieder richtig verschließen. Sie hat sich in die Stoffeule verliebt und wünscht dem Mädchen im Buch eine gute Nacht, indem sie winkt. Sie legt immer weitere Strecken aufrecht zurück und fordert beharrlich Musikwünsche oder Geschaukeltwerden ein. Sie macht „mmm“, wenn sie eine Kuh sieht, und wenn sie den Schlüssel in der Türe hört, krabbelt sie in Richtung Vorraum, um ihren „Papapapapapa“ zu begrüßen. Sie hilft beim An- und Ausziehen mit und verwüstet nach wie vor hin und wieder in einer Wickelaversion das Badezimmer.

Das ist alles und nichts. Manchmal fällt es mir schwer, mein Alles mit anderen zu teilen, aus Sorge, dass es als Nichts ankommt.

Und wieso bin ich eigentlich so empfindlich?

3 thoughts on “Keine Sorge, mir geht’s gut

  1. Ich kann das, was du schreibst, gut nachvollziehen bzw. dein Text rührt etwas an aus Zeiten, als Kind1 klein war. Keine Ahnung, ob es bei dir ähnliche Gründe hat, bei mir kam es daher, dass ich im Freundinnen-und-Bekanntenkreis als erste mit Kind auf keinen Fall als „die redet nur noch über das Kind“-Mama wahrgenommen werden wollte. Ich hatte richtig Angst vor der Reduktion aufs Mama-sein, war „empfindlich“, dachte, „es interessiert ja eh keine/n“ und war gleichzeitig nicht zufrieden, weil ich versuchte einen großen Teil meines Lebens auszuklammern, um einem Bild gerecht zu werden.
    Das ist inzwischen einfacher. Weil fast alle Kind(er) haben und es gemeinsame Erfahrungen gibt. Oder weil ich es als Teil von mir mehr akzeptiert habe und manchmal etwas gelassener (selbstbewuster?) bin den „anderen“ gegenüber. Sollen die doch denken … oder denke ich nur, dass die das denken …? Vielleicht habe ich auch mehr Vertrauen: Die meisten kennen mich nun schon seit Jahren als Mama. Und sie wissen, das es noch viele andere „Teile“ von mir gibt.

    (Außerdem könnte man bei den anderen Themen, die du nennst: Theaterabend, alte, neue Liebe etc. jetzt auch denken: nix weltbewegendes. Aber schön, es erzählt zu bekommen, ist es trotzdem. Es sind halt alles Geschichten.)

  2. Ich freu mich immer über all Deine behutsamen, klugen, starken, interessanten, lebendigen Worte und Gedanken, so auch diese hier.
    Über das scheinbar Kleine staunen zu können, dafür „gspürig“ zu sein, (auf Zehen- und Fingerspitzen): wie gut wenns gelingt, macht es doch zu einem großen Anteil das Lebensgefühl aus, so empfinde ich es zumindest. Vielleicht kann frau/man das besonders gut lernen mit/von einem kleinen Menschen. Wie leicht das sonst untergeht, unter all dem was sich da so groß und wichtig macht im Leben. (schreibt eine, die es mittlerweile so sehr zu schätzen gelernt hat, bei/mit Freundinnen/der Schwester das Heranwachsen dieser neuen kleinen Menschen miterleben und ein Stückchen teilen zu dürfen)

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