Von Vätern, die mit sind

Männer. Zwei davon waren heute Morgen noch hier im Haus. Sie sind aufgebrochen, um eine neue Stadt zu atmen. Seither: Frauen. Frauen. Frauen. Frauen. Oder besser gesagt: Mütter. Erst beim Kinderarzt. Ein ganzes Wartezimmer voller Mütter. Die Arzthelferinnen. Frauen. Beim Empfang. Zwei Frauen. Nun, der Arzt war ein Mann. Immerhin. Beim Rausgehen sehe ich zwei Väter. Der eine ist es maximal seit einer Woche. Er sitzt neben der Mutter eines Neugeborenen, das in einer Decke gewickelt auf ihrem Schoß schlummert. Der andere kauert riesenhaft mit seiner Frau und zwei Buben auf den bunten Kindersesseln.

Etwas später im Kleinkindermuseum. Bevor sich das schmale Tor öffnet, versammeln sich alle davor. Kinderwagen nach Kinderwagen schiebt sich heran. Dahinter. Mütter. Mütter. Mütter. Unbemerkt drängt sich ein Vater mit seinem Sohn unter die Wartenden. Eine Minute später kommt die dazugehörige Mutter. Sie hat ein Neugeborenes im Arm. Die Arztkonstellation wiederholt sich, als die Frau mit den älteren Zwillingsbuben gerade rechtzeitig männliche Unterstützung erhält.

Durch den Drogeriemarkt eile ich mit Scheuklappen. Die rosa umhüllten Verkäuferinnen und die beiden Frauen vorm Windelregal registriere ich ungewollt. „Und Sie“, fragt die Stimme aus dem (Einkaufsradio-)Off. „Welchen Star würden Sie gerne unter der Dusche einseifen, meine Herren?“

Ein Ausnahmetag. Vielleicht. Morgen werde ich Elternräume sicherheitshalber meiden. Ich werde im Museum zählen, wie viele Väter „nur“ mit sind, und mir überlegen, was ich so mache, während K. ihren nächsten Arzttermin hat.

4 thoughts on “Von Vätern, die mit sind

  1. genau die gleiche beobachtung habe ich heute beim kindergeburtstag auch gemacht.
    entweder nur mit mutter oder mit mutter und vater.
    mit vater allein gekommen war nur ein kind (von 15) – meins.😉
    dann kam ich und habe ihn abgelöst.

  2. Mein Freund war diese Woche zweimal alleine mit unserem Kleinen beim Kinderarzt und wurde ernsthaft gefragt, ob er alleinerziehend sei.
    Nee, ist klar, schliesslich ist es ja völlig undenkbar, daß der Papa sich bei der Arbeit abmeldet, um mit dem kranken Kind zum Arzt zu gehen.

  3. Die zweite Perspektive. Wie es auch ist. | aufZehenspitzen

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