Erlesene Mutterschaft I

„Sie nahm Zuflucht zu dem neugeborenen Sohn. Als sie ihn aus ihrem Leib gleiten spürte, war sie erleichtert gewesen, sich von etwas zu befreien, das nicht zu ihr gehört hatte. Sie war über sich selbst entsetzt gewesen, als sie feststellen mußte, daß sie nicht die geringste Zuneigung zu dieser Leibesfrucht verspürte, ein nacktes Stück Fleisch, mit Talg und Blut verschmiert und einer um den Hals geschlungenen Nabelschnur, das ihr die Hebamme zeigte. Doch in der Einsamkeit des Palais lernte sie ihn kennen, sie erkannten einander, und sie entdeckte mit inniger Freude, daß man Kinder nicht liebt, weil man sie geboren hat, sondern weil man mit ihnen Freundschaft schließt, wenn man sie aufzieht.“

Gabriel García Márquez – Die Liebe in den Zeiten der Cholera

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s