Ausweitung der Kampfzone

Ich bin wirklich müde. Im Wortsinn. Ich frage mich, wann ich wieder zu „normal“ zurückkehren kann und wann es genug ist, mit den Kämpfen? Am ominösen Tag der Teststreifenverfärbung fiel der Startschuss zu dem Rennen, bei dem mir niemand das Ziel verraten hat. Ernährung, Finanzen, Aussehen, Alltagsgestaltung, Mythen, Rollenbilder – die Welt der Elternkämpfe spielt alle Farben. Wie viele neue Kämpfe werden sich in den nächsten Monaten und Jahren noch dazugesellen? Ich bin zu müde, um darüber nachzudenken. Sie sind Begleiterscheinungen eines Alltags, in dem ich neuerdings eine neue Herausforderin bekommen habe. Eine, vor der ich gewarnt worden bin, mit der ich aber nicht gerechnet habe. Ihre Methoden sind hochgradig unfair. Die Spielregeln sind auf ihrer Seite. Die Mitglieder der Jury auch. Ihre Verteidigungswaffe: meine Liebe. Es sind das Kind und sein Wille, die mir derzeit viel abverlangen. Da hilft auch das Geburtswehen-gut-überstehen-helfende-Yoga-Mantra „Zeigen Sie Willenskraft und Disziplin“ nichts, das schon in seinem ursprünglichen Einsatzgebiet eher versagt hat. Ich versuche dieses dann durch die Worte der Spielgruppenleiterin zu ersetzen: „Zeige dem Baby, dass du die Liebe und die Zeit hast, dich nicht auf Machtkämpfe einzulassen.“ Liebe und Zeit. Liebe und Zeit. Liebe und Zeit.

Is it enough with my blessing or my kissing?

(The Knife | She’s having a baby)

Inmitten zu Boden fallender Parfumflacons, Handcremen und Zahnpastatuben, zersprungener Badfliesen, herumfliegender Feuchttücher und einem Kind, das windellos herumstrawanzt und lauthals triumphierend die Zahnbürste gegen den Badewannenrand schlägt, eine Herausforderung der neuen Ordnung. Ein bisschen hilft dann der Gedanken daran, dass ich ja will, dass K. Eigensinn hat. Dass sie eben K. ist. Dass sie Willen hat. Dass sie diesen zeigen kann. Dass sie sich auflehnen kann. Dass sie ihre immer größer werdende Selbstständigkeit nutzen mag. Ein bisschen …

Und ein bisschen Stillhalten beim Wickeln käme auch manchmal gut.

9 thoughts on “Ausweitung der Kampfzone

  1. Unfassbar viele Kämpfe, Herausforderungen und Geduldsproben werden da kommen, zumindest aus meiner bescheidenen Erfahrung heraus.
    Was die Sache aber super macht ist, dass du (wenn auch die Haltungsnote manchmal beschissen ausfallen wird^^) das alles gewuppt kriegen wirst und hinterher drauf zurück schaust und denkst: Wahnsinn, grad hab ich sie gewickelt und jetzt fährst sie schon alleine ins Ferienlager/diskutiert mit mir über Sinn und Unsinn von Zähneputzen/macht das erste mal alleine Pfannkuchen und all so Kram… Und irgendwie, auch wenn ich super gerne Baby- und Kleinkindmama war wird es doch immer hm…. toller.

  2. Ja, es wird einfacher, das finde ich auch – vorallem wenn sie einigermaßen mitteilen können, was sie eigentlich gerade wollen, und man mit ihnen reden kann (statt raten: was will das Kind jetzt bitte?). Und auch davor geht’s ja immer auf&ab. Aber inmitten so einer anstrengenden, nervenzerreissenden Phase kann ich das manchmal gar nicht sehen, glauben, hören.
    Ich habe gerade übrigens einen guten Tipp zum Wickeln bekommen: Im Stehen wickeln (wenn’s geht), weil viele Kinder das Hinliegen nicht mehr mögen, wo sie doch gerade Aufstehen, Laufen, ein bisschen mehr Autonomie entdeckt haben. Und: Mitmachen lassen beim Anziehen, auch im Stehen. „Ein Bein da rein, eins ins andere Hosenbein etc….“ Bei uns (Kind 1 1/2 Jahre) hat das echt geholfen (nicht immer, aber immer öfter!).
    Ansonsten: Viel Kraft, Liebe & Zeit!!🙂

    • ich bin ein großer fan dieser easy-up-höschen, gibts nur leider nicht in öko.
      aber ohne die wäre hier sicher schon ein unglück passiert.
      inzwischen klappt das windeln, anziehen usw auch recht gut – nur nicht, wenns schnell gehen muss, weil keine zeit – is klar, ne😉

      ansonsten finde ich nach wie vor schlaf entspannt die lage ungemein, ebenso wie resignation.
      die wohnung liegt in trümmern?
      ok, ich lese einfach weiter in meiner verdummungs-zeitschrift und guck nicht mehr hin. besitz engt eh ein und so…
      das kind frisiert sich die haare mit zahnpasta und ausgelutschten weintrauben?
      ok, gehts heut abend ab in die wanne, bis dahin isses auch so glücklich.

      aber klar, klappt nicht immer. i know.

  3. Ich stimme in das Mantras ein: Es wird leichter (und immer besser). Der magische Punkt war hier jedes Mal der 3. Geburtstag. Dann gesellen sich zum Dickschädel ein erstes Verständnis des Gegenüber und eine wachsende Kompromissbereitschaft. „Okay, Mama“, spricht sie hin und wieder – und ich möchte es in Stein meißeln. 3. Geburtstag😉
    „Windellos herumstrawanzen“ find ich übrigens eine sehr nette Formulierung!

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