Die Mutter, das private Wesen

Anstatt den heutigen babyfreien Nachmittag für mein persönliches Himmelfahrtskommando namens Dissertation sinnvoll zu nutzen, habe ich mich durch ein paar Brigitte MOM Mütterblogs geklickt. Mit zunehmendem Unbehagen. Ich bin von Natur aus kein besonders Peergroup-affiner Mensch und meide Selbstschubladisierungen aus Prinzip. Der alleinige Grund für dieses Unbehagen ist das aber nicht. Gut, zum einen wäre da meine persönliche Enttäuschung. Unnötig zu erwähnen, dass ich mir die ersparen hätte können. Wenn man ins Kino geht, um sich einen von Christopher Nolan inszenierten Batman-Film anzuschauen, darf man sich hinterher auch nicht über fehlende Comicästhetik beschweren. Ich möchte betonen: Meine Kritik trifft nicht die einzelnen Blogs. Es ist eher die Gesamtheit dieses „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“-Mütter-Universum, das sich da (von der Brigitte MOM Redaktion geschaffen) auf einmal vor mir auftat. Da geht es um das Chaos im Alltag, um Glücksmomente, um dramatische Gefühlsausbrüche, um Baby-Kinder-Konsumartikel, Stil(l)fragen und allerlei Anekdoten, die Einblicke in das Leben von (Neo-)Müttern blicken lässt. Eigentlich alles nette, unaufgeregte, private Blogs*.

Aber genau das ist es, was mir missfällt. Privat. Privat. Privat. Doch das Thema Mutterschaft ist doch nicht nur ein privates! Durch Mütterzeitschriften wie MOM (und daran angedockte, Homogenität schaffende Aktivitäten) wird regelrecht eine Blase um einen (!) Bereich der Mutterschaft gebildet. Einmal produziert, wird diese als Idee selbst produktiv. Denn sie hat insofern reale Folgen, als das es Wissen über eine gewisse Art Mutterschaft zu sehen generiert, organisiert und weiterverbreitet – sprich: am Leben hält.

Aber solange die Blase dicht hält, müssen sich die, die draußen stehen, auch nicht damit herumschlagen …

(Bild via ignant.de (c) Saraceno)

* die MOM-Blogliste wird laufend erweitert. Unnötig (?) zu erwähnen, dass künftig hinzukommende Blogs möglicherweise die hier vertretene Sichtweise auflösen – was allerdings wünschenswert wäre.

6 thoughts on “Die Mutter, das private Wesen

  1. „Es ist eher die Gesamtheit dieses “Humor ist, wenn man trotzdem lacht”-Mütter-Universum“ – das ist ein guter Punkt! Damit dekonstruieren sich nämlich die meisten Kritikpunkte schon in dem Moment, in dem sie erwähnt werden – um es mal so passiv zu formulieren. Damit wird aus dem Blog so eine Art Psychomülleimer ohne weitere Funktion. Sehr bequem!

  2. career opportunities | alsmenschverkleidet

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