Don’t touch me ‚cause I’m electric

Und dann krabbelst du her und legst dich in meinen Schoß. Du lächelst bereits, bevor ich über dein Köpfchen streiche. Im nächsten Moment ziehst du dich schon wieder am Regal hoch, lachst und schmeißt alles, was deine kleinen Hände zu fassen bekommen, auf den Boden. Ein vor Entzücken klirrender Aufschrei. Wieder zurück in meinen Schoß. Eine Streicheleinheit abholen.

Zehn Monate erst, aber schon hast du klare Bedürfnisse. Du entscheidest mittlerweile, wann du mich brauchst und wann nicht. Du zeigst, wer dich halten darf und wer nicht. Heftig strampeln deine Füße, energisch greifen deine Hände, wenn du von jemand anderem getragen werden willst. Du wendest den Kopf ab, wenn du nicht geküsst werden magst und du drückst dich von mir weg, wenn du auf den Boden willst.

Nähe und Distanz. Jeder ist anders. Jede_r hat das Recht anders zu sein. Jede_r sollte sich Gedanken über die Grenzen der/des anderen machen. Jede_r sollte seine Grenzen artikulieren. Und jede_r sollte wissen: Wenn wir gerade einmal so lange auf dieser Welt sind, wie wir gebraucht haben, dafür heranzuwachsen, wenn wir noch nicht gehen können, vielleicht noch zahnlos sind, wenn wir eine Sprache sprechen, die mehr am Klang als am Inhalt interessiert ist, wenn Berührung einen Großteil der Kommunikation ausmacht – schon dann wissen wir Menschen, wer uns berühren darf und wann und wer nicht und wann nicht.

So don’t touch me ‚cause I’m electric
And if you touch me you’ll get shocked!

(Beastie Boys | Professor Booty)

6 thoughts on “Don’t touch me ‚cause I’m electric

  1. sehr berührend dieser text…meine tochter ist jetzt auch fast 10 monate alt und das spricht mir sehr aus dem herzen und erinnert mich daran mehr darauf zu achten, wie sie wann berührt werden mag.

  2. So ein schöner, liebevoller Post! Ich wünschte manchmal, mehr Menschen würden kleine Kinder so respektieren- besonders diese lästigen Wangenkneifer! Nicht einmal alle Eltern verstehen, wie wichtig es für ihr Kind ist, auf diese Weise den eigenen Willen erstmal zu entdecken.
    LG Mia

  3. Distanzen kennen. Sie individuell entdecken und respektieren. Durch Respekt (ich fasse es unter ‚Höflichkeit‘ zusammen) gleichzeitig Distanz zu bewahren und dem anderen behutsam (aber noch innerhalb der Lebenszeit😉 ) näher kommen (können). Wirklich näher. Wie man jemandem ohne Distanz- und Respekt-Vermögen (vielleicht als Mischung aus erlernbarem Handwerk und Einfühlungsvermögen) gar nicht kommen kann.
    Ein schöner Text.

  4. Berührend,das und wieder direkt aus dem Herz ins Wort gepackt.Merci.

    Ich stelle immer fest,dass oft diejenigen Probleme haben,die Grenzen meines Kindes zu achten,denen auch die Achtsamkeit für die eigenen Grenzen zu fehlen scheint…manchmal verkleidet als furchtbar gut gemeint(das Gegenteil von gut)oder das schon das pure AufmerksamSein+Bleiben vielen too much Empathie und Geduld abzuverlangen scheint.Mein kleines Wusel hat übrigens auch vor ein paar Tagen sein 10monatiges gehabt:)…

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