Geboren in Abnormalia

„Ich bin schwanger.“ Dieser Satz eröffnet den Angriff der Vermessungsartillerie, deren perfide Angriffswaffen bislang nur durch feinsäuberliche Dekonstruktion enttarnt werden konnten. Mit „Ich bin schwanger“ beginnt eine neue Zeitrechnung. Ab jetzt wird im Maßstab Normalität gemessen. Selbst das, was nicht vermessen werden will. Jeglicher Körperveränderungs- und Befindlichkeitsbeschreibung wird nun das entzückende – vielerorts unterschätzte – Wörtchen „zu“ beigefügt: Der Bauch ist zu groß oder zu klein, das Essverhalten zu zurückhaltend oder zu übertrieben, die Bewegung zu viel oder zu wenig. Alles ist nur mehr „zu“. Verunsicherungsfaktor: in jedem Fall zu groß. Gut. 40 Wochen. Das geht vorbei. Am Ende dieses „Zu“-Zustands wird abgerüstet und die mühsam errichtete Abwehrmaschinerie eingepackt.

Zack!

Jetzt wir aus dem Hinterhalt geschossen. Giftpfeile von allen Seiten. Zu groß, zu klein, zu schwer, zu leicht, zu langsam, zu schnell, zu laut, zu leise, zu unsicher, zu übermütig, zu zu zu zu. Diese Zus verwunden an der schwächsten Stelle – jener die nun außerhalb des eigenen Körpers lebt. Schutz- und ahnungslos liegt das neue Opfer vor seinen Vermessern.

Ach, wie soll ich dich hier heraußen nur beschützen?

Bild via motleynews.net

2 thoughts on “Geboren in Abnormalia

  1. not yours | alsmenschverkleidet

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