Warum ich Angst vor dem Alter(n) habe

Das Alter beschäftigte mich ja bereits mehrmals auf diesem Blog – z.B. Alle werden plötzlich 30 oder Heute Nacht. Die meiste Zeit in meinem Leben bin ich zufrieden damit, so alt zu sein, wie ich gerade bin. Neuerdings gesellt sich zu diesem Eindruck aber auch Gänsehaut dazu – dann nämlich, wenn mir bewusst wird, um wie viel lieber ich jünger als älter wäre. Was auch kein Wunder ist. Immerhin weiß ich über die Vorzüge der Jugend und des jungen Erwachsenenalters ganz gut Bescheid. Über die Vorzüge 30, 40, 50 oder älter zu sein ist in unserer Gesellschaft leider recht wenig im Umlauf. Dafür wissen wir bekanntlich ziemlich viel über die Nachteile (– wobei sich die bei längerem Überlegen vor allem als körperbezogen herausstellen). Jedenfalls finde ich dieses Missverhältnis schade und für mich persönlich belastend. Die Zukunft an sich ist schon ohne zusätzlicher – ich nenne es jetzt einmal – „Altersverunsicherung“ beängstigend genug. Trotzdem. Ich bin eigentlich wirklich überzeugt, dass es Vorzüge geben muss. MUSS. Immerhin konnte ich bislang jedem Altersabschnitt viel Positives abgewinnen.

Solange das innere Gefühl von Jugend lebendig bleibt, kommt einem die objektive Wahrheit des Alters als eine scheinbare Wahrheit vor; man hat den Eindruck, eine fremde Maske entliehen zu haben. (…) Von Verkleidung, Kostüm und Spiel zu sprechen, bedeutet, dem Problem auszuweichen. Will man aus der ‚Identitätskrise‘ herauskommen, muß man sich offen zu einem neuen Bild seiner selbst bekennen.

(Simone de Beauvoir in: „Das Alter“)

Wenn ich de Beauvoirs Rat also befolgen wollte, sollte ich prüfen, ob ich bereits eine Maske aufgesetzt habe. Vermutlich ist es zynisch mit 30 vom Altern zu reden. Ist es das? Aber es ist schwierig in einer Welt der Äußerlichkeiten nicht zumindest traurig zu werden, wenn man erkennt: „Tja, lieber Körper, von nun an geht’s bergab.“ (Ich kann zu dieser „Analyse“ nur nicken)

Bild via fuckyeahcourt.tumblr.com

Zwei wundervolle Musikvideos um den Tanz mit dem Alter:

 

7 thoughts on “Warum ich Angst vor dem Alter(n) habe

  1. Meine Mutter hat mir mal verraten, die Etappe zwischen 30 und 40 wäre in ihrem Leben die produktivste und beste überhaupt gewesen. Na dann. Bei mir isses so…. mittel.
    Liebe Grüße: Mama007

  2. Ich werde in 24 Tagen 30 Jahre alt. Früher, so mit 18 Jahren, dachte ich, dass ich mich „anders“ fühlen würde als ich es jetzt tue, aber ich kann leider nicht genau beschreiben weswegen oder wie genau „anders“. Ich fühle mich… ja, wie fühle ich mich denn? Irgendwie nicht alt, aber auch nicht mehr sooo jung, irgendwie dazwischen. Aber das mag auch mit der Tatsache zusammenhängen, dass ich eine fast 1- jährige Tochter habe und sich das Leben somit irgendwie auch verändert. Aber ich weiß, dass ich noch lange nicht am Ende bin, sondern gerade mal wieder auf dem Weg neue Abenteuer anzunehmen!

  3. Sehr interessanter Beitrag, hat viel angestoßen bei mir. Ich erlebe es so, dass Jungsein gesellschaftlich ähnlich fetischisiert wird wie Dünnsein, und da frage ich mich häufig: Meine Gedanken dazu, sind das wirklich meine Gedanken, oder hat hier die Gesellschaft das Kommando in meinem Kopf übernommen? Zudem hat eine Freundin, sieben Jahre älter, mir immer erzählt, wie schlimm es sei, dreißig zu werden, alles! würde sich dann verändern, ich würde es schon noch erleben usw. Das ist mir sehr auf die Nerven gegangen, und ich hatte mir quasi geschworen, was auch immer an Sagenumwobenen passieren sollte pünktlich zu meinem 30. Geburtstag: Ich würde es nicht schlimm finden. Das hat dann auch ganz gut geklappt, wobei ich sagen muss, dass, was das Aussehen angeht, bis auf noch-mehr-graue-Haare (hat bei mir schon Mitte 20 angefangen) bisher nix weiter passiert ist. Meine Horrorvision vom Älterwerden war immer, irgendwann gedanklich stehen zu bleiben, es mir mit meinen Ansichten und Meinungen eingerichtet zu haben in der Welt; so haben damals viele Ältere auf mich gewirkt. Aber ich mache eher die Erfahrung, dass ich für bestimmte Themenbereiche überhaupt erst jetzt ein Bewusstsein entwickle. Was ich am Älterwerden allerdings beobachte: Türen fallen zu. Jetzt noch einmal eine ganz andere Ausbildung, ein neues Studium etc anzufangen, wäre wohl noch möglich, aber eben ein anderer Angang als vor 10 Jahren. Sich in den seichten Gewässern der Unverbindlichkeit herumzutreiben, wird immer schwieriger. Mulmig wird mir bei der Vorstellung, mich irgendwann im höheren Alter nicht mehr richtig bewegen und/oder nicht mehr richtig denken zu können. Aber bis dahin ist es hoffentlich noch eine Weile.

  4. ich stelle bei mir den merkwürdigen effekt fest, dass ich überhaupt nicht älter werde – zumindest fühlt es sich nicht so an. Ich wunder mich nur, dass (ehemals) gleichaltrige freund_innen mir heute viel älter als ich vorkommen. Und manchmal bin ich auch irritiert, wie jung die jungen leute heutzutage sind … Irgendwie verwirrt mich das gerade.

    Aber zum glück gibt es zu diesem Thema ja einen wundervoll perfekten song:

  5. Guten Morgen,

    ich bin zwar noch nicht 30, aber ich wundere mich immer wieder, wie das Alter dei Menschen verschreckt. Dabei ist Altern doch etwas ganz Natürliches und als das sollte man es gelassen hinnehmen. Das, was man nicht ändern kann, ist es nicht wert, sich darüber aufzuregen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt altert der Körper und baut nicht mehr auf, sondern ab. Dies bringt jedoch auch viel Gutes mit sich, nicht nur Schlechtes. Man verfügt über viel Lebensweisheit und kann das Gelernte anwenden. Wenn man alles immer wieder macht, dann fällt es einem auch nicht so schwer.

    Viele Grüße

    Monika

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