Dieses Sehnen nach etwas

Ich bin ein Fan von Listen. In allen Lebensbereichen. Für alle Lebensbereiche. Die letzten (fremden) Listen, die ich gelesen habe, waren die von Christina Maria Landerl, feministmum, glücklich scheitern und die tilde. „Ich frage mich …“ – also, die vier fragten sich – macht drei mal hundert und einmal fünfzig Fragen. Schön. Sehr.

Eigentlich wollte ich dem Drang, ebenfalls hundert Fragen zu stellen, widerstehen. Halb ist es mir gelungen: Den Fragen auszuweichen war leicht (zum einen bin ich ungern redundant – zu vieles, das ich mich frage, wurde bereits gefragt, und zum anderen umschiffe ich derzeit große wie kleine Fragen lieber). Aber eine Liste! Welche Verlockung! Und so finde ich mich jetzt und hier eine Ich-sehne-mich-nach-Liste schreibend wieder (Sehnen passt gerade besser zu meinem Leben als Fragen).

Bild via thebeautifulist.com (c) Ewa Adriana Szumowska

Ich sehne mich nach …

  1. einer Woche Ausschlafen.
  2. dieser Coolness.
  3. kindlichen Freiheiten.
  4. pubertärer Begeisterung.
  5. einem guten Buch.
  6. Zeit, dieses Buch zu lesen.
  7. der Ausdauer, einen See zu durchschwimmen.
  8. einem Nachmittag im Lesesaal.
  9. den funkelnden Augen von K.
  10. dem Wasser der Salzburger Seen.
  11. einem Freiluftkinoabend.
  12. dem Duft vom Nadelwald.
  13. dem Sommer von einst, von dem alle reden.
  14. fertig gebügelten Wäschekörben.
  15. dem ersten Badetag mit Baby.
  16. einem Badetag ohne Baby.
  17. einem Sprung vom Drei-Meter-Brett.
  18. einer Zigarette ohne Reue.
  19. einem Bier am Kanal.
  20. den Grießnockerln meiner Oma.
  21. d e m Kleid, in dem ich den Sommer verbringen will.
  22. Zeit, zum Friseur zu gehen.
  23. frischer Bettwäsche.
  24. einer Radtour ins Blaue.
  25. einer Autofahrt mit lauter Musik.
  26. mehr Konsequenz beim Arbeiten.
  27. dem spanischen Olivenbrot, das ein Freund immer macht.
  28. der Taunässe der Wiese vor meinem Elternhaus.
  29. nur noch einem Tag mit T.
  30. dem letzten Schultag vor den Sommerferien.
  31. Beerenpflücken mit meiner Mutter.
  32. weniger Gejammer.
  33. der Freiheit nichts tun zu müssen.
  34. der Freiheit alles tun zu können.
  35. einem Theaterbesuch.
  36. einem langen Haarzopf.
  37. einem Glas Wasser.
  38. mehr Menschen, die sich engagieren.
  39. einem Lachanfall mit C.
  40. echter Langeweile.
  41. mehr solcher Blogentdeckungen.
  42. einem Discobesuch.
  43. einem nächtlichen Einbruch ins Schwimmbad.
  44. einer Kugel Meloneneis.
  45. mehr Mut.
  46. meiner Schwester.
  47. einer Pediküre.
  48. einem Buch, das jeden Tag eine kochbare Abendessenidee bereit hält.
  49. neuen Sandalen.
  50. einer neuen Fremdsprache.
  51. dem Ende des Sehnens.
  52. langen Nächten mit T, C und D.
  53. missverständnisfreier Kommunikation.
  54. weniger Sexismus.
  55. weniger Hass.
  56. weniger von allem Schlechten.
  57. einer schöneren Handschrift.
  58. einer langen Zugfahrt.
  59. einer selbstgemachten Pizza.
  60. diesem Kaffee, den ich damals in Dänemark getrunken habe.
  61. dem Gefühl, von dem ich in Barcelona beseelt war.
  62. frischer Luft.
  63. streitlosen Zeiten.
  64. streitbaren Gesprächen.
  65. plappernden Kindermündern.
  66. Telefonaten ohne Babygeweinunterbrechung.
  67. einem heißen Bad mit Schaum.
  68. stillen Momenten.
  69. mehr von dieser Musik.
  70. mehr Liebe.
  71. weniger Liebeskummer.
  72. mehr Pathos.
  73. weniger Pathos.
  74. weniger geschmacklosen Vorstadtorten.
  75. einem Kirschbaum im Innenhof.
  76. dem Ende der Baustelle gegenüber.
  77. einem kurzen Small-Talk mit dem Straßenmusikanten.
  78. einem Kurztrip in den Osten.
  79. ehrlicher Kritik.
  80. Reisefreiheit für alle.
  81. dem Ende des Rassismus.
  82. Istanbul.
  83. weniger Sehnsüchten.
  84. einem Sommergewitter am Land.
  85. einer Bergbesteigung.
  86. einem Südamerikaurlaub.
  87. mehr handwerklichem Können.
  88. I.
  89. weniger Korruption.
  90. klugen Worten.
  91. schönen Sätzen.
  92. mehr Verrücktheiten.
  93. Einsamkeit.
  94. einem Picknick auf einer Waldlichtung.
  95. Vogelgezwitscher am Morgen.
  96. einem Plan für meine Zukunft.
  97. den Aufregungen vom letzten Frühjahr.
  98. mitternächtlichem Gekicher.
  99. einem Tag im Bett mit C.
  100. frischen Kirschen ohne Wurm.

One thought on “Dieses Sehnen nach etwas

  1. Oh. 51 ist eine sehr unangenehme Sache. Das hat Kurt Demmler mal in einem Lied formuliert (Alles Schöne dieser Welt, auf der LP Kerzenlieder. Kurt Demmler, Daniela & Doreen):

    „Alles Schöne dieser Welt, wenn ich es habe, alles Schöne dieser Welt, wäre es mein: wär es doch nicht mein, dann fehlet mir die Gabe, nämlich so schön, so schön sehnsüchtig zu sein.“

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