Nein, ich will nicht – zum Ehe-Unbehagen

Um mich herum wird geheiratet.

Ohne Unterlass.

Mir macht das Angst.

Warum das so ist, habe ich für mich noch nicht zufriedenstellend beantwortet (erste Antwortansätze hier: Why I’m not married). Feministische Kritik an der Ehe hat ja eine lange Tradition – dem kann ich mich wohl nicht ganz verwehren, auch wenn der Unterdrückungsaspekt an Bedeutung verloren hat und ein Sowohl-als-auch längst kein Widerspruch mehr sind (Feminism keeps my marriage together | My big feminist wedding). Und auch, wenn nicht verheiratet zu sein, manchmal ganz schön anstrengend sein kann („Trennung ohne Trauschein“ auf diestandard.at). Trotzdem. Nein, ich will nicht.

Außerdem: Solange nicht jede_r jede_n heiraten darf, bleibt der Institution Ehe etwas Hantiges anhaften, finde ich. Zudem wollen Ökonom_innen und Glücksforscher_innen immer wieder beweisen, dass Frauen stets die Verliererinnen der Ehe sind.

Bild via printed-editions.com (c) Banksy

Das klingt nach einem schön plausibel argumentierten Nein. Allein: Das Gefühl, nicht verheiratet sein zu wollen, kommt eigentlich aus der Tiefe meiner Selbst, wie ich nach und nach feststelle. Das Nein ist mehr eine, wenn man so will, pubertäre denn feministische Rebellion gegen die Ehe als das zu oft zitierte glückliche Ende.

„Happiness is the end“, meinte ein Freund einmal ganz unsarkastisch. Und wenn die Ehe das höchste Glück der Liebe sein soll … nun, dann bleibt tatsächlich die Frage: Warum soll man das dann unbedingt erreichen wollen und nicht lieber besagtes größte Glück weiter als entferntes Ziel ansteuern – bis zum Ende unserer Tage? Die Entscheidung gegen die Ehe erscheint in dem Licht freilich romantischer als sie ist.

Bild via kshahzworld

„Was nun?“, lässt Javier Marías seinen Protagonisten sich in dem Roman „Mein Herz so weiß“ an seinem Hochzeitstag fragen.

Ja, was denn nun? – Eben. Nichts.

4 thoughts on “Nein, ich will nicht – zum Ehe-Unbehagen

  1. Schöner Text! Auch weil ich das auch so empfinde: „Was denn nun? – Nichts.“

    Ich wollte auch nie heiraten – aus den verschiedensten Gründen (auch weil ich irgendwie ganz schwammig und keineswegs statistisch untermauert immer das Gefühl von Hochzeit als Anfang vom Ende hatte. Was Blödsinn ist, aber trotzdem. Der Rahmen der Ehe hat irgendwie etwas Erdrückendes.) Und ich bin auch von einem relativ hochzeitsfreien Freundeskreis umgeben. Letztens saßen wir so zusammen und zählten all die Gründe auf, warum wir alle wohl nicht heiraten würden. Und irgendwann meinte ein Freund dann: „Schade nur um die ganzen geilen Partys.“ Und das stimmt – vielleicht feiere ich irgendwann eine Hochzeit ohne Ehe, nur mit gutem Essen, wenig Stress, Kleidungsfreiheit und Tanzzwang.

  2. Mal wieder ein feuchtes Händereichen!

    Ich auch nicht. Wir auch nicht. Hatten wir erst gestern wieder, das Thema.

    Warum? Weil Heiraten e-i-g-e-n-t-l-i-c-h eine rein bürokratische Veranstaltung ist. Das Finanzamt rechnet uns dann als einen Haushalt.Punkt. Das war’s. Deshalb werden wir’s vielleicht auch irgendwann mal machen, wenn sich das lohnen sollte. Und für den Fall, dass mal jemandem was zustößt. Weil: Ist dann alles einfacher zu handeln. Vielleicht. Oder so.

    Ansonsten finde ich Heiraten zwischen zwei Menschen, die ohnehin zusammenleben und alles irgendwie teilen ungefähr so romantisch wie die Vorstellung ein KFZ-Kennzeichen abzuholen. Oder einen Termin bei der Arge wahrzunehmen. Maximal noch die Unterzeichnung der gemeinsamen Sorgerechtserklärung beim Jugendamt.

    Ich kann absolut nicht verstehen, warum güterwagenweise Frauen da so ein Bohei drum machen.

    Unser Antwort auf die Frage ist eine Mischung aus „Einmal Prinzessin sein“ und Minderwertigkeitskomplexen. Sind die Frauen sich denn ihres Partners wirklich so unsicher, dass sie einen Heiratsantrag als definitiven Liebesbeweis brauchen?

    „So, jetzt kann ich mir sicher sein: Der rennt mir nicht mehr weg.“

    Kannmannurdenkopfschütteln.

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