Unbemerkt blieb das Wanken

Die beiden alten Frauen sehen vornehm über das Gekeife ihrer Hunde hinweg. Faltige Hände auf faltigen Röcken abgelegt. Unter jedem Baum steht ein Kinderwagen. Daneben auf eine glatt gestrichene Decke platziert: die Mütter, die Babys. Die Sonnenplätze sind reserviert für die Schülerinnen mit den gestreiften Bikinioberteilen und den Bändern im Haar. Sie cremen sich stündlich ein und lassen ihr Lachen in den Blättern rascheln. Ein Sportler-Pärchen schwitzt beim Dauerlauf und vergisst – gestört durch ein rotes Frisbee, das sich zwischen ihren Beinen verheddert – auf den Gleichschritt. Hier! Entschuldigung! Zwei junge Männer fuchteln verlegen mit den Armen. Ein wuchtiger Mann in roten Bermudas ist Zaungast. Grinst kurz. Dann lümmelt er sich tiefer in die Bank. Sein Blick schweift über den Rasen, weicht den Hundefrauen aus und wagt sich bis zu den hellen Schülerinnenrücken vor. Dann schwenkt er zurück. ‚Hausgemachte Sangria‘ preist eine schwarze Schiefertafel an. Dahinter, der Eingang in den verunsichernd sympathischen Gastgarten. Stimmengemurmel als Draußen-Klangkulisse.

Es ist Sommer in Wien. Keiner merkt, als die Fassade für einen Sekundenbruchteil wankt.

Ein Schlenker nur. Trotzdem.

Es ist kalt geworden.

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