Darf das Verbotene ausgesprochen werden? Muss es vielleicht sogar?

Katrin Rönicke denkt auf „der Freitag“ („Darf man ‚Fotze‘ sagen?“) über die Sinnhaftigkeit von Sprech-Verboten nach und landet schließlich bei Judith Butler (Hass spricht), die auffordert, Sprache durch Wiederholung von ihren traumatischen Ausläufern zu reinigen. Das Motto, dem sie dabei folgt, könnte in etwa lauten: Wer am Ende nicht mehr reden kann, kann auch nicht handeln – entsprechend einer umgedrehten Performativität. Es geht um die Macht und darum, wer sie warum besitzt (resp.: behält). Der Diskurs rund um Aneignung herrschaftlicher Begriffe speist sich auch aus einer Kultur des „victim blaming“, gegen die nicht zuletzt weltweit mit Slutwalks aufmerksam gemacht werden soll.

Über die Problematik der Begriffaneignung „Slut“ in diesem Zusammenhang wiederum schreibt Fanny Müller-Uri (zur Slutwalk-Bewegung): „Der Begriff exkludiert, denn viele Menschen wollen nicht unter einem Label aktiv werden, das Frauen als Ware, Objekt und Opfer tituliert. Denn der SlutWalk transportiert auch ‚Sex and the City‘-Sexyness, die auf patriarchalen Frauenbildern basiert. Auch der große Zuspruch in den Malestream-Medien ist wohl nicht in einem breiten anti-sexistischen Konsens begründet, vielmehr gilt auch hier die mediale Logik des Sex sells. Die Bewegung profitiert vom medialen Interesse und erhöht dieses durch das bewusste Spiel mit dieser sexualisierten Begrifflichkeit. So lange die SlutWalks jedoch nicht auf ‚das Recht auf sexy Kleidung‘ reduziert werden und die feministische Botschaft in den Mainstream durchsickert, bleibt wohl nur zu sagen: In your face!“

One thought on “Darf das Verbotene ausgesprochen werden? Muss es vielleicht sogar?

  1. Occupy Valentine’s Day « aufzehenspitzen

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