Still not loving Girls’ Day

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Was sind die drei klassischen Lehrberufe für (Wiener) Mädchen? Keine Sorge, wenn die Antwort nicht auf Anhieb einfällt, die Girls’-Day-Machinerie erinnert uns jährlich daran: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Friseurin. Klassisch deswegen, weil sie von 47 Prozent der Mädchen (in Lehre) gewählt werden.

Heute ist es wieder soweit und der Girls’ Day oder, wie er in Wien heißt, Töchtertag, ist angebrochen. Der Tag ist mir seit jeher ein Rätsel und ich verstehe nicht, warum sich die Frauenbeauftragten aller Städte und Bundesländer so darauf stürzen. Also, ein bisschen schon – von wegen Positiv-Image-Kampagne für Politiker_innen, die sich dann mit schweißenden und hämmernden Mädchen fotografieren lassen können. Einen Beitrag zur Auflösung von beruflichen Geschlechterdichotomien leistet der Girls’ Day jedenfalls keinen. Im Gegenteil. Die Frauen und Männern zugeordneten Berufe werden Jahr für Jahr aufs Neue definiert, präsentiert und zementiert. Wobei es natürlich meistens um “typische” und “untypische” Frauenberufe geht. Von untypischen Männernberufen liest man recht selten.

Außerdem finde ich die Fixierung auf spätere (schlechte) Verdienstmöglichkeiten wenig sinnvoll. Statt den Mädchen zu erklären, wenn sie in “typische Frauenberufe” gehen und dort weniger Einkommen haben, sei es in gewisser Weise ihre eigene Schuld – man hätte sie ja vorab gewarnt, dass Verdienst- und Aufstiegschance tendenziell mau seien –, wäre eine Aufwertung eben dieser Berufe und der damit einher gehenden besseren Entlohnung gefragt.

Die Girls’-Day-Rhetorik erinnert bisweilen an die Abwertung von so genannten Mädcheninteressen insgesamt. Der Aktionstag birgt darüberhinaus durch die grundsätzlich positive Konzentration auf die Förderung von Mädchen mit künftig niedrigen formalen Bildungsabschlüssen möglicherweise auch ein wenig beachtetes klassistisches Moment à la “Friseurin-Sein ist igitt”.

In meiner Schulzeit gab es den Girls’ Day noch nicht. Wir hatten im Maturajahr eine Studienberatungsstunde mit einem uns unbekannten Lehrer, der eine skurrile Monolog-Rede hielt: “Frauen in die Technik!” “Es leben die MINT-Fächer!” “Entscheidet euch für Zukunftsstudien!” Wir waren eine reine Mädchenklasse, die sich drei Jahre zuvor für den sprachlichen Zweig des Gymnasiums entschieden hatten. Mathematik, Informatik, Chemie und Biologie hatten wir – lange bevor wir uns dafür hätten interessieren können – (bis auf wenige Einzelstunden) abgewählt.

Aber was genau macht der Girls’ Day anders?

Den Girls’ Day also abschaffen? Mädchen die Chance nehmen, mit positiven Role Models zu plaudern und ihnen bei ihrer “frauenuntypischen” Arbeit über die Schultern zu schauen? Jein. Berufliche Geschlechterstereotypen ließen sich in differenziert konzipierten Berufsinfotagen viel nachhaltiger auflösen, wenn bei der Auswahl der Berufsvertreter_innen eben auf einen Bruch mit Klischees geachtet wird. Sprich, eine Mechanikerin wird geladen, um vor Mädchen UND Buben über ihren Beruf zu sprechen, und ein Kindergartenpädagoge lässt sich von Mädchen UND Buben einen Arbeitstaglang begleiten. Darüberhinaus spiegelt oftmals auch die schulinterne Lehrer_innenschaft eine fachliche Geschlechterrollenverteilung wider, die durchaus diskutabel wäre (… und an dem Punkt könnte ich mich auch in einer Kritik von Unterrichtsinhalten und deren Unsichtbarmachen von Frauenleben und -leistungen verlieren, aber dazu vielleicht später).

Wenn man Jugendlichen tausendmal erklärt, Kindergärtnerin sei ein typischer Frauenberuf und Mechaniker ein typischer Männerberuf, dann kann das durchaus eine abschreckende Wirkung auf spätere Berufswünsche ausüben. Der Traumjob Mechanikerin kann wegen der Aussicht auf die Arbeit in einem reinen Männerbetrieb fallen gelassen werden. Parallel dazu werden Buben durch den Girls’ Day extra darauf aufmerksam gemacht, dass klassische Frauenberufe – die man den Mädchen ausredet – neben dem ohnehin unattraktiven Image auch noch schlecht bezahlt sind. Aus welchem Grund genau sollten Buben dann derlei Berufsentscheidungen treffen?

Unterm Strich richtet der Girls’ Day mehr Schaden an, als er gutmachen kann.

#regrettingmotherhood – Wo sind die Geschichten ohne Aber?

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Ich habe lange darüber nachgedacht, was mir an der Debatte, die der Artikel in der Süddeutschen Zeitung Unglückliche Mütter. Sie wollen ihr Leben zurück ausgelöst hat, nicht gefällt und will versuchen, Worte zu dem Gefühl zu finden. Im SZ-Beitrag geht es um die qualitative Studie der Soziologin Orna Donath von der Universität Tel Aviv, die 23 israelische Mütter im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte 70 in intensiven Interviews zu ihren Gefühlen gegenüber der eigenen Mutterrolle befragt hat (der Artikel der Wissenschafterin auf Englisch “Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis” findet sich hier):

Nur ein einziges gemeinsames Kriterium war es, nach dem Donath die Studienteilnehmerinnen ausgewählt hatte. Allen stellte sie die Frage: “Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie dann noch einmal Mutter werden, mit dem Wissen, das Sie heute haben?” Was die Mütter in der Studie vereinte, war ihre Antwort auf diese Frage: “Nein”.

Eine in Kontext gesetzte Zusammenfassung dieses Bereuens von Mutterschaft, um das es in dem Bericht geht, findet sich bei fuckermothers.

Nun gab es als Antwort auf den in den sozialen Netzwerken vielfach geteilten und zitierten Artikel eine Reihe von Blogposts und Beiträgen, in denen Mütter ihre Erfahrungen schilderten (#regrettingmotherhood). Ich habe viele angefangen zu lesen und war meistens enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass weniger über Reue – also der richtigen Reue über eine Lebensentscheidung – zu lesen war, sondern vielmehr über die ambivalenten Gefühle, die Mutterschaft auslösen kann.

Es ist sehr wichtig, auf diesen Unterschied hinzuweisen und Berlinmittemom macht das in schöner Deutlich- und Ausführlichkeit: “Bei Regretting Motherhood geht es um echte Reue, darum, dass diese Frauen es anders machen würden, wenn sie die Wahl hätten und die Zeit zurück drehen könnten. Dass sie festgestellt haben, dass Mutterschaft nichts für sie ist und dass sie ihre Kinder zwar lieben und versorgen, aber dass sie deren Nicht-Existenz in Kauf nehmen würden, wenn sie könnten. Und dafür lieber nicht Mutter sein.” Sie berichtet dann von einer eher unsuprigen Autofahrt mit genervten Kinder, Stau und Dauerbeschallung mit Hörspielen. Eine Situation, der sie in diesem Moment liebend gerne durch eine Tür entfliehen wollte – und dann formuliert Anna das Wesentliche: “Ich möchte diese Tür nämlich nicht als magisches Utensil, um mein Schicksal zu ändern, sondern lediglich als Pausetaste in meinem Alltag. Ich möchte mal durchschnaufen, mal ausschlafen, mal schweigen können. Ich möchte mal nicht verantwortlich sein, mal nicht immer eine Antwort, ein tröstendes Wort, eine Lösung für das aktuelle Problem parat haben müssen. Ich möchte mich mal verkriechen und laut heulen können, wenn mir danach ist! Wer nicht?”

Wer nicht? Genau.

Aber daneben steht dieses eine tiefgreifende Gefühl von Frauen, die es wirklich und ehrlich und konsequent bereuen, Mutter geworden zu sein. So wie andere es bereuen, diesen Job angenommen, die Beziehung beendet, den Umzug durchgezogen, das Studium geschmissen, das Land gewechselt zu haben. Wie beim Bereuen jeder anderen Lebenssituation sind davon meistens auch andere Menschen betroffen. Anders als bei anderen Lebenssituationen darf es diese Reue im Fall von Mutterschaft aber nicht geben. Und zwar so intensiv und dringlich nicht, dass selbst ein expliziter Bericht über die Gefühle tatsächlich wissenschaftlich befragter Mütter (eine Anmerkung, weil die Anzahl der interviewten Mütter diskutiert wurde: in der qualitativen Sozialforschung geht es NICHT um Repräsentativität, sondern darum vielfältige Perspektiven tiefer zu ergründen und auf diese Weise Zusammenhänge ergründen zu können) es nicht schafft, Stimmen von Müttern in ähnlichen Situationen im deutschsprachigen Raum Platz und Gehör zu verschaffen.

Ich will immer und andauernd über die Ambivalenzen vom Muttersein lesen. Wirklich. Aber in diesen Kontext gestellt haben sie für mich einen flauen Beigeschmack, weil sie eine Dimension verfehlen: Sie überschreiben Berichte von tatsächlicher Reue. Sie machen diese unsichtbar, wenn nicht unmöglich. Denn sie schreiben die Erzählung fort, in der Mütter sich nun zwar eingestehen (können), dass Elternschaft schwierig, herausfordernd, belastend und furchtbar sein kann, aber am Ende des Tages hilft darüber nicht nur das besondere Glück, sondern auch das Einsetzen des – wie es fuckermothers formuliert, “Narrativ[s] der mütterlichen Opferbereitschaft”.

Also, ja, schreiben wir weiterhin jeden Tag über die Ambivalenzen von Mutterschaft. Das ist für mich ein wesentlicher Aspekt von Feminismus in Bezug auf Mutterschaft. Aber seien wirTM an Tagen wie diesen auch und vor allem Zuhörer_innen, wenn vielleicht die eine oder andere aus unserer Mitte ihre Geschichte erzählen will.

Eine Geschichte, in der kein “Aber” vorkommt.

 

Immer Ärger mit Still-Studien (und der Berichterstattung dazu)

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Weil gerade “alle Welt” wegen der Ergebnisse einer brasilianischen Langzeit-Still-Studie (Horta) aus dem Häuschen ist (ORF: “Studie: Stillen fördert Intelligenz”, Tiroler Tageszeitung: “Stillen führt zu höherer Intelligenz und höherem Einkommen”, Süddeutsche: “Muttermilch macht Besserverdiener”, Spiegel Online: Stillen und Muttermilch: “Gestillte Kinder haben höheren IQ”, Zeit: “Stillkinder punkten als Erwachsene im IQ-Test”), ein paar “vergessene” Hinweise:

• Drei Monate volles Stillen “bringen” also durchschnittlich 0,7 IQ-Punkte mehr, ein ganzes Jahr ausschließlich Muttermilch macht ein Plus von vier Punkten … ähm … ja, wirklich beeindruckend.

• Die Liste der Studien, die mögliche Zusammenhänge zwischen Intelligenz und Stillen belegen (wollen), ist lang. Viele davon wurden im Nachhinein wegen schlechter Datengrundlage kritisiert.

• Es gibt ebensolche Geschwister-Studien (Flaschenkind im Vergleich zum Still-Geschwisterl), die Vorteile bei sozialen Aufsteig und Einkommen für Stillkinder belegen, wie solche, die keine Zusammenhänge finden konnten.

• Vor drei Jahren wurde eine Stillstudie veröffentlicht, die auf das Timing beim Stillen hinwies: Die Intelligenz von Babys würde gesteigert, wenn sie dann gestillt wurden, wenn sie es verlangten – und nicht etwa nach einem fixen Zeitplan. Aber – oh Schreck! – diese Erkenntnis gab es auch für Flaschenkinder. (Hm … vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass Babys merken, wenn Erwachsene auf ihre Bedürfnisse – Hunger! – hören und achten? Zuwendung hebt den Intelligenzquotienten? Tell me about it!)

• Die Faktoren, die Einfluss auf unsere Intelligenz haben, sind vielfältig. Ebenso ihr Zusammenspiel. Und so gibt es auch eine Reihe von Studien, die Zusammenhänge zwischen Stillen und Intelligenz als absurd erklären.

• Zumindest in Industrieländern sind Still-Entschluss und Stilldauer eng mit dem sozi-ökonomischen Status der Eltern verknüpft. Stillende Mütter sind durchschnittlich besser gebildet und haben dadurch viele Vorteile wie etwa ein besseres Einkommen (Anm.: laut der aktuell veröffentlichten brasilianischen Studie, für die 3.500 Neugeborene 30 Jahre lang untersucht wurden, spielen soziale Herkunft, das Einkommen und der Bildungsstand der Mütter keine Rolle für das Stillen. Eine kurze Internet-Recherche zeigte: Stillen ist in Brasilien sehr üblich und an öffentlichen Orten sehr akzeptiert. Eine us-amerikanische Mutter berichtet hier von ihren Erfahrungen mit dem Stillen in dem Land im Vergleich zu ihrer Heimat.)

• Korrelation und Kausalität zu verwechseln ist falsch und gefährlich (z.B. Ist es vielleicht nicht so, dass Mütter, die stillen, “automatisch” Zeit mit ihren Kindern verbringen bzw. regelmäßig Zuneigung zeigen?)

Aber, hey: Die Studienautor_innen betonen, dass kein Druck auf Frauen ausgeübt werden soll. Phu, Glück gehabt!

phew

Manche Freitag sind diffus

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Das Kind redet vom Sterben und will nicht, dass wir sterben. Es ist jedoch froh, Ritter und Saurier ausgestorben zu wissen. Im Sommer will es mir das einzig überlebende Dino-Kind vorstellen, es ist grün, lebt im Park ums Eck und mag nur Frauen und Mädchen. Ich ringe nach Worten.

Mein Leben dreht sich weiter. Dockt ab und an bei anderen Leben an. Wir fließen ein Stück gemeinsam, aber gerade kurz genug, um nicht vom Weg abzukommen. Von welchem Weg reden wir eigentlich?

Kovacs | I’ve Seen That Face Before

In der unzusammenhängenden Serie “Das Lied zum Freitag” ebenfalls erschienen:

Manche Freitage sind eigenartig (The Fox | Niki & the Dove)

Let’s talk about gender, baby (The Knives | Full of Fire)

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

Manche Freitage sind anders (Nasekomix | Inject me with love)

In Verteidigung der Prinzessinnen

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In einem anderen Beitrag (Codes am Spielplatz) habe ich bereits einmal darauf hingeweisen, wie viel Klassismus oftmals in der Kritik an “genderstereotyper” Kinderkleidung steckt. Dasselbe gilt in gewisser Weise auch für die Kritik an Prinzessinnen-Verkleidung – die es eben an jeder Straßenecke billigst zu kaufen gibt. Aber erst jetzt ist mir wirklich klar geworden, wie viel verinnerlicht-unbewusste Abwertung von Weiblichkeit* eine solche Kritik oft zusätzlich enthält. Mir ist das gestern an meinem eigenen Verhalten bewusst geworden.

Zuerst: Das Kind hier wollte zum zweiten Mal Tiger sein, weswegen ich mir über Prinzessinnen-Wünsche keinen Kopf zerbrechen musste. Wenn irgendwann einmal Prinzessin, dachte ich, dann finden wir bestimmt eine coole Umsetzung. Dann erzählte mir der Freund gestern am Telefon, nachdem er den kleinen Tiger zum Faschingsfest im Kindergarten abgeliefert hat, wie unglaublich groß die Prinzessinnendichte dort gewesen sei. Beim Mittagessen mit einer Freundin trug ich diesen Gedanken weiter. Wir kritisierten und bedauerten diesen Umstand gemeinsam.

Dann habe ich das Kind abgeholt. Und plötzlich ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: All diese Mädchen waren nicht einfach “Prinzessin”. Es gab zwei Feen, eine Zauberin, eine Königin, eine Spinnenfrau, natürlich auch ein, zwei klassische Prinzessinnen und allerlei für mich nicht klar zuordenbare Verkleidungen mit Tüll und Rüschen und Glitzer. Die Buben waren Piraten, Polizisten, Räuber und Ritter.

Während wirTM dazu also tendieren wie selbstverständlich die männlich konnotierten Verkleidungen automatisch zu differenzieren, bleiben Mädchen in wallenden Glitzerkleider in der Prinzessinnen-Lade – ungeachtet der unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie sich für ihre Figur ausgedacht haben.

Über das Gebären reden

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Angeregt von der Montagspost von FeministMum will ich eine neue Kategorie versuchen. “Funken” – für kurze, aber wichtige Gedankensplitter zwischendurch!

Eine Geburt ist eine extreme Erfahrung, für die in unserer Gesellschaft Worte und Raum fehlen – besonders dann, wenn wir den Umstand “Baby” ausblenden. Was ich damit meine? Elternwerden, gerade dann wenn es das erste Mal ist, verändert sehr viel im Leben. Vorher gab es kein Kind, das gepflegt und geliebt werden wollte, danach (fast immer) schon. Der Alltag, die Aufgaben und der Rhythmus ändern sich. Es treten neue Personen ins Leben (Hebamme, Mit-Eltern usw.) – im besten Fall kommen sie zum bestehenden Umfeld hinzu. Als Zwei-Erziehende gilt es Aufgaben neu zu verteilen und zu organisieren. Es ist für vieles keine Zeit, und Neues verlangt viel Zeit. Über all diese Dinge wird vermutlich auch zu wenig geredet.

Worauf ich aber hinaus will, ist der Körper der Frau, die das Kind geboren hat.

Die (eigene) Erfahrung der vaginalen Geburt (meine Erfahrungsperspektive) ist eine Grenzerfahrung, die oft nur am Rande oder in abgemilderter Form weitergegeben wird. Kinderlose Freund_innen sollen nicht verschreckt werden, andere Mütter nicken oft wissend, aber es werden meist Blicke statt Worte gewechselt. Keine will im möglichen Trauma einer anderen stochern. Keine will selber von oft unter Verschluss gehaltenen Emotionen überrascht werden. Eine vaginale Geburt geht mit teils schweren körperlichen Verletzungen einher. Der Heilungsprozess kann sich über Wochen ziehen. Aber anders als bei Menschen, die etwa einen Radunfall hatten, gibt es dieses freundlich-interessierte, aber auch aufmunternde Nachfragen nach der Genesung nicht wirklich*. Das Thema ist schambesetzt, die Grenzen sind klar gesteckt. Es gibt ein ausverhandeltes Schweigen. Der Vorgang der Geburt ist kein Tischgespräch, schon klar. Aber es gäbe viel zu erzählen.

* Ich bin mir nicht sicher, wie Frauen mit Kaiserschnittgeburten diesen Aspekt erleben?

Lesetipp:

• Ein Gespräch entstehen lassen | Thema Gebären(“outside the box”-Magazin)

an.schläge | Thema “Gebären”

(c) Igur Kraguljac | http://www.igorkraguljac.net

(c) Igur Kraguljac | http://www.igorkraguljac.net

Home Truths

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Schon vor längerem bin ich auf Susan Bright gestoßen. Die Kuratorin und Autorin beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Mutterschaft und Repräsentation. Sie hat dazu eine Ausstellung dazu arrangiert und ein Buch veröffentlicht. Bright betrachtet und kommentiert das Werk von zwölf Künstler_innen und fordert stereotype und sentimentale Perspektiven auf Mutterschaft heraus.

Die Unterschiedlichkeit der Fotografien sprechen eigentlich für sich.

© Elina Brotherus | Annunciation #11, 2011

© Elina Brotherus | Annunciation #11, 2011

© Tierney Gearon | Untitled, from The Mother Project, 2004

© Tierney Gearon | Untitled, from The Mother Project, 2004

(c) Ana Casas Broda. ‘Playroom IV’, 2010

(c) Ana Casas Broda. ‘Playroom IV’, 2010

© Elinor Carucci/Institute | Elinor Carucci Feeding Emanuelle From a Plastic Bottle, 2005

© Elinor Carucci/Institute | Elinor Carucci Feeding Emanuelle From a Plastic Bottle, 2005

© Leigh Ledare | Mother with hand on bed, 2006

© Leigh Ledare | Mother with hand on bed, 2006

© Leigh Ledare | Me and Mom in Photo Booth, 2008

© Leigh Ledare | Me and Mom in Photo Booth, 2008

(c) Elina Brotherus, Annonciation, #3, Helsinki, 2010.

(c) Elina Brotherus, Annonciation, #3, Helsinki, 2010.

(c) Fred Hüning, Untitled (Frisbee), 2010, from the work "drei"

(c) Fred Hüning, Untitled (Frisbee), 2010, from the work “drei”

(c) Janine Antoni

(c) Janine Antoni, One Another, 2008

(c) Ana Casas Broda/ Kinderwunsch, Videogame, 2009

(c) Janine Antoni

(c) Janine Antoni, Momme, 1995

© Annu Palakunnathu Matthew | Quy, 2010, from Re-Generation

© Annu Palakunnathu Matthew | Quy, 2010, from Re-Generation

(c) Tierney Gearon

(c) Tierney Gearon

Tipp: Panel Discussion: Representations of Motherhood (Diskussion über Mutterschaft und Repräsentation)

Wann kommt das Zweite?

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Ich habe ein Kind und zumindest aus jetziger Sicht will ich kein zweites. Dass dies irgendetwas zwischen eigenartig, egoistisch und unverantwortlich ist, weiß ich spätestens, seit der Geburt des ersten Kindes. In jedem Fall ist es nicht die Norm. Die sieht nämlich vor – wie es sich mittlerweile in vermutlich schon weit über hundert Gesprächen oder Bemerkungen manifestierte –, zwei Kinder zu bekommen. Und zwar exakt zwei (lauscht Erzählungen von Drei- und mehrfach-Eltern!).

Vater, Mutter, Kind, Kind

Ich wurde darauf vom Gynäkologen bei der ersten Untersuchung sechs Wochen nach der Geburt ungefragt hingewiesen: “Schlimme Schmerzen? Beim zweiten Kind wird es dann meistens leichter.” Es folgten ungezählte Episoden im Rahmen verwandtschaftlicher Zusammentreffen, bei denen bei jeder Gelegenheit auf ein nachkommendes Geschwisterchen (vorzugsweise ein Kind des anderen Geschlechts) referiert wurde: “Verräumt das Babygewand nur nicht zu gut, ihr werdet es ja sicher bald wieder brauchen.” “Wie lieb sie mit der Puppe spielt. Die übt schon für das Geschwisterlein später.” “Gut, dass ihr nicht so viele klassische Mädchensachen habt, dann ist es beim zweiten Kind egal, was es wird.”

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(c) Dorothea Lange | MoMA

Die nächste Kategorie sind jene, die Aussagen wie “Nein, ich möchte sicher kein Kind mehr” sofort als Trauma-Bekundung à la “So schlimm war’s/ist’s?” oder Affront gegen jeglichen Anstand “Wie du das sagen kannst” verstehen. Recht häufig begegnen mir in letzter Zeit allerdings die, die mir ihre eigene Entscheidung fürs zweite Kind damit erklären, dass ohne Geschwister aufzuwachsen hart sei, Einzelkinder verzogen würden und diese Fixerung auf ein Kind dasselbe “krank” mache. Ausnahmefälle sind jene, die halb lachend von “Absicherung” reden – nun, das will ich eigentlich gar nicht weiter ergründen.

Es gibt auch tausendmillionen Artikel und Studien, die zu ergründen versuchen, warum es schlecht ist, ein Einzelkind zu sein. Was mich daran auch ärgert, ist die Unfähigkeit über den Rand vom Normteller zu schauen: Möglicherweise können Kinder, die nicht in einem Haushalt zusammenwohnen auch innige Bande knüpfen? Die Großfamilie löst sich auf, was spricht dagegen sich mit anderen Kleinfamilien zusammenzutun und zum Beispiel gemeinsam alte Traditionen und Feste neu zu begehen? So etwas schafft auch Verbindungen. Mit eigenen Qualitäten. Können wir also bitte aufhören so zu tun, als hätten Einzelkinder keinen Kontakt mit anderen Kindern? Und nebenbei bemerkt: Streiten, Teilen, Sich-Behaupten, anderen Zuhören undsoweiterundsofort lernen Kinder auch in Kindergarten und Schule.

“Das wirst du ihm doch nicht antun!”

Übrigens gibt es eine wissenschaftliche Zusammenfassung verschiedenster Studien zum Theme Geschwister, Geburtenrang und Einzelkinder (Cécile Ernst, Jules Angst. Birth Order. Its influence on personality. Springer, New York, 1983), die resümiert, dass weder das eine noch das andere noch das dritte eigenständig Einfluss auf die charakterliche Entwicklung eines Menschen hat.

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(c) Naomi Vona (purplewoods.wordpress.com)

Aber selbst wenn … und das macht diese Narrative vom armen oder wahlweise tyrannischen Einzelkind für mich zu einer feministischen Angelegenheit … wenn eine Frau*/ein Paar sich dazu entscheidet, “nur” für ein Kind Sorge zu tragen, dann hat sie*/es alles Recht dazu (und nicht alle haben dieses Privileg: Ich mag mir nicht vorstellen, wie sich Menschen fühlen, die wegen Krankheit oder anderer unbeeinflussbarer Ursachen, kein weiteres Kind bekommen können, wenn sie sich die Sprüche von wegen “Na, wann kommt das Zweite?” anhören müssen). Manche wollen sich kein zweites Kind leisten, manche haben keine Ressourcen, sich um zwei Kinder zu kümmern, manche können/wollen ihre Aufmerksamkeit nicht so vielen Menschen geben, manche können/wollen nicht noch mehr Verantwortung übernehmen, manche wollen sich wieder mehr Beruf oder Berufung zuwenden, manche zweifeln.

Es ist schon sehr perfide und misogyn, Frauen* (auf wen sonst fällt der Egoismus-Vorwurf?) sogar aus der Einzelkind-Frage heraus für spätere Probleme und Sorgen des Nachwuchses verantwortlich zu machen. Ein zweites Kind, also. Koste es, was es wolle. Die Armen der Ärmsten, das sind die ungestillten (oder zu lange gestillten) fremdbetreuten Einzelkinder! Ein gewolltes Einzelkind, das kommt quasi einem Verbrechen diesem gegenüber gleich: “Das willst du deinem Kind antun?”

Ja, will ich. Tatsächlich. Aus Gründen, die mich glücklicher machen – und somit auch das Kind. Warum auch immer sich Eltern für kein weiteres Kind entscheiden, ist ebenso Privatsache wie die Entscheidung für oder gegen Kind(er).

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Screenshot: aufZehenspitzen

Epilog

Und weil meine Gedanken trotzdem kreisen, habe ich jetzt noch mehr Studien und Forschungen zu dem Thema herausgesucht und durchforstet. Es gibt viele viele viele davon und ich frage mich, warum (wie sooft) dermaßen besessen versucht wird, bestimmte kulturelle Stereotypen (einsames, egoistisches Einzelkind) zu ergründen, anstatt den Gründen für deren Existenz auf den Grund zu gehen (Sind “uns”TM Ein-Kind-Familien unheimlich? Unpraktisch? Warum?). Denn Studie um Studie scheint mit ihrer Forschungsfrage gegen eine Wand zu fahren.

“Consider the data: in hundreds of studies during the past decades exploring 16 character traits — including leadership, maturity, extroversion, social participation, popularity, generosity, cooperativeness, flexibility, emotional stability, contentment — only children scored just as well as children with siblings. And endless research shows that only children are, in fact, no more self-involved than anyone else. It turns out brutal sibling rivalry isn’t necessary to beat the ego out of us; peers and classmates do the job. Nor are only children lonelier”, schreibt Lauren Sandler in der New York Times. Im Gegenteil: “The differences between only children and those raised with siblings tend to be positive ones.”

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via outsiderontheinside.tumblr.com

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille: Etwa die (für sich alleine schon problematische) Kritik an der Überfixiertheit am Nachwuchs, können Eltern sowohl bei Einzelkinder als auch bei Geschwistern ausleben. Zum Faktor Karriere-Egoismus meint zum Beispiel die Psychologin und Germanistin Brigitte Blöchinger: “Sie [Einzelkind-Eltern] stellen ihr Kind nicht so in den Mittelpunkt, wie man das erwarten würde. Das kann man als egoistisch bezeichnen, ich finde es aber eine gesunde Einstellung, wenn einem nicht nur sein Kind wichtig ist. Generell führt das zu einem erfüllteren Leben, und diese Zufriedenheit kommt wiederum dem Kind zugute.”

Und was sagen Studien zum Einfluss eines nicht-geschwisterlichen Aufwachsens auf die kindliche Persönlichkeitsentwicklung mit Blick auf Sozialkompetenz? “Demnach würden Einzelkinder eher ein frühes Erlernen von Kooperation, Konkurrenz, Verantwortung und Teilen einbüßen, während sie über einen Vorsprung in der kognitiven Entwicklung verfügen und bessere schulische Leistungen erbringen als ihre Peers aus Familien mit mindestens zwei Kindern”, heißt es in einem Working Paper des Österreichischen Instituts für Familienforschung, das der Frage “Sind Einzelkinder anders?” (Was wieder einmal schön zeigt, was die Norm ist und was nicht – gefördert übrigens aus Mitteln des Familienministeriums) nachgeht. Wenn man sich die Ergebnisse zu “Spätfolgen” des Einzelkind-Daseins im Detail anschaut (Trennungsverhalten, Kinderwunsch, Elternbezug usw.), dann gibt es kaum eindeutige Aussagen. Da wird statistisch hin- und hergerechnet, um wieder nur festzustellen, dass jegliche Kausalzusammenhang-Hypothese nicht haltbar ist – wenn, dann noch am ehesten in Österreich was familiäres Verhalten und familienbiografische Einstellungen angeht; für die Vergleichsländer Frankreich, Norwegen und Russland konnte das nicht festgestellt werden. Was sich jedoch gezeigt hat: die Einstellungen und Werte von Einzelkindern sind tendenziell weniger “traditionell”.

Geschwister-Haben ist übrigens auch nicht immer eitle Wonne oder Garant fürs Nicht-Allein-Sein. Und: Geschwister-Gewalt wird oft bagatellisiert, kann jedoch, wie Forscher_innen herausgefunden haben psychische Störungen auslösen.

Ach ja: Was Statistiken zur Kinderanzahl (in Österreich: 1,44) meistens verschleiern: Der Einzelkind-Anteil ist hierzulande seit den 1960er Jahren (noch) relativ stabil (Österreich 2013: 9,2 % der 18- bis 45-Jährigen sind Einzelkinder).

Erlesene Mutterschaft XVII

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“Xane drehte das Gesicht halb in das Kopfpolster, als sie Sally sah. Sallys Körper wollte rückwärts aus dem Zimmer, sie kämpfte wie ein Flugzeug gegen die Erdanziehung, noch drei Schritte, brumm, und sie saß neben dem Bett. Sie legte Xane die Bonbonniere auf die Bettdecke und bemerkte zu spät den Drainageschlauch, der darunter hervorhing. Sie riss die Schachtel in die Höhe. Entschuldige, tut das weh, fragte sie.

Nein, sagte Xane heiser, man kommt inzwischen ohne Bauchschnitt aus, und wieder zerfiel ihr das Gesicht und wurde rot und flüssig.

Xane, begann Sally, das ist keine Tragödie, du bist jung und …

Sag du mir nicht, was eine Tragödie ist, fauchte Xane unter Tränen, du hast ein Kind, das du gar nicht wolltest, warum bist du gekommen, ich wollte niemanden sehen.

Sally schwieg und sah auf die Bonbonniere.

Magst du eine, flüsterte Xane, und sie nickte.

Sally öffnete die Schachtel, und so aßen sie die Pralinen, eine nach der anderen.

Ich hab gar nicht gedacht, dass du eigene Kinder willst, sagte Sally.

Xanes Augen liefen wieder über, und sie rieb sich die Fäuste hinein. Sie wollte nicht weinen und weinte umso mehr, je wütender sie es zu bekämpfen suchte.”

 

Eva Menasse – Quasikristalle

Reden wir über Reproduktion

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Nach der ORF-Diskussionsrunde Im Zentrum zum Thema Social (Egg) Freezing* bin ich erstaunt darüber, mit welcher Ignoranz, ja, Präpotenz Menschen anderen Vorschreibungen machen (wollen) – aber auch darüber, welch abstruse Weltbilder einer da begegnen.

Das von Alice Pitzinger-Ryba, Geschäftsführerin von “Family Business”, ist ein solches: “Mann trifft Frau, Frau trifft Mann, sie verlieben sich – und sie machen aus Liebe Babys und die kommen auf die Welt, wie es die Natur vorgesehen hat”, sagt sie in die Fernsehkamera. So hat das die Natur also vorgesehen? Ah, ja. Pitzinger-Ryba hat selber fünf Kinder und versichert der Welt, sie kenne sich auch aus mit Work-Life-Balance: “Ein Kind geht immer rein, zu jedem Zeitpunkt.” Außerdem stellt sie die wirklich gewichtige Frage nach: What about teh menz? Die dürften ja dann – gesetzt den Fall, dass in Österreich “Social Freezing” auch ohne medizinische Indikation erlaubt würde – plötzlich keine Kinder mehr aus Liebe zeugen! (man merke: eine neue Option für Frauen = ein Verbot für alle Männer) Aber gut, Alice Pitzinger-Ryba findet auch, die Pille hat die Befreiung des Mannes gebracht und dass jegliches Dilemma mit der Trennung von Sexualität und Fortpflanzung begonnen hat.

Die Journalistin Angelika Hager hingegen findet alles “gespenstisch” und es sehr, sehr deprimierend, dass “wir” heutzutage noch immer über die Vereinbarkeit von Kind und Karriere diskutieren müssen. Ich finde es deprimierend, weil sie eigentlich wissen sollte, dass die antifeministischen Pamphlete, die sie in letzter Zeit im Magazin “profil” veröffentlicht hat, ein entsprechendes Klima mittragen (Denn wieso schreibt sie ein Buch über das Versagen vom Feminismus und nicht vom Versagen der Gesellschaftspolitik, wenn sie sieht, dass Frauen/Eltern in Sachen Vereinbarkeit massiv mehr Unterstützung benötigen?). Und natürlich darf das Alte-Eltern-Niedermachen nicht zu kurz kommen: “Diese armen Kinder!” Hager ist auch unheimlich, dass manche Frauen ihr Leben offenbar am Reißbrett planen wollen. Wo kommen wir denn da hin?

Abseits ideologischer Anrufungen

Teresa Bücker (Edition F) versucht bewunderswert ruhig eine breitere Dimension und mehr Differenziertheit in die Diskussion zu bringen, indem sie auf die gesundheitsvorsorgerische Situation in den USA hinweist (die Konzerne Apple und Facebook haben mit der Bekanntgabe, “Social Freezing” für Mitarbeiterinnen kostenlos zur Verfügung zu stellen, die Debatte ja losgetreten) oder auf eine Umfrage, die zeigt: Die Frauen, die Eizellen einfrieren ließen, trafen diese Entscheidung weniger aus Karrieregründen, sondern weil schlichtweg das zweite Elternteil “fehlte”. Außerdem spricht Bücker klare Worte, wenn sie sagt, dass Frauen in der Diskussion beständig vorgehalten werde, sie wüssten nicht, was sie da tun.

Auch Leonhard Loimer, Gynäkologe einer Kinderwunschklinik, verzichtet auf ideologische Anrufungen und verweist darauf, dass eben nicht alle Paare mirnichtsdirnichts Kinder bekommen können. Er verurteilt Pitzinger-Rybas Hass-Plädoyer (“fehlende Identität!”, “fehlende Liebe!”) gegen künstliche Befruchtung als “zynisch” und eine “Katastrophe”. Immerhin unterziehe sich niemand freiwillig einer künstlichen Befruchtung.

Angenehm emotionslos auch die Vorsitzende der Bioethikkommission Christiane Druml. Sie finde keine gewichtigen Gründe, medizinische Möglichkeiten nicht für alle Frauen zugänglich zu machen. Gerade eben weil Frauen in unserer heutigen Zeit aus den unterschiedlichsten Gründen immer später Mütter würden. Sympathisch auch ihre Spitze gegen Pitzinger-Ryba (“Meine Kinder sind die Krönung unserer Liebe”), Liebe sei vermutlich oft auch Grundlage von Beziehungen, welche diese nicht immer vor sich hertragen.

Reproduktionsregulierung vs Reproduktionsrechte

Was die Diskussion (auch jene im Fernsehen) einmal mehr deutlich gezeigt hat: Nicht wenigen, die ihre Meinung zu dem Thema absondern, geht es tatsächlich um Reproduktionsrechte, sondern um Reproduktionsregulierung. Es geht nicht um Frauen und ihre Wünsche, sondern um gesellschaftliche Normen, die zementiert werden sollen.

Wahlfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung spielen in diesen Argumentationen keine Rolle. Lebensrealitäten auch nicht. Und dass selbst bei einer Möglichkeit wie “Social Egg Freezing”, die wohl kaum zu einem Massenphänomen werden wird. Die reproduktive Autonomie der Frau bleibt weiterhin suspekt – und der Blick auf sehr grundsätzliche Fragen wie zum Beispiel Ethik und Pränataldiagnostik (ein empfehlenswerter Text dazu: Diagnose Mensch) weiterhin verstellt.

Gabriela Gasparini

(c) Gabriela Gasparini via artisticthings.com/gabriela-gasparini-body-stamp

* Mediale Analysen und Kommentare rund um die Möglichkeit, Eizellen einfrieren zu lassen [Social (Egg) Freezing], haben den Stabreim “Kind und Karriere” natürlich gern und oft bemüht. Als ob nur Frauen mit Karrieren Vereinbarkeitsprobleme hätten! Aber wie @feministmum schon auf Twitter meinte: “ich denke der diskurs wird so geführt, weil die sogenannte vereinbarkeitsdebatte nur frauen mit ‘karriere’ überhaupt zugestanden wird.”

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