Manche Freitage locken zum Fliegen

Die Straßenbahntüren öffnen sich. Ich stehe auf und mache für eine Frau mit Kinderwagen Platz. “Wieso stehst du auf, Mama?” Das Kind kräuselt die Lippen. “Damit die Frau neben dem Baby im Wagerl stehen kann und sie sich so gut sehen.” “Oder der Mann.” Ich schaue mich um und runzle die Stirn. Das Kind gibt sich altklug: “Vielleicht ist diese Person auch ein Mann. Das weißt du doch, Mama. Man kann nicht immer sehen, ob es ein Mann oder eine Frau ist.” True that. Nächste Station: die Illusion der Zweigeschlechtlichkeit. Joy Wellboy | We need a plane Weitere Episoden aus der nicht sehr seriellen Serie “Das Lied zum Freitag”:

Medialer postpartum Fleischmarkt

Was für ein aufregender Nachrichten-Tag!

n-tv.de ist heute atemlos: Herzogin Kate sei nur wenige Wochen nach der Geburt wieder “rank und schlank” und verblüffe “mit einer makellosen Figur – von Baby-Pfunden keine Spur”. Es handle sich dabei um Kates “Wohlfühlgewicht”, wissen die Expert*innen der Nachrichtenplattform, die von sich behauptet, “seriös, schnell und kompetent” zu berichten. Immerhin schnell waren sie mit dieser Meldung. Auch der Grund für die schnelle Rückkehr zur “Traumfigur” ist kompetent recherchiert: “Kates Figur lässt kaum einen Zweifel daran: Auch Charlotte wird gestillt.”

Aber auch bei der Welt ist man seriös baff: Denn beim königlichen Familienausflug zeige sich Kate bereits “in Skinny-Jeans und Matrosenhemd frisch erschlankt”. Und weiter: “Keine Spur mehr von Schwangerschaftspfunden – dabei liegt die Geburt von Prinzessin Charlotte gerade sechs Wochen zurück.” Besserwisserisch – pardon – informiert wird hier verraten, was dahinter steckt, oder vielmehr, was nicht dahintersteckt: “Gerüchte über eine strenge Saftdiät scheinen jedoch haltlos; wer Prinz George stundenlang hinterherjagt, braucht kein Abnehmprogramm.”

Aufdeckerisch unterwegs die Münchner Abendzeitung, wo man Geheimisse unter dem Titel “Darum ist Herzogin Kate schon wieder so dünn” verrät. Ich verrate an dieser Stelle: Es handelt sich um denselben Artikel wie der an erster Stelle erwähnte Beitrag von n-tv.de Das Geheimnis ihres After-Baby-Bodys (neuer Lead-Text und passt schon. Oder war’s umgekehrt?). Jedenfalls geht die Abendzeitung mit einer wesentlichen Ergänzung online, nämlich mit einem Verweis auf eine sagenumwobene Diät, nach der sich die Herzogin vermutlich (sic!) orientiert hat, “die Schwangerschaftskilos möglichst schnell loszuwerden”.

Die Online-Plattform der Zeitung Österreich gibt sich gewohnt kritisch und übt sich in Alarmismus: “Nimmt Kate zu schnell ab?” Immerhin sei sie nur sechs Wochen nach der Geburt bereits wieder “megaschlank” und präsentiere ihre “schlanken Beine (…) als wäre sie nie schwanger gewesen …” Der Artikel bleibt aber nicht an der Oberfläche, sondern stellt die wirklich wesentliche Frage: Hat Kate womöglich nicht zu schnell abgenommen, sondern “nie genug zugenommen?” Denn Resümee einer präzisen Umfrage im Bekanntenkreis ergab: “Viele glauben, sie ist im Magerwahn.”

Bei der Bunten lässt sich indes niemand auf derlei kritische Berichterstattung ein. Man bleibt beobachtend und lobt die “Top-Figur” und “Kates hammermäßigen After-Baby-Body”. Unter dem Beitrag gibt es ganz im Sinne der Serviceorientierung des Magazins einen Link zu Fitness- und Abnehm-Artikel.

excuse-me-i-have-to-go-and-vomitNachtrag I: Statt der Lektüre jenseitiger royaler Körperberichterstattung empfehle ich diesen Comic von Rebecca Roher: Mom Body

Nachtrag II: Einen interessanten Bericht über eine Analyse von Media Affairs über Frauen in der medialen Berichterstattung in Österreich habe ich auf diestandard.at gefunden. Darin wird aufgezeigt, dass Frauenthemen in der auflagenstärksten Boulevardzeitung des Landes vor allem auf Körper (Gesundheits- und Gewichtsthemen) und Mutter (Elternschaft, Schwangerschaft, Mutterrolle) reduziert werden. (Post-)Schwangere Körper, die beides vereinen, sind so gesehen ein besonderes Berichterstattungs-“Highlight”.

Nachtrag III: gentle reminder in Sachen Frauenkörper und Schwangerschaft

Und weil ich mich ohnehin nur wiederholen würde, noch ein paar Links zum Nachlesen:

 

Erlesene Mutterschaft XVIII

“In my frustration and misery I would wind myself up every day as if I were my old toy monkey with my cymbals, listen to myself crash them, and then, nota bene, I would cry and, when I cried, I would long for my mother, not the small dying mother in the hospital but the big mother of my childhood, who had held and rocked me and tutted and stroked and taken my temperature and read to me. Mommy’s girl, except Mommy was not oversized but short and curvy and wore high heels. Your father likes my legs in heels, you know. But then, after I had wailed for a while, I would remember the wet shine of two fallen tears on my mother’s shrunken cheeks and the IV in her blue-veined hand many years later. I did not say, You’ll get well, Mommy, because she would not get well. Who knows how long I’ll last? Not long. And yet in hospice, my mother fussed about food, the sheets, her pajamas, the nurses. A week before she died, she asked me to open her purse and apply a little lipstick because she was too weak to do it herself, and when she lapsed into a morphine haze at the very end, I took out the gold tube and dabbed her thin mouth with the rose-solored stick.

~~~

Orphaned.”

Siri Hustvedt – The Blazing World

“Auch ich stand schon mit Tränen in den Augen im Hausflur”

Es war ein Nebensatz in einem Beitrag von Barbara Vorsamer (Dürfen, Wollen, Müssen – über Erziehung und Consent), aber er hat mich sehr berührt:

Auch ich stand schon mit Tränen in den Augen im Hausflur, weil sich mein Kind mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, gegen das Anziehen wehrte. Wegrennen, sich Verstecken, Rumbrüllen, Heulen, sich auf den Boden werfen, sich komplett schlapp machen oder sich alles, was ich ihr angezogen habe, sofort wieder ausziehen.

Diese überwältigende eigene Unzulänglichkeit, diese Unentfliehbarkeit einer schwierigen Situation und die innerlich brennende Wut, die Verzweiflung angesichts eines unkooperativen Kleinkindes gehören für mich zu den hässlichsten Gefühlen von Elternschaft. Die Einsamkeit in solchen Momenten ist bitter in ihrer Ausweglosigkeit und ihrer Unsichbarkeit.

Erst kürzlich stapelten sich derlei Situation an einem Vormittag zu einem unüberwindbaren Berg vor mir auf – ironischerweise nicht etwa, weil ich etwas für mich durchsetzen wollte, sondern um ein Treffen mit Freund*innen des Kindes vorzubereiten (Picknick-Rucksack packen, mit Sonnencreme einschmieren, anziehen). Die Dreieinhalbjährige und ich stritten ohne Ende, weil jeder Handgriff und jedes Wort von mir Aggressionen in ihr weckten, die ich nicht einordnen konnte. Schließlich verließ ich die Szene, rauschte in mein Zimmer ab, schmiss die Türe etwas zu fest zu und warf mich mit Tränen in den Augen und Wut im Bauch aufs Bett. Wenn ich in solchen Momenten an Ratgeber-Besserwisser*innen und ihre Handlungsanleitungen “zum Wohle des Kindes” denke, wird mir übel und ich möchte sie alle mit ihren eigenen Büchern bewerfen.

Ich wollte einfach alleine sein. Nur ich und meine Gedanken. Nur mein Tempo. Nur meine Bedürfnisse. Eine Decke schnappen und ein Buch, mich an das schattige Flussufer legen, die Beine in die Sonne strecken und einen Nachmittag vertrödeln. Stattdessen musste ich mein ausufernde Verzweiflung sammeln, die Tränen trocknen, meinen Körper beruhigen, die Wut veratmen … und Mutter sein.

Julia Geiser

(c) Julia Geiser via julia-geiser.ch

Und auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt, weiß ich doch gewiss, dass nicht nur ich mit solchen Situationen kämpfe. “Kinder bringen uns an unsere Grenzen”, ja sicher, das hört und liest man oft. Aber was das bedeuten kann, schon seltener. Deswegen bin ich auch dankbar erfreut über den eingangs erwähnten Satz und den Tränen darin. Diese Verzweiflung kann Teil von Elternschaft sein, der für viele (alle?) völlig normal zum Alltag gehört. Es ist nicht außergewöhnlich, dass es schwer auszuhalten ist, wenn die eigenen Befindlichkeiten beständig hintan gehalten werden müssen, um Situationen nicht eskalieren zu lassen.

Überforderung.

Oh ja, ich bin manchmal ziemlich überfordert mit dem Kind. Aber das ist kein Dauerzustand – was bei mir auch an einer geteilten Elternverantwortung und an relativ unbelastenden Lebensumständen liegt. Wie überfordert jemand ist, hängt nicht zwangsweise mit der inneren Konstituierung zusammen, sondern massiv mit dem Umfeld und den Abhängigkeiten oder Zwängen darin.

Julia Geiser

(c) Julia Geiser via julia-geiser.ch

Kürzlich wurde auf fuckermothers auf den Beitrag Traurige Mütter von Márcia Elisa Moser verwiesen – aber erst jetzt erschließt sich mir dieser unverhofft in Bezug auf meine eigenen Mutterschaft. Wie oft habe ich gezögert, von ambivalenten Gefühlen etwa von der Geburt zu berichten, weil ich Angst hatte, es würde sofort als erfahrenes Trauma verstanden oder von den Anstrengungen des ersten halben Jahres, weil ich befürchtete, es würde als “Offenbarung” einer postpartalen Depression gelesen (von der ich mit Sicherheit wusste, nicht betroffen zu sein). “Über neue, nicht-mutterzentrierte Beziehungs-, Fürsorge- und Familienmodelle löst sich postpartale Depression als Thema, Diagnose und Erfahrung nicht in Nichts auf“, schreibt Márcia Elisa Moser. “In Nichts auflösen könnten und sollten sich aber eben jene Mutterschaftsideale, die die auf Kinder bezogene Liebes- und Beziehungsarbeit hauptsächlich der Mutter zuschreiben und notwendigerweise jedes ambivalente Gefühl gegenüber dieser allumfassenden Fürsorgerolle pathologisieren.

Überforderung nicht nur im ersten Babyjahr zu normalisieren und als beständigen Teil von Elternschaft generell sichtbar zu machen ist wichtig, um die gemeinsamen (all-)täglichen Kämpfe kennen zu lernen. Auch, um die Ursachen für die Unterschiede dieser Kämpfe (und damit die Ansätze für Unterstützungsangebote) klarer sehen zu können.

Die Perfidität des (Nicht-)Aufräumens

Ich sitze auf dem Sofa. Mir gegenüber zwei Hocker, auf denen sich Bücher, Spielsachen und Westen ausbreiten. Dazwischen steht ein kleines Tischchen, auf dem sich undefinierbare Flecken abzeichnen. Dahinter sehe ich den Esstisch mit einem Stapel alter Zeitungen, leerer Gläser und einem Haufen undefinierbarer (Un-)Wichtigkeiten. Rechts daneben die große Kommode, auf deren Ablagefläche Handtaschen, wieder Bücher, Rechnungen, Karten, zerbrochene und auf das Kleben wartende Alltags- und Spielsachen, mehrere Tiegel Creme und Schokolade zu einem Mosaik der Unordnung angetreten sind. Davor steht eine Klappbox mit alten, vollgeschriebenen Blöcken und Kindheitserinnerungen, die ich neulich angeschleppt habe und die ausgeräumt werden will. Weiter lasse ich meinen Blick lieber nicht schweifen (Küche!).

Diese Wohnung gehört dringend aufgeräumt. Und ich rede nicht vom Putzen, das ist ein anderes Thema. Aber da ich dieser Tage vorübergehend alleine für das Kind verantwortlich bin und es ohnehin viel zu tun gibt, mag ich dafür nicht auch noch Zeit abzweigen. Parallel dazu bin ich auf besonders viele Tweets und Posts von Müttern gestoßen, die sich über aufwändiges Aufräumen beschwerten, das ihre (Home-Office-)Zeit empfindlich reduziert: Betten machen, Spielchaos beseitigen, Tische abwischen, Blumen gießen, Klopapier stapeln, Schuhe zurück ins Regal stellen, Schmutzwäsche aus den Ecken in den Korb klauben, Post hereinholen.

Die Banalität des Aufräumens ist mit keiner anderen der klassischen Putz-Tätigkeiten zu vergleichen – vielleicht gerade deshalb, weil sie schwer auszulagern ist. Und weil es so banal ist, klebt das Aufräumen besonders hartnäckig im Verantwortungsbereich von Frauen. Wurden “wir” tatsächlich sozialisiert, die Unordnung zu sehen und sie als störend zu empfinden? Es ist eine dieser vielen unsichtbaren Aufgaben, die so viele Frauen “nebenbei” erledigen (“Es sind doch nur ein paar Handgriffe”). Ich erinnere mich an Stehsätze aus meiner Kindheit: “den Kindern hinterherräumen” oder “dem Mann nach dem Kochen hinterherräumen”. Vermutlich liegt in der unterschiedlichen Wahrnehmung, welche Tätigkeiten insgesamt zu Hausarbeit und entsprechend erledigt gehören, auch die Ursache dafür, dass Männer subjektiv gefühlt mehr arbeiten, als dies von ihren Partnerinnen geschätzt wird und umgekehrt, wie eine Anfang des Jahres veröffentlichte Umfrage zeigt: “Aus der Sicht der Männer verrichten sie selbst 37,1 Prozent der Haushaltstätigkeiten. Geht es nach den Frauen, erledigen ihre männlichen Gefährten im Durchschnitt aber nur knapp über ein Viertel (26,2 Prozent) der anfallenden Aufgaben. Umgekehrt sind Frauen der Meinung, 73,8 Prozent der Arbeiten zu erledigen, während ihre Partner den Anteil der von den Frauen erledigten Arbeiten auf 62,9 Prozent schätzen.

Selbst wenn wir hier das Aufräumen recht gerecht zu gleichen Teilen übernehmen, bin es doch schlussendlich ich, die ein schlechtes Gewissen hat, wenn es nicht passiert und Besuch Zeug_in der Unordnung wird – aus Unbehagen eben darüber, dass ich als Frau es bin, die in dessen_deren Augen nun als schlampig und nachlässig gilt. Wenn in Familien also die Haushaltsarbeit aufgeteilt wird, dann ist es wesentlich alle Tätigkeiten auf den Tisch zu bringen. Auch, was nebenbei erledigt wird, ist Arbeit und kostet Zeit.

Ich erinnere mich mit Schaudern an die Monate, in denen das noch kleinere Kind die Wohnung innerhalb von Minuten (Sekunden?) in ein Desaster verwandelte. Nicht, dass das heute nicht mehr passiert, aber es wird seltener und dauert länger – dafür ist das Chaos dann auch sorgfältiger arrangiert und ich muss vor dem Aufräumen noch ein Legitimationsgespräch darüber führen, weil mein Ordnungssinn nicht dem des Kindes entspricht.

Bluemilk hatte zum Thema Aufräumen vor langer langer Zeit einen kurzen, aber so wahren Beitrag, den ich zum Glück wiedergefunden habe: “Sometimes it is an explicit negotiation, like take the kids out alone for the morning and in exchange I will pull this house back from the edge of disaster. Mostly it is just an implicit understanding in our house – any time any parent leaves the house for more than fifteen minutes with at least the toddler, if not both children in hand, the other parent (besides skipping about celebrating freedom) will spend a minimum of 15 minutes cleaning the house. (…) But twice in the last week I have returned home with Cormac to find not a bit of shit has been done. It feels like our bond of sacred trust has been broken in this relationship.” In einem anderen schreibt sie vom “Preis einer Sechs-Minuten-Dusche” und ich erinnere mich an den heutigen Morgen, als das Badezimmer während meiner Dusche in ein fantasievolles Lego-Playmobil-Land verwandelt wurde. Das räume ich dann morgen weg …

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So viel dazu. Ein Gesprächsprotokoll

Ich habe mit dem dreieinhalbjährigen Kind ein Mini-Interview im Vorfeld des Muttertags gemacht.

Ich: “Darf ich dich etwas über Mamas fragen?”
Kind: “Ja, Mama.”
Ich: “Wozu glaubst du, sind Mamas da?”
Kind: “Zum Spielen.”
Ich: “Mit den Kindern?”
Kind: “Genau. Und sie passen auf, dass die Kinder keinen Blödsinn machen. (lacht) Und dass sie nicht nur Süßigkeiten essen.”
Ich: “Und was findest du gut an mir als Mama?”
Kind: “Wenn wir hinausgehen spielen.”
Ich: “Und was findest du schlecht?”
Kind: “Dass du so viel arbeitest.”
Ich: “Hm … Und bei den Papas?”
Kind: “Der Papa arbeitet auch so viel.”
Ich: “Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Papas und Mamas?”
Kind: “Nein. (kichert plötzlich vor sich hin) Ja, sie haben unterschiedliche Sachen an.”

Damit wäre eigentlich alles gesagt …

… dass ich kein großer Muttertagsfan bin, habe ich ohnehin hier und hier schon einmal in Kürze kundgetan. Allem voran stört mich neben der Kommerzialisierung und der Kollektivierung von Erfahrungen, dass Elternsein bzw. wesentliche Teilaspekte davon zu etwas Geschlecht-Spezifischem gemacht werden. Ach ja, und die Idealisierung von Mutterschaft und gleichzeitige Defizit-Zuschreibung bei Kinderlosen.

Nichtsdestotrotz verstehe ich auch das Bedürfnis, sich einen Tag lang feiern lassen zu wollen. Es wäre nur schön, wenn dabei nicht die vielen oftmals unsichtbaren Geschichten von Mutterschaft verloren gehen – von ein paar davon erzählt folgendes kurze Video (engl.):

Und auch diese Geschichten sind oft unerzählt:

“Flat out, Mother’s Day sucks for some of us. We all have our reasons, those of us in the Challenging Mother Club. By the time ‘the day’ arrives, we’ve been inundated by commercials and email offers and reminders of how much everybody loves their mothers. Just step inside any public space right now and you’ll be inundated with reminders courtesy of capitalism: Your mom is great! All moms are great! Don’t forget to prove to your mom and the world that her greatness has monetary value! And then there’s us: the defectives, the unlovables. For years I had thought I was the only one. Even before the gay disownment, this time of year was always uncomfortable for me. Some years it was downright painful. We’re supposed to love our mothers and tie ourselves into gratitude knots to please them. My not feeling compelled to present myself for continual emotional and mental injury from my mother doesn’t mean I don’t love her. It simply means I’ve chosen to stay alive.” (Katie Klabusich: Why Mother’s Day suck for Some of Us)

“Bei mir ist das so: Meine Mutter ist vor 19 Jahren gestorben. Wir hatten kein ganz konfliktfreies Verhältnis, aber das ändert nichts daran, dass ich sie durchaus vermisse. (…) Aber jedes Jahr pünktlich zum Muttertag wird mir um die Ohren gehauen: ‘DEINE MUTTER!!! KÜMMER DICH!!! ZWANGSLIEBE!!!’ Worauf es mir in der Seele rumblubbert: Nee. Ich war noch nie an ihrem Grab, ich nehme ihre Präsenz im Alltag immer wieder wahr, in den Gesichtern anderer Frauen, in einer Stimme, die ähnlich klingt, beim Geruch von Freesien. So viele Momente. Und die passieren auch ohne stetiges Eindreschen, ohne besonderen Anlass. Dazu brauche ich keinen bestimmten Tag und erst recht keine entsprechenden Ermahnungen. Stattdessen ruft der muttertägliche Werbefrontalangriff in mir vor allem eine Reaktion hervor, und das ist die, mir die Ohren und Augen zuhalten zu wollen und einfach mal loszubrüllen: ‘Lasst mich in Ruhe! Ich würde ja gerne, aber ich KANN NICHT, OKAY?'” (@Natollie: Muttertag? Nun ja.)

“But I know that Sunday is not going to be a great day for everybody. It’s hard for people who’ve lost their moms. It’s hard for those who had crummy moms — and believe me, it hasn’t escaped my notice that in our cultural glorification of motherhood, the fact that a lot of women who’ve had children have done a piss poor of raising them seems to get conveniently left out a lot. And it can also be hard for women who don’t have children, in this season of constant reminders that the best and most important ‘job’ a woman could ever aspire to is motherhood. So to all my female friends who aren’t moms, I just want you to know that I call BS [bullshit] on this garbage too.” (Mary Elizabeth Williams: Sorry about Mother’s Day, my childfree girlfriends: Moms aren’t any more special (or unselfish) than you)

Still not loving Girls’ Day

Was sind die drei klassischen Lehrberufe für (Wiener) Mädchen? Keine Sorge, wenn die Antwort nicht auf Anhieb einfällt, die Girls’-Day-Machinerie erinnert uns jährlich daran: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Friseurin. Klassisch deswegen, weil sie von 47 Prozent der Mädchen (in Lehre) gewählt werden.

Heute ist es wieder soweit und der Girls’ Day oder, wie er in Wien heißt, Töchtertag, ist angebrochen. Der Tag ist mir seit jeher ein Rätsel und ich verstehe nicht, warum sich die Frauenbeauftragten aller Städte und Bundesländer so darauf stürzen. Also, ein bisschen schon – von wegen Positiv-Image-Kampagne für Politiker_innen, die sich dann mit schweißenden und hämmernden Mädchen fotografieren lassen können. Einen Beitrag zur Auflösung von beruflichen Geschlechterdichotomien leistet der Girls’ Day jedenfalls keinen. Im Gegenteil. Die Frauen und Männern zugeordneten Berufe werden Jahr für Jahr aufs Neue definiert, präsentiert und zementiert. Wobei es natürlich meistens um “typische” und “untypische” Frauenberufe geht. Von untypischen Männernberufen liest man recht selten.

Außerdem finde ich die Fixierung auf spätere (schlechte) Verdienstmöglichkeiten wenig sinnvoll. Statt den Mädchen zu erklären, wenn sie in “typische Frauenberufe” gehen und dort weniger Einkommen haben, sei es in gewisser Weise ihre eigene Schuld – man hätte sie ja vorab gewarnt, dass Verdienst- und Aufstiegschance tendenziell mau seien –, wäre eine Aufwertung eben dieser Berufe und der damit einher gehenden besseren Entlohnung gefragt.

Die Girls’-Day-Rhetorik erinnert bisweilen an die Abwertung von so genannten Mädcheninteressen insgesamt. Der Aktionstag birgt darüberhinaus durch die grundsätzlich positive Konzentration auf die Förderung von Mädchen mit künftig niedrigen formalen Bildungsabschlüssen möglicherweise auch ein wenig beachtetes klassistisches Moment à la “Friseurin-Sein ist igitt”.

In meiner Schulzeit gab es den Girls’ Day noch nicht. Wir hatten im Maturajahr eine Studienberatungsstunde mit einem uns unbekannten Lehrer, der eine skurrile Monolog-Rede hielt: “Frauen in die Technik!” “Es leben die MINT-Fächer!” “Entscheidet euch für Zukunftsstudien!” Wir waren eine reine Mädchenklasse, die sich drei Jahre zuvor für den sprachlichen Zweig des Gymnasiums entschieden hatten. Mathematik, Informatik, Chemie und Biologie hatten wir – lange bevor wir uns dafür hätten interessieren können – (bis auf wenige Einzelstunden) abgewählt.

Aber was genau macht der Girls’ Day anders?

Den Girls’ Day also abschaffen? Mädchen die Chance nehmen, mit positiven Role Models zu plaudern und ihnen bei ihrer “frauenuntypischen” Arbeit über die Schultern zu schauen? Jein. Berufliche Geschlechterstereotypen ließen sich in differenziert konzipierten Berufsinfotagen viel nachhaltiger auflösen, wenn bei der Auswahl der Berufsvertreter_innen eben auf einen Bruch mit Klischees geachtet wird. Sprich, eine Mechanikerin wird geladen, um vor Mädchen UND Buben über ihren Beruf zu sprechen, und ein Kindergartenpädagoge lässt sich von Mädchen UND Buben einen Arbeitstaglang begleiten. Darüberhinaus spiegelt oftmals auch die schulinterne Lehrer_innenschaft eine fachliche Geschlechterrollenverteilung wider, die durchaus diskutabel wäre (… und an dem Punkt könnte ich mich auch in einer Kritik von Unterrichtsinhalten und deren Unsichtbarmachen von Frauenleben und -leistungen verlieren, aber dazu vielleicht später).

Wenn man Jugendlichen tausendmal erklärt, Kindergärtnerin sei ein typischer Frauenberuf und Mechaniker ein typischer Männerberuf, dann kann das durchaus eine abschreckende Wirkung auf spätere Berufswünsche ausüben. Der Traumjob Mechanikerin kann wegen der Aussicht auf die Arbeit in einem reinen Männerbetrieb fallen gelassen werden. Parallel dazu werden Buben durch den Girls’ Day extra darauf aufmerksam gemacht, dass klassische Frauenberufe – die man den Mädchen ausredet – neben dem ohnehin unattraktiven Image auch noch schlecht bezahlt sind. Aus welchem Grund genau sollten Buben dann derlei Berufsentscheidungen treffen?

Unterm Strich richtet der Girls’ Day mehr Schaden an, als er gutmachen kann.