Schlaf, Kindlein, schlaf

Schlagwörter

, , ,

Wenn du schläfst, bin ich alleine. Es ist still. Ich konzentriere mich auf das Surren des Kühlschranks und das Ticken des Weckers. Es bleibt still. Dann öffne ich das Fenster, damit der Straßenlärm die Räume füllt. Obwohl warme Luft hereinströmt, streift mich ein Schauer. Gänsehaut. Die Wörter aus der Zeitung schweigen mich an. Die Töne aus dem Radio ducken sich hinter der Stille. Ich kappe die Internetverbindung, schließe den Laptop und vergrabe mich im Sofa. Es ist grün und weich.

Manchmal bin ich auch alleine, wenn du wach bist.

Bild via Sirchill

Von dem Tag, an dem das Außergewöhnliche gewöhnlich wurde

Schlagwörter

, , ,

  • Drei Frauen.
  • Drei Sandalen.
  • Drei Leben.
  • Drei-mal entspanntes Im-Sessel-Fläzen.
  • Drei Lachen.
  • Drei Wochenenderzählungen.
  • Zwei weiße Spritzer.
  • Zwei Wetter aus Schwüle und Regentropfen.
  • Zwei Zigaretten.
  • Zwei Arbeitswelten.
  • Zwei Gnocchi mit Pilzsauce.
  • Zwei Sommerkleider.
  • Ein Hollundersoda.
  • Eine Stadt.
  • Ein Getratsch-Karussell.
  • Eine Mittagspause.
  • Ein Sonnenschirm.
  • Eine Gedankenwelt.
  • Ein Baby.

Nichts ist wie immer.

Alles ist wie immer.

Schöner hässlicher Muttertag

Eigentlich wollte ich etwas zu diesem Time-Cover in Verbindung mit der Berichterstattung des österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu dieser und ähnlichen Thematiken (Mütter überfüttern ihre Babys oder “Konvention” vs. “Attachment” oder Meinen es manche Mütter zu gut) loswerden. Allerdings habe ich zu ersterem schon so viele auf den Punkt gebrachte Kommentare (z.B. auf The Mamafesto oder von Viv Groskop) gelesen und jetzt doch keine Lust, mir von zweiterem diesen Nachmittag verderben zu lassen. Und dann habe ich hier (Fuckermothers) den ohnehin besten Kommentar zum Muttertag gefunden und beschlossen, es dabei zu belassen.

Heute sicher nicht

Naja, nicht ganz. Das hier noch:

Wir sind Brüder und Schwestern, denn wir haben alle dieselbe Mutter – Mutter Erde.

Xokonoschtletl Gomora (In: Ansichten eines Wilden über die zivilisierten Menschen)

Unbemerkt blieb das Wanken

Schlagwörter

, , ,

Die beiden alten Frauen sehen vornehm über das Gekeife ihrer Hunde hinweg. Faltige Hände auf faltigen Röcken abgelegt. Unter jedem Baum steht ein Kinderwagen. Daneben auf eine glatt gestrichene Decke platziert: die Mütter, die Babys. Die Sonnenplätze sind reserviert für die Schülerinnen mit den gestreiften Bikinioberteilen und den Bändern im Haar. Sie cremen sich stündlich ein und lassen ihr Lachen in den Blättern rascheln. Ein Sportler-Pärchen schwitzt beim Dauerlauf und vergisst – gestört durch ein rotes Frisbee, das sich zwischen ihren Beinen verheddert – auf den Gleichschritt. Hier! Entschuldigung! Zwei junge Männer fuchteln verlegen mit den Armen. Ein wuchtiger Mann in roten Bermudas ist Zaungast. Grinst kurz. Dann lümmelt er sich tiefer in die Bank. Sein Blick schweift über den Rasen, weicht den Hundefrauen aus und wagt sich bis zu den hellen Schülerinnenrücken vor. Dann schwenkt er zurück. ‘Hausgemachte Sangria’ preist eine schwarze Schiefertafel an. Dahinter, der Eingang in den verunsichernd sympathischen Gastgarten. Stimmengemurmel als Draußen-Klangkulisse.

Es ist Sommer in Wien. Keiner merkt, als die Fassade für einen Sekundenbruchteil wankt.

Ein Schlenker nur. Trotzdem.

Es ist kalt geworden.

Von tyrannisierten Körpern und einem verlassenen Wien – Wochenendlektüre

Schlagwörter

, , , , , ,

Susie Orbach: “Die Industrie zielt darauf ab, Frauen und ihr Körpergefühl zu schwächen, sie kreieren so Bedürfnisse und damit einen Markt, weil die Frauen sich wieder stärker fühlen wollen.” Die Psychoanalytikerin findet, der Feminismus habe verloren: “Wir bringen Jungs immer noch bei, stark und machomäßig zu sein, wir stecken kleine Mädchen in rosa Prinzessinnenkleidchen und Frauen ziehen sich wie Püppchen an.” (In: Nido 5/2012)

Bild via www.comunista.at

Christina Maria Landerl: “Ich habe angefangen, die Stadt nach mir abzusuchen. Ich habe nicht viel gefunden. Nichts, was mich an mich erinnert hätte. Keinen Grund, hier zu sein, und auch keine Berechtigung. Offensichtlich hatte ich hier nichts verloren. Also bin ich geblieben.”

Bevor die Glut in dir erlischt, verlass die Stadt, die keine ist.

Erwin Koch: “Sie ist jetzt vierzig und hat Brüste. Nicht dass die hässlich wären oder schmerzten. Aber lieber wäre ihr, Sabine hätte keine. Sie schminkt die Lippen rot und stöckelt durch die Stadt, Kafka im Gepäck oder Frisch, manchmal Funke, Die wilden Hühner oder Tintenherz. Eigentlich will sie keine Frau sein, sagt Sabine B. über die, die sie ist, geboren am 8. August 1971, vier Wochen zu früh. Ganz klein will sie sein, leicht und klein und hübsch, damit jemand Sabine umarmt.” (In: Datum/2012)

A heroine, still

Schlagwörter

, , ,

Die Musik von Courtney Love begleitete mich durch meine Jugend. Jetzt macht sie also (bildende) Kunst. Auf diese Art und Weise wieder von ihr zu hören und ihre Arbeit nach wie vor zu schätzen, verbindet zwei weitere lose Enden zwischen mir und der, der ich einst war. Das fühlt sich gut an.

And she’s not even pretty.

Bild via fuckyeahfeministartandliterature.com

“A title she once used for a zine in the early ’90s, ‘And She’s Not Even Pretty’ references the way girls put down other girls, in respect to boys.” (aus: www.huffingtonpost.com)

Bild via fuckyeahfeministartandliterature.com

“Good sister, bad sister
Better burn that dress, sister.”

(aus: “Good Sister, bad sister” by Hole)


Lasst uns die bösen Mütter bespucken!

Schlagwörter

, ,

Eigentlich habe ich mit dem Thema Stillen für mich abgeschlossen – ich habe mich damit auseinandergesetzt, eine gefestigte Meinung dazu und halte es für unnötig, diese mit anderen Menschen zu diskutieren. Und dann kommt ein Artikel wie hier auf www.zeit.de (“Schluss mit dem Muss”) und vorbei ist es mit meiner Sonntagssommermorgengutelaune. Einfach, weil ich mich wider besseren Wissens durch die Kommentare geklickt habe und wieder einmal fassungslos bin, in welcher Art und Weise beim Thema Stillen über Mütter und ihre Entscheidungen diskutiert wird – einzelne Schlagwörter ausgetauscht und die Debatte ist eine Antiraucherhetzkampagne.

Manchmal möchte ich all’ die KommentarschreiberInnen in einem Raum versammeln, nur um zu sehen, wer so Sätze von sich gibt wie: “Wer aus Ideologie oder wegen ‘Unannehmlichkeiten’ nicht bereit ist zu stillen, ist auch nicht reif für ein Kind” oder “Wer nicht stillen will, sollte kein Kind bekommen” oder “Es sollte eine gesetzliche Stillpflicht geben”. Welche Gefühle das alles in mir auslöst, kann ich mit Worten schwer beschreiben. Es ist vor allem Wut. Die Wut darüber, dass das Stillthema immer wieder Mütterbilder, oder besser noch Mütterideale, zum Vorschein bringt – die gefühlt einen Schritt von der Verleihung des Mutterkreuzes entfernt sind. Dann die Wut darüber, dass über ein höchstprivates Thema nicht nur auf einer Metaebene diskutiert wird, sondern der Diskurs im Wortsinn auf den Körpern der Frauen ausgetragen wird. Und die Wut darüber, dass der Feminismus immer wieder als Feind des Stillens, als Feind des Babywohls und als Feind der Familie generell herhalten muss. Selbst die möglicherweise in diesem Rahmen fast “differenzierte” Diskussion darüber, welche Entscheidung gegen das Stillen nun vielleicht doch gerechtfertigt ist, lässt mir alles hochkommen. Der Tenor: Wer aus egoistischen – sprich ästhetischen, karrieretechnischen, praktischen – Gründen nicht stillt, ist eine schlechte Mutter – oder um mit den Worten eine_r_s Poster_s_in zu sprechen: “… kann zur Disposition gestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine gute Mutter handelt”. (wie schön sich die Diskussion doch in bürgerlich-wohlklingende und aufgeklärt-gebildete Worte packen lässt, nicht?)

Bild: “Le cattive madri” (“Die bösen Mütter”) von Giovanni Segantini

Lasst uns also alle diesen heutigen schönen Sonntag nutzen, um zwei Reihen zu bilden. Auf der einen Seite dürfen sich die guten Mütter aufstellen, in die anderen werden die bösen Mütter gepfercht. Die bösen Mütter, die nicht stillen und damit ihren Kindern Liebe, Gesundheit und Geborgenheit verweigern.  Die bösen Mütter, die ihre Kinder auch noch im Kindergartenalter stillen. Die bösen Mütter, die ihren Kindern Süßigkeiten geben. Die bösen Mütter, die ihre Kinder fernsehen lassen. Die bösen Mütter, die ihre Kinder zu früh in Betreuungseinrichtungen geben. Die bösen Mütter, die wie Glucken auf ihren Kinder sitzen. Die bösen Mütter, die Feministinnen sind und es wagen, auch an sich zu denken (die Betonung liegt auf “auch”). Die bösen Mütter, die Kinder bekommen haben, und nicht ihren Lebensentwurf entsprechend um diese neue Lebenssituation herumbauen, sondern versuchen einfach weiterhin zurecht zu kommen.

Und dann lasst uns alle auf diese bösen Mütter spucken. Pfui!

(Ich gehe mich inzwischen beim Jugendamt selbstanzeigen)

Alle werden plötzlich 30

Schlagwörter

, ,

Alle werden plötzlich 30. Aber alle fühlen sich zu jung dafür.

Alle tragen Verantwortung. Aber alle wollen sie nicht übernehmen.

Alle verwirklichen sich selbst. Aber alle fühlen sich ohne Wahl.

Alle sind schick und en vogue. Aber alle haben Angst vor der Zukunft.

Alle anderen. Bin ich alle? Wer sind alle?

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.