Ich = junge Mutter

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Für dich als junge Mutter. Für eine junge Mutter. Als junge Mutter. Jungmutter. Mutter. Mutter. M U T T E R. Wieder und wieder und wieder flattern diese Worte aus dem Mund des Chefs, als wir meine Zukunft im Unternehmen besprechen. Sie treffen mein Feministinnenherz und bohren sich wie ein Pfeil durch es hindurch.

“Wenn du mich noch einmal als junge Mutter und nicht als Journalistin bezeichnest, stehe ich auf und gehe” – habe ich natürlich nicht gesagt, sondern geschluckt. Mehrmals. Ist ja super, wenn einem das Unternehmen entgegenkommt. Fordere ich nicht den lieben langen Blog auf und ab, dass Arbeits- und Lebenswelt Veränderungen brauchen – solche, in denen viele verschiedene Lebenskonzepte Platz haben. Auch das der Familie. Super. Ja. Nur, so super hat sich dieses Gespräch nicht angefühlt. Im Gegenteil. Es ist ein ganz schön un-superer Nachgeschmack geblieben.

Ich habe seit eineinhalb Jahren diesen Reflex, der immer wieder der ganzen Welt zeigen muss, dass ich zwar Mutter bin, aber trotzdem noch voll und total und ganz und mit Leib und Leben einsetzbar sein kann für die 50- und mehr-Stunden-Arbeitswelt. Als ob das irgendetwas beweisen würde. Wenn ich nun laut von Teilzeit träume – und das mit dem Kind zusammenhängt, aber auch mit dem Rest meines Lebens, das seit zwei Jahren gefüllt ist mit so viel mehr als Lohnarbeit – , dann sehe ich das nachsichtige Nicken der anderen (btw wer seid ihr überhaupt, die ihr in meinen Gedanken nickt?): “Ja, jetzt sieht sie es. So leicht ist es eben nicht. Als Mutter muss man im Arbeitsleben zurückstecken. [Bekannt-beliebiges Blablabla einsetzen]“

Weil Feminismus nach außen hin sooft mit Karriere-machen in Verbindung gebracht wird, fühle ich mich beim Gedanken an die herbstliche Teilzeitarbeit in jene ominöse Falle tappen, vor der alle warnen (und ich möglicherweise selbst früher einmal gewarnt habe …?). Und fühle mich dabei ganz furchtbar unfeministisch. Und wenn ich dann in Gesprächen über meine beruflichen Pläne anfüge, dass ich über die Teilzeit hinaus selbstständig tätig sein werde/will und dann noch studiere und das und das … dann fühle ich mich wie eine, die vertuschen will, ein Stepford’sches-Hausfrauen-Dasein anzustreben. Im nächsten Gedankengang finde ich es wiederum schrecklich, dass ich überhaupt versuche, mich für Teilzeitüberlegungen zu rechtfertigen.

Allerdings fangen viele dieser Gespräche – und das ist vermutlich die Crux – nicht mit der Frage nach meinen beruflichen Plänen an, sondern mit der Suggestivfrage: “Und wenn eure Karenzzeiten dann beide vorbei sind, was machst du dann? Arbeitest du dann weniger?”

Ich glaube, ich kaufe mir jetzt besser ein T-Shirt, um meine Einstellungen nonverbal zu kommunizieren, als mein Leben für ein Feminismus-Bild zurecht zu reden, dem ich nicht einmal anhänge.

(Bild via Wise Wise Woman)

 

Nachtrag: passendes, aktuelles Interview mit Corinna Milborn dazu (Format)

I watched you in the dark

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Warum ich den Muttertag nicht feiere.

Weil Elternsein keine Frage des Geschlechts ist. Weil Kinderlosigkeit keine Defizitbeschreibung ist. Weil unsere Geschichten zu verschieden für ein Etikett sind. Weil universalisierte Gedanken einengende Strukturen festigen. Weil Normen verletzen können.

Warum ich den Muttertag feiere.

Weil ich auch Tochter bin. Weil ich andere Mutter-Selbstverständnisse zu verstehen versuche.

… und weil manche Gespräche über das, was wir wollen, eben nur anlassbezogen stattfinden. In dem Sinne: Spread the word!

Mother protect (Niki and the Dove)

Gehäufte Geburtsgedanken

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Mittwoch

“Ich erlebe immer wieder, dass es für manche Mütter zu schmerzhaft ist, an den Ort ihres ‘Versagens’ zurückzukehren, einerseits weil sie sich ‘schuldig’ fühlen, ihrem Kind nicht ein ‘normales’ Zur-Welt-Kommen ermöglicht zu haben, andererseits weil ihre eigene persönliche Verletzung und Enttäuschung noch zu groß sind”, steht in dem Text eines Arztes über heilende Gespräche mit Säuglingen und Kindern, den die Spielgruppenleiterin vor kurzem ausgeteilt hat. Zuvor war der Fall einer Klientin geschildert worden, die sich auf eine “harmonische Entbindung” gefreut hatte. Dann war es bei der Geburt zu Komplikationen gekommen und ein Notkaiserschnitt musste gemacht werden. Nach der Narkose wollte die junge Mutter ihre Tochter nicht sofort in den Arm nehmen und stillen. Schon in der nächsten Spielgruppenstunde zieht eine Mutter die Pädagogin zur Seite – der Artikel hat Gedanken an das eigene Geburtserlebnis hervorgerufen und verstört.

Montag

“So natürlich wie möglich”, wiederholt die Bekannte, als sie von ihrer liebsten Geburtssituation spricht. Und: “Wenn ich es zusammenbringe.” Sie hat von Studien gehört, die belegen sollen, dass Kaiserschnitt-Kinder im Erwachsenenleben zu Depressionen und sonstigen psychischen Beeinträchtigungen neigen.

Sonntag

“Die Idee, ihn [Anm.: den Fötus] für vogelfrei zu erklären, weil er sich erst in einem halben Jahr bewusst wahrnehmen wird, ist für mich ebenso wie die Idee, dass es sich bei ihm nur um einen Körperteil seiner Mutter handelt, ein Bruch mit der Hochachtung vor dem Menschsein an sich”, schreibt ein Kolumnist in der “Presse am Sonntag”. Und in der Woche davor: “Dabei sollte die Diskussion um Abtreibung in erster Linie nicht um Glaubenssätze gehen, sondern darum, ob ein Ungeborenes ein Mensch ist, und, falls ja, ob man friedliche Menschen töten darf.”

(Bild via blogs.warwick.ac.uk (c) Frida Kahlo “Mi Nacimiento”)

… solche geballten Aussagen innerhalb weniger Tage lassen mich fast resignieren – wie um alles in der Welt kommen wir da wieder heil raus, frage ich mich jeweils leise. Und dabei gäbe es viel Lautes darauf zu antworten. Gefühlte Stoßrichtung: Lasst euch nicht von den alten Männern (polemisch? ja, bitte!) einschüchtern, die Frauen seit Jahrhunderten erklären, wie sie gebären sollen! Und natürlich verweise ich auf das (Empfange! Gebäre! Sei glücklich!) und das (Die Geburt als Trauma). Hat jemand einen E-Mail-Verteiler aller Frauen? Hat jemand ein Flugzeug mit Transparent-Schwänzchen? Kann mir jemand ein Riesenmegaphon basteln?

Aber dann stelle ich doch wieder nur die Frage der No-Na-Fragen: Was genau ist eigentlich der Grund dafür, dass ab dem Moment der Schwangerschaft der Mensch “Frau” mit all seinen Bedürfnissen und Problemen ausgeblendet wird? Die Geburt ist eine Leistung, die eine Frau nach einem bestimmten Regelwerk (vaginal, ohne Schmerzmittel) zu vollbringen hat. Punkt. Alles andere hat ärgste Auswirkungen auf das Kind. Misogyn nenne ich all das. Der Kaiserschnitt ist ein Versagen (in Anführungsstrichen zwar, aber … hey, so ist das nun ‘mal) und die Fristenlösung wird in so genannten Qualitätszeitungen Tötung genannt (in einer Kolumne zwar, aber … hey, das ist freie Meinungsäußerung). Und das Ergebnis? Frauen, die Vorstellungen von einer Geburt entwickeln, die viele nicht erfüllen können – Gründe dafür liegen auch in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (dazu: Birth is a feminist issue). Die Konstruktion von der “natürlichen Geburt” hat sich tief in unseren Köpfen verankert. Ebenso wie die Annahme, dass die Frau sich schon bemühen muss und nicht wehleidig oder egoistisch sein darf, um sie zu “schaffen”. Immerhin geht es um ein armes, hilfloses Menschenkind.

Ich habe ein Denksportaufgabe für all die Verbreiter(_innen) dieses Gedankengutes: Ratet doch, wer sich viele, viele Jahre lang um das arme, hilflose Menschenkind kümmern wird. Und auch, wie das wohl gelingt, wenn diese Person mit Schuldgefühlen beladen oder gar traumatisiert ist von einem Erlebnis, das ursächlich mit eben diesem armen, hilflosen Menschenkind zusammenhängt. Na …?

Gebären ist ein zutiefst emotionales Thema und Zynismus keine gute Begleiterin, ich weiß das. Ein Schutzmantel tut manchmal not. Immerhin reden wir hier von uns, unseren Körpern und unseren Babys, die in uns und von uns gelebt haben. Wir reden auch von Angst und von Unsicherheit. Aber letztendlich reden wir von Liebe. Lassen wir uns nicht von anderen vorschreiben, in welches Kleid wir diese zu hüllen haben – sonst besteht die Gefahr, das sie in ihrer Verkleidung verloren geht.

aZ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Bild: aZ)

Du wärst eine tolle Mutter!

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Mutter-Sein – manchmal kommt es mir selbst absurd vor, wie viel ich dazu zu sagen habe. Und wie oft. Und in welchem Ausmaß.

Aber dann werde ich wieder und wieder daran erinnert, warum das so ist. Eine Mutter zu sein, das erklärt dir die Gesellschaft* unermüdlich, ist die Bestimmung eines jeden Mädchens. Kinderlose Frauen aus meinem Heimatort hatten schon immer den Stempel des Mangelhaften. Ihnen “fehlte” der Nachwuchs, um als vollständige Frau gesehen zu werden. Dass die Mutter-Werdung zwangsläufig zur Vollendung des Lebens (aus extrinsischer Motivation ebenso wie aus intrinsischer versteht sich) gehört, wird – abgesehen vom rollenspezifischen kindlichen Spiel und Spaß – erstmalig in der Schule fühlbare Wirklichkeit: in Form der (mehr oder weniger) verpflichtenden Massenrötelnimpfung.

(Bild via taz.de (c) designritter/photocase.com)

Wie ein roter Faden zieht sich die Vorbereitung zu dem vermeintlichen Gipfel des Frauseins durch das Leben. Fragten wir uns als Jugendliche noch gegenseitig, ob wir später einmal Kinder haben möchten oder nicht (ich erinnere mich nur an eine einzige Freundin, die dies verneinte – sie verwies dabei auf das Leben ihrer kinderlosen, beruflich erfolgreichen Tante, der sie nacheiferte), begnügen sich jegliche Verwandte und Bekannte ab einem gewissen Alter mit der schlichteren Frage nach dem Wann. Und wie oft werden kinder/pflege/beziehungs-bezogene Tätigkeiten mit einem “Du wirst einmal eine super Mama!” quittiert. Mädchen bzw. Frau darf sich über das vermeintliche Kompliment dann freuen – und, das will ich gar nicht absprechen, tut es_sie in vielen Fällen konsequenterweise auch. So formt sich vermutlich in jeder nach und nach ein Bild davon, wie  eine so genannte “super Mutter” zu sein hat. Besteht eine heterosexuelle Beziehung länger als ein Jahr, bezieht das Paar auch noch eine gemeinsame Wohnung und/oder heiratet, dann wird im Fall von Kinderlosigkeit nicht selten darüber spekuliert, ob denn “irgendetwas” nicht passe/funktioniere (“An wem liegt es denn?”).

“Ich kann mir dich eigentlich gar nicht als Mutter vorstellen” – das ist auch so ein Satz, den ich hin und wieder gehört habe. Als drehte sich alles im Leben einer Frau darum, erst die Idealkandidatin für ein Baby zu werden (wenn sie nicht ohnehin dazu geboren wurde) und dann die Erfüllung in der Umsetzung dieser Kompetenzen zu finden.

Nein, es ist kein Wunder, wenn mich das Thema Mutter-Sein in diesem Ausmaß beschäftigt. Als Noch-nicht-Mutter hatte ich nur keine Vorstellung davon, wie präsent all die in Vergangenheit und Gegenwart getätigten nett gemeinten, klug angefügten oder schlicht fordernden Sätze zur Mutterschaft sein würden. Das mag zu einem großen Teil an meinen eigenen Befindlichkeiten liegen, die sich dagegen wehren, anderer konservativ-klassische Bilder erfüllen zu wollen. Die damit einhergehenden Zwänge sind nur so penetrante und beständige Begleiter geworden – das lässt sich mit feministischem Selbstverständnis nicht abschütteln. Einerseits war das Einbläuen zu lange und zu eindringlich, andererseits wird die Notwendigkeit des Aufbegehrens fast täglich bestätigt. Dann nämlich wenn ich Frauen (Müttern) begegne, die sich dem Druck beugen (müssen).

Bild 1

(Bild: Screenshot aZ)

Ein Druck, der eben auch durch das jahrelange, mantra-mäßige Beschwören des Ideals der guten Mutter entsteht. Denn wenn jemand das Zeug hat, eine gute Mutter zu werden, dann besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass sie scheitert. Die zaghafte Frage “Bin ich jetzt eigentlich die gute Mutter, die alle meinten, dass ich sein würde?” drängt sich früher oder später wohl auf.

Für die vielen kinderlosen Frauen hat die Gesellschaft* eine besonders perfide Abwandlung des weiblichen Ziels Mutterschaft auf Lager: den Konjunktiv. “Du wärst eine gute Mutter.” Der Satz ist für die gedacht, die biologisch gesehen noch die Chance hätten, sich derart zu verwirklichen. Oder aber: “Du wärst eine gute Mutter gewesen.” Die Frage nach dem “Warum (wurdest du es) nicht?” schreibt sich in solchen Fällen schon förmlich selbst in die Luft.

Immer und immer wieder dieser Satz. “Du wärst so eine gute Mutter!” Unnötig zu erwähnen, welchen Druck (Schwieger-)Eltern auf ihre (Schwieger-)Töchter ausüben können, wenn sich diese dazu entschließen, ihnen das Glück der Großelternschaft zu verwehren. Die Bereitschaft zur emotionalen Erpressung kennt in manchen Fällen keine Grenzen.

Jen Kirkman, Autorin von “I can barely take care of myself. Tales from a happy life without kids”, schreibt über das Statement “Du wärst/wirst eine gute Mutter: “This statement is at best condescending and at worst, patently false and potentially dangerous.”

Können wir uns also alle darauf einigen, es eigenartig zu finden, Frauen immer wieder zu bestätigen, dass sie gute Mütter sein werden/wären/gewesen wären?

Oder mit den Worten von Jen Kirkman: “There are a lot of things I might be good at, such as competitive figure skating, window washing from ten stories up, and being an open heart surgeon. I might also make an excellent Kamikaze pilot—except for the fact that I don’t want to learn how to fly and have no interest in taking my own life on behalf of Japan.”

(Bild via www.thecitrusreport.com)

* die Gesellschaft steht hier als anonymes Konstrukt. Ich will damit die Sprecher_innen nicht aus der Verantwortung entlassen, sondern darauf hinweisen, dass es sich um strukturell aufrechterhaltene Normen und Zwänge handelt.

Was es ist

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>By the way<, fragt sie mit gespitzten Lippen. >Wie lange dauert es noch?<

>Ich finde ja<, raunt er resignierend, >das Wort ‘es’ wird landläufig maßlos unterschätzt.<

>Das Freudianische ‘Es’, das Personalpronomen ‘es’ oder das Scheinsubjekt ‘es’?< Sie ärgert sich über missverständliche Bemerkungen genauso wie über zu lange Autofahrten – besonders dann, wenn diese schamlos ungetarnt als Pseudophilosophie verkauft werden.

>Siehst du<, er setzt den Blinker und biegt triumphierend in die Seitenstraße ein. >Da hast du es!<

Und sie denkt, während ihre Hände wie von Geisterhand gelenkt in Richtung des Verkehrsspiegels am Straßenrand winken: Manchmal geht es eben um mehr.

(Bild via flickr.com/gjurich)

#9 Be calm

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Ich verteile mit den Schuhen Spielplatzsand vom Vortag im Lesesaal der Bibliothek und freue mich über E-Mails mit Situationsfotos vom Kind. Ja, ich vermisse die gemütlichen vormittäglichen Badewannen-Sessions und das gemeinsame Jausnen. Ich würde gerne die Sonne auf einer Bank im Park genießen, während K. jedem Hund entgegenläuft und mit deren Besitzer_innen scherzt. Außerdem fehlen mir die spontanen Kuscheleinheiten und das unermüdliche Gekicher über Spielzeugponys und Quietschenten. Stattdessen treffe ich mich spontan zum Mittagessen mit einer Freundin, führe berufliche Telefonate ohne Unterbrechungen und staune über die Produktivität eines mehrstündigen Gedankensturzes.

Ich bin hin- und hergerissen.

Eine Ahnung macht sich breit: Das ist mein neues Leben. Dieses Gefühl der inneren Zerrissenheit wird bleiben.

Resümiert habe ich diesen Zustand in den letzten Tagen oft – in den vielen Gesprächen und auf die vielen Nachfragen hin. Etwas Wesentliches habe ich allerdings erst gestern erkannt und meine halb-feministischen halb-persönlichen hypothetischen Vorüberlegungen zu der Nach-Karenzzeit plötzlich in einem sehr schönen Gefühl wiedergefunden: Der Abstand von meiner Tochter tut uns beiden gut. Und das liegt daran, dass ich wieder ausgeglichener bin. Gelassen und ruhig.

(Bild via likeyou.com (c) Fischli/Weiss: How to work better | 1990)

Meine Geduld war in den letzten Karenzwochen praktisch absent. Ich habe sie nun unverhofft wiedergefunden. Wenn sich K. weigert, die Windel zu wechseln, wenn sie das Essen quer im Zimmer verteilt, wenn sie sich trotzend zu Boden wirft … wenn sie einfach ein eineinhalbjähriges Kind ist, dann kann ich plötzlich wieder die gelassene und geduldige Mutter sein, die ich gerne sein möchte. Es ist schön, der Elternteil zu sein, der lachend an der Türe empfangen wird. Es ist schön, am Abend noch eine Stunde am Teppich herumzulümmeln und Bausteine zu stapeln, ohne dabei ständig auf die Uhr zu blicken und zu hoffen, dass endlich Bettgehzeit ist. Und es ist schön, Nähe auskosten zu können und nicht aushalten zu müssen. (Ich möchte nicht verschweigen, dass es nicht besonders schön war, dass K. meine Abwesenheit in den ersten Tagen nicht besonders gestört hat und sie die Daueranwesenheit vom Freund derart euphorisch zelebriert hat, dass ich mich schon fast von ihr abgelehnt gefühlt habe …)

Selbst wenn ich hundertmal weiß, dass diese Gelassenheit kein Dauerzustand sein wird und die Anstrengungen im Alltagsleben nur auf ihre Gelegenheit warten, so tut dieses neue Lebensgefühl unendlich gut.

Manche Freitage sind anders

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Nasekomix | Inject me with love 

(aus dem Film Eastern Plays von Kamen Kalev)

“I was a robot my whole life – and now I know how to reprogram myself.”

Aus der vermeintlichen Serie “Das Lied zum Freitag” ebenfalls erhältlich:

Let’s talk about gender, baby (The Knives | Full of Fire)

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

Neue Väter. Ein Perspektivenwechsel.

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Am Vorabend seines Karenzbeginns haben der Freund und ich uns betrunken angestoßen. Worauf genau, darauf haben wir uns nicht festgelegt. Auf in einen neuen gemeinsamen Abschnitt! An diesem Tag wurde auch in seinem Büro angestoßen – inklusive Witze über seine interne Pionierrolle als Väterkarenzler. Er solle froh sein, dass zumindest die Stillzeit vorbei sei. Und dass er vermutlich in einem Monat verzweifelt wieder zurück ins Büro wollen werde. Und dass er sich nur nicht allzu große Hoffnungen machen solle, weil der Sommer eher mau würde. Ab in den großen langen Urlaub, so der Tenor. Um mit einem Augenzwinkern zuzugestehen: Nein, Kinderbetreuung ist natürlich eh Arbeit, gell!? Haha, genau. Ein bisschen muss ich mich bei solchen Erzählungen immer ärgern, auch wenn ich mich eigentlich freue, dass zumindest in diesem Kreis der nächste werdende Vater nur mehr schwer sagen kann “ich kann einfach nicht in Karenz gehen, weil … wegen der Arbeit, du weißt schon”. Anders als bei den Kolleginnen, die parallel Mutter wurden, gab’s bei meinem Freund natürlich große Diskussionen und Versuche, das von ihm angepeilte halbe Jahr zu verkürzen. Aber ehrlich. Ein halbes Jahr? Fast zwei Jahre vorher angekündigt? Eine Firma, die so etwas nicht managen kann … ich weiß auch nicht. Ganz zu schweigen von den (noch) (werdenden) Müttern dort, wenn sie hörten “Na, aber ob du diese oder jene Rolle nachher auch noch spielen kannst, können wir dir nicht versprechen”. Nun, es ist durchgefochten und mein Freund “darf” ganz offiziell ein neuer Vater sein.

Aber was ist eigentlich ein neuer Vater? Und was sind die dazugehörigen neuen Mütter? Mein Freund meint zur Debatte um die Identitätskrise besagter neuer Väter, dass er zwar nicht von Krise sprechen würde, aber er eben so überhaupt keine Vorbilder für sein elterliches Tun habe. Aber ehrlich gesagt, ich doch auch nicht. Nicht wirklich. Nicht außerhalb dieses Internets. Genau, so er daraufhin, aber ich hätte immerhin den Feminismus.

Wer hat’s nun schwerer? Und wenn ich weiß, dass der Fehler schon in dieser Frage liegt, warum stelle ich sie dann andauernd?

(Bild via karmakonsum.de)

Wir beide, also mein Freund und ich, brechen aus dem traditionellen Rollenbild aus. Eigentlich gar nicht so extra bewusst, sondern weil es für uns persönlich ein natürlicher Weg ist. Seitdem ein Kind mit im Spiel ist, wurde es kompliziert. Salopp und wenig differenziert gesagt, bedeutete K.s Geburt für uns: Ich wollte weniger vom klassischen Frauenbild und er mehr. Aber wir haben uns geirrt, dass wir unseren Weg einfach so fortsetzen würden können, denn diese Rechnung kann nicht ohne “die” Gesellschaft gemacht werden. Ich muss mich seither durchsetzen gegen Stimmen, die mein Leben kommentieren und damit suggerieren (oft erstaunlich unsubtil), dass ich keine gute Mutter bin und egoistisch und und und. Und er? Er muss sich durchsetzen gegen Stimmen, die ihn zwar weniger kommentieren, die ihn aber mehrheitlich mit einem milden Lächeln bedenken. Oder besser gesagt, belächeln, weil er sich ja so bemüht und weil er nun eben seinen “Spleen” auslebt. Dafür gibt es aber portionsweise Lob (für sein Engagement und so. Ich dagegen muss froh sein, “so einen Mann” gefunden zu haben…). Wogegen sich mein Freund unabhängig davon auch noch durchsetzen muss, sind jene Stimmen, die ihm in der Arbeitswelt Steine in den Weg legen wollen. Mit den Problemen, die bislang hauptsächlich nur Mütter betroffen haben.

Seht ihr, worauf ich hinaus will?

Ich bemühe mich wirklich, eure Probleme zu verstehen, liebe (verhinderte) neue Väter. Aber wenn ich ehrlich bin, außerhalb meines privaten Umfelds, scheren sie mich einen Dreck. Denn ihr lebt eure Ängste auf den Rücken der (eurer) Frauen aus. Ihr drückt euch, wovor Frauen sich nicht drücken können. Ich will eure blöden “ich bin gefangen im Rollenbild”-Ausreden nicht mehr hören. Und auch nichts von Männlichkeitsverlustängsten. Oder, dass der Job dann drunter leidet oder eben die Finanzen. Woohoo! Denkt ihr, das ist neu für Frauen, die Mütter sind oder werden wollen? Merkt ihr nicht, dass ihr eine Wahl habt und wir noch immer nicht?

Warum regt mich das Thema neue Väter – oder dessen mediale Behandlung (selbst in seiner Widerlegung) – eigentlich so auf? Es sind ja nicht die neuen Väter selbst, die mich aufregen. Nur die, die nur so tun als ob sie dazugehören (weil sie z. B. glauben, mit zwei Karenzmonaten ihren Anteil beigetragen zu haben bzw. dass nach einer halbe-halbe Karenzzeit alles gut sei bzw. dass Windelwechseln und Flascherlgeben unschlagbar entgegenkommen sind). Und die, die sie belächeln. Und am meisten regt mich natürlich nach wie vor diese Struktur auf, die tausend Gründe bereithält, warum das mit dem neuen Vatertum doch noch nicht so ganz funktioniert.

All diese Probleme, die junge Väter beschäftigen, die Identitätssuche, die Ängste, der Gegenwind, all diese Probleme entsprechen meinen Problemen als Frau und Mutter zutiefst. Vermutlich kränkt es mich, dass der Kampf dieser männlichen Minderheit um so viel positiver quittiert wird, als jener von Frauen. Mich ärgert auch, dass bei Müttern immer nur die Rede ist von der “Karriere”, die mit der Familie zu vereinbaren sei. Bei Männern ist es grundsätzlich kompliziert. Das Thema Kind und Karriere ist ein wichtiges, aber doch nicht der Dreh- und Angelpunkt der Diskussion. Denn damit wird die Mehrheit der Frauen von vornherein ausgeschlossen. Es muss auch um die Frauen in Niedriglohnberufen und um Frauen in anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen gehen. Um Frauen mit Jobs eben. Es muss viel genereller um unsere Lebenskultur und Arbeitswelt gehen bzw. um deren Veränderung (eine bekannte Utopie dazu ist die Vier-in-einem-Perspektive und stammt von Frigga Haug). Auch das ärgert mich: Dass mit den “neuen Vätern” wieder nur ein einzelner Aspekt eines großen Themas gefunden wurde, der mittlerweile schon seit ein paar Jahren medial durchexerziert wird und der doch nur elegant an der Kernproblematik vorbeischwindelt.

(Bild via www.smh.com.au (c) Cathy Wilcox)

Dieser Knopf in meinem Kopf mag sich bei dem Thema gar nicht lösen. Ich würde mir eine Politik wünschen, die gegen diese Strukturen wirkt – die wünschen sich Feminist_innen ohnehin. Mittlerweile tendiere ich zudem immer mehr dazu, den_die einzelne_n in die Pflicht zu nehmen. Sehr viele sind nicht in der Lage dazu, das ist mir bewusst. Aber es sind zu viele, die ein Umdenken in Unternehmen durch persönliche Entscheidungen (wie es eben ein Karenzantrag sein kann) bewirken könnten, die darauf verzichten, obwohl sie die Ressourcen hätten. Dass diese Männer Farbe bekennen, das wünsche ich mir. Und zwar nicht als Entgegenkommen an die Frauen, die sonst wieder nur vom “good will” der Männer abhängig sind, sondern aus einem Umdenken heraus, das anerkennt, dass auch der Kindesmutter die Möglichkeit gegeben sein muss, sich für oder gegen ein Lebensmodell zu entscheiden: “Solange sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern, besteht für mich als Vater (wenn ich ein gleichberechtigtes Elternverhältnis anstrebe) auf der individuellen Ebene die Aufgabe, für die Mutter meines Kindes die Voraussetzungen für eine möglichst große Entscheidungsfreiheit zu schaffen. Das bedeutet für mich: Ich muss deutlich machen, dass ich gerne dazu bereit bin (auch alleine!) mit dem Kind zuhause zu bleiben!” (Jochen König via Fuckermothers)

Und wenn dann aus einer Gruppe unbeirrbarer Männer eine (für Staat und Wirtschaft) nicht mehr zu überhörbare Masse geworden ist, dann können wir uns auch den persönlichen Befindlichkeiten dieser neuen Väter annehmen.

Eine Preview darauf sei an dieser Stelle gewährt: “Stay-at-home mothers feel these same stresses. But the ways men deal with them are another matter entirely. As proud and contented as I feel with my children, and as comfortable as I am with the choices my wife and I have made, there are definitely times when I find myself desperately needing to do something specific to assert my manhood. I daydream about spending weekends with a few buddies in the mountains, throwing a hatchet into a tree, or finding the time to grab a paddle and spend hours of solitude on a river in a canoe“, schreibt der Stay-at-Home-Father Brent Jordan (in einem grundsätzlich liebenswerten Artikel mit Gedanken über Elternzeit, die vermutlich vielen Müttern aus der Seele sprechen) – und ignoriert dabei allerdings galant, dass auch Mütter, die ihre Erfüllung eben nicht in der gesellschaftlich übergestülpten Mutterrolle sehen, ebenso nach Möglichkeiten suchen, ihr Dasein unabhängig von dieser zu bestärken. Doch ihr Sehnen danach wird nicht von allen Seiten mit verständigen Blicken und Aufforderungen unterstützt, sondern im Gegenteil: Sie ernten vielfach bloß Unverständnis.

Dieser Stolz darüber, die anspruchsvoll-herausfordernde Babyzeit daheim zu meistern, der aus den Gesichtern der neuen Väter springt, den sollten auch Mütter empfinden können. Alle. Nicht nur die neuen.

Besonders und allen voran die, die nicht durch eine_n Partner_in entlastet werden.

How I survived …

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Das war’s also. 18 Monate Karenz sind Vergangenheit … und ich bin in Stimmung für ein Resümee.

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(Bild via diejulia.net)

Aus feministischer Sicht gibt es dazu viel* zu sagen, aber das tue ich ohnehin die ganze Zeit. Darum trage ich an dieser Stelle einmal mehr oder weniger praktische Tipps, Empfehlungen und Besserwissereien für Schwangere und Neo-Mütter/-Väter zusammen. Alles höchstpersönlich und selbstverständlich absolut nicht-repräsentativ. Und nachdem ich bekennende Listenscheiberin bin, gibt es das Ganze in Form einer soliden Aufzählung (Ergänzungen via Kommentare sind höchst willkommen!).

• Schwangerschaft. Dammmassage, Kräuterdampfbäder, Akupunktur, Hypnobirth, Epino … es gibt viele Dinge, mit denen sich Schwangere auf die Geburt vorbereiten können bzw. mit denen Schwangere vor der Geburt verunsichert werden. Dazu Tipps oder Empfehlungen zu geben, kommt mir fast absurd vor. Jede Schwangere muss für sich entscheiden, womit sie sich wohl fühlt. Das ist mitunter schon das Schwierigste am Ganzen: sich darüber klar zu werden, was man selber will. Unterstützung dabei gibt’s hier: Die Videos von der Salzburger Hebamme Gerlinde Remsing auf Youtube. Und hier: Zum Thema Gebären aus feministischer Sicht hatte das Magazin an.schläge im Februar eine Schwerpunktausgabe. Und für soziologisch Interessierte dieses Buch: Zur Soziologie der Geburt.

• Was du in der Schwangerschaft kannst besorgen, … In diese Kategorie fallen jegliche Arzt_Ärztin-Besuche. Empfehle ich dringend! Zahnweh und Neugeborenes sind eher unlustig.

• Geburt. Wer sich eine eigene Hebamme leisten kann und will: unbedingt mit dieser durchbesprechen, wie man zu Peridualanästhesie, Dammschnitt vs Dammriss, Kaiserschnitt usw. steht bzw. (vorher wichtig) genaue Aufklärung darüber einfordern. Mir haben auch Gespräche mit ihr geholfen, wie die Situation im Krankenhaus ungefähr sein wird. Wer keine “eigene” Hebamme mit ins Krankenhaus bringt, der empfehle ich einen Geburtsplan parat zu haben bzw. die Begleitperson bei der Geburt, über eventuelle Vorbehalte, Wünsche usw. aufzuklären. Musik, Duftkerzen und Räucherstäbchen: wer’s mag … Ich selbst hätte keinen Moment gewusst, in dem ich darauf Lust gehabt hätte. Stattdessen: Traubenzucker. Gymnastikball. Duschmassagen.

• Während der ersten drei Monate ist alles gut. Wer Angst davor hat, sein Kind an irgendetwas “Schlechtes” zu gewöhnen, braucht diese zumindest in den ersten Monaten nicht ausleben. In diesem Alter sind Kinder entwicklungsmäßig noch gar nicht so weit. Und auch später, finde ich, wird das “Mach ich’s einmal, will es das immer” überschätzt.

• Internet, you are my friend. Und damit meine ich jetzt nicht einschlägige Elternforen (vor denen warne ich nachdrücklich), sondern die wunderbaren Blogs von Fuckermothers und Bluemilk, die die Erwartungen meiner ersten Internetsuche nach Mutterschaft und Feminismus gleich übertrafen … und es sollten viele weitere folgen (s. Blogroll).

• Was in der Nacht passiert, bleibt dort. Zwei übermüdet-überforderte erwachsene Menschen, die ein Neugeborenes über die Runden bringen = viel schlechte Laune und Grant. Wir hier haben beschlossen, dass nächtlich angefangene (Halb-)Streits nicht zu Ende geredet werden müssen und dass wir sie auch geflissentlich – im Wissen um ihre Herkunft – übergehen können.

• Rhythm rules. Das Baby an einen Tag-Nacht-Rhythmus zu gewöhnen ist herausfordernd. Was hier geholfen hat: Stillen/Fläschchen in der Nacht bzw. Wickeln in der Nacht sollte irgendwann als solches erkennbar sein. D. h. kein lautes Sprechen, kein helles Licht, keine Späße usw. Darüber hinaus: den Beginn der Nacht durch ein immer gleichbleibendes Ritual kennzeichnen.

Sti-Sta-Stillen: Wer nicht stillen will, soll nicht müssen. Wer stillen will, soll nicht leiden. Meine Rettung in der Not: Stillhütchen. In Österreich haben Hebammen sehr feine und gut angepasste Stillhütchen. Diese fand ich um ein Vielfaches besser als die Stillhütchen, die in Apotheken verkauft werden (die waren größer und vom Material her grober). Nach Auskunft meiner Hebamme musste sie extra etwas unterschreiben, damit sie diese Stillhütchen überhaupt bekommen hat … in die Richtung, dass sie sich bewusst ist, dass sie mit der Vergabe dieser an Stillende, das Stillverhalten nachhaltig stören kann. Das muss ich an der Stelle wohl nicht kommentieren. Es gibt übrigens auch Schmerzmittel, die während der Stillzeit eingenommen werden können. Als Retterin in der Not erwies sich diese Milchpumpe (Stichwort: außerplanmäßige nicht-stillgeeignete Medikamenteneinnahme. Stichwort: Milchstau.).

• Stillen und Fläschchen? Ja, ja, ja! Im Alter von vier oder fünf Wochen bekam das Baby zum ersten Mal ein abendliches Flascherl. Das hieß für mich: abendliches Ausgehen war wieder möglich. Und: Ich war nicht mehr die einzige im Haus, die das Baby zu Bett bringen konnte. Saugverwirrung? Fehlanzeige. Allerdings erwies sich das Kind auch bei allen folgenden Ernährungsschritten als ausgesprochen einfach handhabbar.

• Wochenbett: ernst(er) nehmen! Ich hatte schon bald nach der Geburt den Drang, die heimelige Höhle (Hölle?) zu verlassen und mich wieder unters (Nacht-)Volk zu mischen. Es hat gut getan. Im Nachhinein denke ich aber, dass ich mir ein bisschen mehr Zeit hätte geben sollen. Für mich und für die anderen. So ist meine Mutterschaft plötzlich für alle normal gewesen, nur für mich noch nicht. (Für Postpartum-Nachtschwärmerinnen: Seid vorbereitet auf Fragen wie: Und wo ist das Baby jetzt? Passt der Vater auf das Baby auf? Ach, du trinkst Alkohol?)

• Let’s talk about … Sex nach der Geburt: us-amerikanische Bloggerinnen (Video | English | 4 min) und diese britischen Frauen (“… from six weeks to one year …”) reden darüber.

• Ratgeberliteratur: Nur nicht zu viel! Ich habe mir ein Buch zur Schwangerschaft und eines zu Babyernährung gekauft, eines zur Entwicklung in den ersten zwei Jahren geschenkt bekommen und das war’s. Verwirrung und unterschiedliche Expert_innenmeinungen trifft man ohnehin zuhauf. Da tut es gut, wenn man einmal eine Entscheidung (für ein Buch) getroffen hat und das dann als Leitfaden hernimmt.

• Gut Gemeintes aka “Ich weiß alles besser”. Ich habe Monate gebraucht, um mich in meiner neuen Rolle als Mutter so einzurichten, dass mich nicht jeder dahingesagte Ratschlag verunsicherte oder aus der Fassung brachte. Merke: Was mit der Schwangerschaft beginnt, nimmt nach der Geburt seinen frohen Lauf. Ab jetzt performt die Frau öffentlicher denn je. Jede muss ihren eigenen Weg finden, damit umzugehen. Der tut sich meistens aber nicht von allein auf, sondern will aktiv gefunden werden. Mir haben Gespräche mit dem Freund geholfen, in denen wir gemeinsam Antworten auf blöde Ratschläge gesucht haben. Was mir nach wie vor hilft: Ich denke mir immer, der_die Ratschlag-Geber_in verteidigt damit nur sein_ihr eigenes Lebenskonzept. Also nehme ich diese “Tipps” eher als Hinweis auf das andere Verhalten an und kann dann interessiert antworten: “Ah, ja, klingt gut/interessant/… Ich mache das (aber) so.” Punkt. Und: Auf keine Diskussion einlassen ist oft fürs eigene Seelenwohl besser.

• Austausch mit anderen Eltern: in Maßen! Sehr hilfreich war für mich, im Gespräch mit anderen Eltern nicht in den Entwicklungswettbewerb einzusteigen; d. h. auch selber nicht zu fragen: Dreht es sich schon? Sitzt es schon frei? Schläft es schon durch? … Stattdessen interessierte ich mich eher für die Alltagsbewältigung der anderen Mütter. Ich habe eine Freundin mit Kindern und mit der tausche ich mich über jede Kleinigkeit das Kind betreffend aus. Das ist unendlich wichtig, aber das reicht mir. Es gilt: Je mehr Eltern, desto mehr Meinungen, desto mehr Verunsicherung.

• Hilfe annehmen (besonders in den ersten Wochen). Freund_innen bitten, ab und zu Mittagessen vorbeizubringen, beim Einkaufen zu unterstützen, mit dem Baby im Wagen eine Stunde spazieren gehen usw.

• Entspannung passiert nicht einfach so. Was mich entspannt(e): Heim-Yoga (das Baby beobachtete meine “Performance” meistens vergnügt – und ist mittlerweile eine Meisterin der Hund-Stellung), Hammam-Besuch (Ich war sehr unsicher mit meinem “Postpartum-Körper”, alles war so weich und verletzlich, dachte ich. Anders als im Hallenbad ist es in den meisten Hammams dunkler und es gibt Geschlechtertrennung. Und: Körperwaschung und Massage von der Hammamci fühlten sich für mich so an, als wenn ich meinen verloren geglaubten Körper nun wieder zurückbekommen hätte, nachdem er monatelang für das Baby dagewesen war), Badewanne (auch mit Kind hier immer wieder der letzte Ausweg, wenn nur mehr Tragen kombiniert mit weinerlichen Unzufriedenheit regiert; das Kind spielt im Wasser und ich kann tatenlos herumliegen).

• Das Kind schläft (tagsüber): Seize the moment! Diese Zeit unbedingt wohlüberlegt und gut nutzen. Schlafen, essen, lesen … ähm … an der Diss schreiben … in jedem Fall sollten diese wertvollen Minuten (und später bestimmt auch einmal Stunden) nicht ungenutzt verstreichen. Und damit meine ich keinesfalls: Haushaltstätigkeiten. An meinem Karenzidealvormittag kochte ich z. B., solange das Kind noch wach war, brachte es dann ins Bett und konnte dann, ohne Zeit zu verlieren, sofort mit Essen und Entspannen beginnen.

• Das Kind weint. Sehr empfehlen kann ich einen Sitz- oder Gymnastikball. Die Wippbewegung hat das Kind hier immer auf die Sekunde beruhigt. Es ersparte mir nächtliches Auf- und Ablaufen. Außerdem konnte ich damit auch beim Tisch sitzen, essen, schreiben usw. Außerdem gute Beruhiger: bestimmte Lieder, die regelmäßig abgespielt werden (K.s Hit Nr. 1: Was it a dream von The Do); Haut an Haut mit dem Baby; Einwickeln in eine Decke; Lichter (draußen und drinnen), Babys nackte Haut föhnen (wirkte bei uns Wunder).

• Wickeldrama. Ab einem gewissen Alter wollte sich das Baby nicht mehr im Liegen wickeln lassen, was in einen regelrechten Kampf auszuarten drohte. Die Situation entspannte, dass wir uns an sie angepasst haben und sie seither – auf Verlangen – im Stehen wickeln (klingt anfangs komplizierter als es ist und erleichtert Wickelvorgänge an öffentlichen Orten, die ohne Wickeltisch und/oder ekelig sind, ungemein).

• Gegen auf den Kopf fallende Decken: Hörspiele hören oder mit Headset telefonieren (das macht die Stunden mit Baby am Arm kurzweiliger), lesen (mich hat das Smartphone gerettet), trotz Kind und Kompliziertheit in die Welt ziehen (meine Devise: wenn’s schief geht, kann ich immer noch umdrehen), Museumsbesuche (sobald das Kind läuft, sind die eher mühsam, also, wenn’s interessiert: bald genug damit anfangen), mit Decke und Zeitschrift ausgerüstet in den Park legen, Babysitter_in suchen, finden, engagieren und nutzen, kreativ werden, Kontakt zu anderen Karenzler_innen suchen (ich empfehle Spielgruppen nach Emmi Pikler; das Konzept – Kinder in ihrem eigenen Tempo entwickeln lassen ≠ PEKIP – an sich entspricht meinen Überzeugungen besonders für das erste Babyjahr sehr).

• Choose your battles wisely. Dieser Tipp der Spielgruppenleiterin hat mein Zusammenleben mit dem bereits älteren Baby nachhaltig beeinflusst. D. h. zum Beispiel: Ja, ich könnte jetzt elendslang und konsequent über “Das ist mein Glas und das ist dein Glas” diskutieren – oder ich komme zu dem Schluss, dass ich mir meine Kräfte dann doch lieber für wesentlichere “Kämpfe” aufspare (z.B.: um das “Draußen setzt du eine Haube auf” komme ich ohnehin nicht herum). Also, Konsequenz ist sicher gut, kann aber auch übertrieben werden. Auch Eltern können ihre Meinung ändern (“Na gut, wenn es dir so wichtig ist, die Packung Reis mit in dein Zimmer zu nehmen …”) … Das klingt jetzt vielleicht banal, aber so ein Alltag mit willenserstarktem Kind ist sonst ganz schön anstrengend.

• Zähle nicht die Stunden! Die Tage daheim ziehen sich wie alter Kaugummi. Es war an so vielen Tagen so langweilig … je sehnsüchtiger ich den Abend (=Rückkehr des Freundes) herbeisehnte, umso langsamer vergingen die Stunden. Meine Strategie: Aufgaben gemeinsam mit Kind bewältigen und Höhepunkte suchen. Ersteres meint: Ich teilte meine Vormittage oft ein in “Jetzt hängen wir mal die Wäsche auf und räumen den Geschirrspüler aus” (= 1/2 Stunde) und “Jetzt gehen wir gemeinsam baden und betreiben Körperpflege” (= 1 Stunde). Zweiteres: Mittagessen, Nachmittagsspaziergang (mit Coffee-to-go und Topfengolatsche), schönes Telefonat, Museumsbesuch, Marktbummel usw. Auch die Woche vergeht gleich viel schneller, wenn es ein paar fixe Termine und ein paar Stunden mit festen Babysitter-in-Zeiten darin gibt.

• Babyfreie Zeiten retteten mich über so manche Tiefs. Ausgehen, auf die Bibliothek gehen, Freund_innen treffen … spontan ging erst einmal überhaupt nichts. Die Freizeit als Neo-Mama musste wohl geplant und gut organisiert sein. Für mich lebensrettend. Ebenso date-mäßig im Kalender festgehalten: Paarzeit mit dem Freund (Qualitätszeit kann meiner Erfahrung nach auch daheim ausgesprochen gut verbracht werden).

Vollgespieben ist’s nur halb so lustig. Wechselkleidung mitschleppen lohnte sich selten, aber wenn, dann so richtig. Nicht nur fürs Kind, sondern auch für mich (Stichwort: Spucken und Erbrechen).

• Reden. Mit Erwachsenen über Erwachsenensachen. Mit Freund_innen über Geburt-Mutter-Sachen. Mit dem Freund (Erfahrungen teilen, Aufgaben teilen, Glück teilen. Klingt am einfachsten, ist am schwierigsten …).

Und ihr so?

* Angefangen von der Geburt über (un)veränderte Freundschaften und Kinderlosigkeit bis hin zu Gedanken zum gleichberechtigten Paarleben, vom Körpervermessungswahn über körperliche Verunsicherungen bis hin zu den Yummy Mummies, von Erkenntnissen im 1. Jahr über Langeweile, Verunsicherung und Angst bis hin zu der Erklärung, warum ich mich nicht als Mutter definieren will, von wahren Sätzen und bösen Müttern.

Let’s talk about gender, baby

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The Knife | Full of fire

“Who takes care of our stories when the big history, written by straight rich white men, erase the complexity of human’s lives, desires and conditions? The film ‘Full of Fire’ consists of a network of fates, fears, cravings, longings, losses, and promises. Fates that at first sight seem isolated from each other, but if we pay attention, we can see that everything essentially moves into each other. Our lives are intertwined and our eyes on each other, our sounds and smells, mean something. Our actions create reality, we create each other. We are never faceless, not even in the most grey anonymous streets of the city. We will never stop being responsible, being extensions, of one another. We will never stop longing for each other, and for something else.”

(‘Full of fire’-Regisseurin Marit Östberg)

Aus der nicht existenten Serie “Das Lied zum Freitag” ebenfalls erhältlich:

Manche Freitage sind besser als andere (Charlotte Gainsbourg | Paradisco)

Keine Sorge, mir geht’s gut (Sonic Youth | She’s in a bad mood)

Manche Freitage sind weniger gut als andere (Tango with Lions | In a bar)

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